Bücher | Medien nach Erscheinungsdatum

Stefanie Taschinski, Caspar und der Meister des Vergessens

„»Was geschieht hier?«, flüsterte sie. »Wo ist Till?« Er konnte die Angst in ihrer Stimme hören. »Ich weiß nicht. Hast du sein Zimmer gesehen?«, fragte er. Greta nickte. »Es … ist, als hätte ihn jemand ausradiert.« Ja, dachte Caspar. Ausradiert aus ihrem Haus, den Fotos und was am allerschlimmsten war: sogar aus der Erinnerung ihrer Eltern.“ (66)

Der elfjährige Caspar, seine dreizehnjährige Schwester Greta und sein kleiner Bruder Till gehören zu einer berühmten Puppenspielerfamilie in Kopenhagen. Seine Eltern feiern, wie schon ihre Vorfahren, große Erfolge mit ihrem unvergleichlichen Marionettentheater. Doch niemand in der Familie ahnt, dass dieser Erfolg einen hohen Preis hat. Nur Anatol, der sich in der Werkstatt um die Reparatur der Puppen und des Theaters kümmert, scheint mehr zu wissen, als er zugeben will.

Stefan David Kaufer, Sopranistinnensterben

Die Begriffe in der literarischen Geschäftssprache werden immer üppiger, was dem Österreichischen sehr entgegenkommt. Zum Roman sagt man mittlerweile Kriminalroman, zum Koch Haubenkoch und zum Autor Bestseller-Autor.

Stefan David Kaufer setzt diesen Ausschweifungen eins drauf und nennt seinen frechen Text satirischen Kriminalroman, und aus den Sopranistinnen hört man als Leser noch die schrillsten Töne heraus, ehe sie sterben. Die wichtigste Silbe des ganzen Romans ist ur-, das verrät einerseits große Sprachkompetenz der Helden, wenn sie alles auf einen Urzustand zurücksetzen, und andererseits große Emotionalität, wenn in urkomischen Metaphern zwischen den Generationen-Codes herum geplärrt wird.

Sara Oliver, Gefangen zwischen den Welten

„Ve dachte gerade darüber nach, ob sie es riskieren und die Tür öffnen sollte, als sich der Ausschnitt hinter dem Schlüsselloch verdunkelte. Bevor sie reagieren konnte, wurde die Tür aufgerissen. Erschrocken für Ve hoch. Und stieß einen entsetzten Aufschrei aus, genau wie die Person, die ihr plötzlich gegenüberstand. Es war sie selbst.“ (110)

Veronika, die von ihrer Mutter kurz Ve genannt wird, soll ihren Vater in der Nähe von München besuchen. Doch die ungeliebte Reise entwickelt sich von Beginn an in eine richtige Katastrophe. Aber Ve ahnt noch nicht, dass ihre der wahre Albtraum erst bevor steht.

Gianrico Carofiglio, Trügerische Gewissheit

Wie bei allen großen Dingen im Leben ist auch in der Kriminalistik die Gewissheit zur falschen Zeit ein Luder und kann einen Fall verhunzen.

Gianrico Carofiglio lässt in seinem Kriminalroman die Figuren einzeln und übersichtlich auftreten, die trügerischer Gewissheit lässt Maresciallo Pietro Fenoglio jeweils den Gedankenfaden unterbrechen, wenn er zu logisch wird. Erst durch Geduld und Hartnäckigkeit, den Grundtugenden des Sherlock Holmes, den der Held begeistert liest, kommt der Fall voran.

Johann Kapferer, Der zitronengelbe Omnibus

In jedem Kinderbuch steckt auch ein magischer Roman für Erwachsene, der von den Vorleserinnen heimlich aus dem Buch herausgestohlen wird, wenn die Kids eingeschlafen sind.

Johann Kapferer hat mit dem „zitronengelben Omnibus“ in Wirklichkeit einen handfesten Roman aus der Arbeitswelt geschrieben und gezeichnet. Held der Arbeit ist Albert, ein Schulbus-Chauffeur der pädagogischen Extraklasse. Seinen Omnibus kennt er in- und auswendig, er hat ihm den Namen Eberhard gegeben, und Eberhard gehorcht aufs Wort, wenn man die richtigen Pedale und Hebel drückt.

Natalka Sniadanko, Frau Müller hat nicht die Absicht, mehr zu bezahlen

Während Politiker nie wissen, was die Dinge des Alltags so kosten, sind die Alltagsprofis auf den Cent genau informiert und zahlen nur das Nötigste, was auch meist zu viel ist.

Natalka Sniadanko erzählt von den dürren Möglichkeiten der Selbstverwirklichung, wenn man als Arbeitsmigrantin unterwegs sein muss. Hauptfigur ist Chrystyna, die mit ihrer Freundin Solomija von Lemberg nach Berlin übersiedelt ist, der Arbeit wegen.

Antje Bohnstedt, Allerbeste Freunde - Die Zwergenplage

„»Wer hat meinen Honig geschleckt?«, brummt Mo. »Na gut, dann futter ich eben ein paar Kekse!«, beschließt er. Aber was ist das? Die Kekse sind weg! Statt dessen liegt ein kleiner Zwerg in der Dose und grinst.“

An einem heißen Sommermorgen sind die allerbesten Freunde Pit, der Pinguin und Mo der Bär bereits sehr früh mit ihrer Arbeit im Garten beschäftigt. Nur Hugo, der Hase, hat etwas anderes im Sinn. Er füttert die Zwerge, obwohl er das nicht tun sollte, den schon bald, finden sich die kleinen Plagegeister im ganzen Wohnmobil wieder. Als Mo bemerkt, dass die Zwerge seine Kekse und seinen Honig aufgegessen haben, wird er wütend. Doch die Zwerge lassen sich von dem großen Bären nicht beeindrucken.

Ada Zapperi Zucker, Das Unbehagen der Sora Elsa

Wenn eine versteckte Nuance in den Titel rutscht, werden dadurch auch alle anderen Begriffe in einen neuen Kontext gestellt. „Sora bezeichnet im römischen Dialekt eine Frau der einfachen Volksschichten.“ (179)

Ada Zapperi Zucker lässt in ihren sechs Erzählungen Menschen wie Sora Elsa zu Wort kommen. Ihre Geschichten sind zweifach an den Rand des Mainstreams gedrückt, einmal, weil es meist einfache Leute jenseits der jeweiligen Eliten sind, die erzählen, andererseits, weil die Geschichten an jener Kante der Zeitgeschichte spielen, wo sich dahinter das Reich des Vergessens auftut.

Anna Rottensteiner, Nur ein Wimpernschlag

Die Literatur schafft die Möglichkeit, die Zeit so zu verdichten, dass sie in einem Wimpernschlag untergebracht werden kann. Diese Verdichtung lässt sich auf ein ganzes Leben ausdehnen, so dass in quasi in einem Standbild der Erinnerung alles aufgezeichnet ist.

Anna Rottensteiner führt eine Ich-Erzählerin durch eine scheinbar klaglose Kindheit herauf bis zu jenem Punkt, an dem das Leben abgerundet und seltsam offen ist. In den Stationen Sommer-Kindheit, Sommer-Tourismus und Daseins-Herbst reflektiert die Erzählerin über eine makellos aussortierte Erinnerungsgalerie, in der die Bilder harmonisch ausgestellt sind.

James Riley, Weltenspringer

„Und dann passierte etwas, mit dem Owen nie im Leben gerechnet hätte. Fünf von Schokolade verschmierte Finger schoben sich aus der Mitte des Buches, packten den Rand und hievten sich heraus.“ (15)

Owen mag nichts weniger als Langeweile und der Mathematikunterricht seines Lehrers Mr Barberry zählt für ihn zum Langweiligsten, was er sich vorstellen konnte. Keine Spur von Aufregung und Abenteuer wie in seiner Lieblings-Fantasy-Serie „Kiel Gnomenfuß“, das eindeutig zu Owens Lieblingsbüchern zählt. Doch dann geschieht etwas, das seine ganze Aufmerksamkeit und Neugier auf sich zieht. Er bemerkt wie seine Schulkameradin Bethany hinter dem Buch „Charlie und die Schokoladenfabrik“ verschwindet, um später mit schokoverschmierten Finger wieder aufzutauchen.

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