Belletristik

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Erwin Uhrmann, Abglanz Rakete Nebel

In der guten Lyrik ist nicht nur die Schwerkraft als solche aufgehoben, im lyrischen Kraftfeld verlieren die Wörter oft auch ihre ursprüngliche Bedeutung und legen sich neue semantische Flügel zu.

Erwin Uhrmann lockt mit seiner ungewöhnlichen Assoziationskette Abglanz-Rakete-Nebel die Leserschaft elegant ins Innere des Buches, wo die Gedichte und Bilder ausgebreitet sind wie ein stroboskopischer Flügelschlag. Fast alle Gedichte sind zweiseitig und in der Mitte gefaltet. An dieses Format halten sich auch die Bilder von Julian Tapprich, auf denen monumentale Stillleben zu sehen sind. Eine Arbeitsschaufel lehnt etwa feierlich in der Ecke, während ein Playmobil-Frosch aus dem Bild abzuhauen versucht. Die leicht verschwommen wirkenden Installationen zeigen aber ein klares Motiv: die Verstörung durch filetierten Alltag!

Waltraud Seidlhofer, Langsame Figuren

Es gibt in der österreichischen Poesie eine konsequente Richtung, die politisch-poetische Vorgänge eines kleinen Landes mit der Ästhetik von Unbestechlichkeit verbindet.

Lose verknüpft sind die Protagonisten dieser Schreib-Haltung am ehesten durch den Heimrad-Bäcker-Preis, dessen Namensstifter seinerzeit eine minimalistische Poesie politischer Sachlichkeit mit der „edition neue texte“ ins Leben gerufen hat.

Peter Paul Wiplinger, Tagtraumnotizen

Irgendwo zwischen Tag und Nacht, Leben und Tod, Vergangenheit und Zukunft sind die Tagträume zu Hause, die sich nicht greifen lassen, höchstens umrunden.

Peter Paul Wiplinger nennt seine Aufzeichnungen aus diesem täglich aufziehenden Schattenreich Tagtraumnotizen. Im ersten Anblick erinnern diese kompakten Prosazellen an schwere Keile, die in die Materie gerammt sind um entweder einen Baum zu fällen, eine Tür aufzuspreizen oder einen Stein zu sprengen. Die Texte sind nach innen spitz und nach außen stachelig gehalten, sie geben ihr Geheimnis nicht leichtfertig her, für die Lektüre braucht es einen langen Blick über die Zeilenränder hinaus und eine Ahnung von der Vergänglichkeit des ganzen Werkels, das sich Leben nennt.

Bosko Tomasevic, Hervorgang des Seins

Die Philosophie ist an und für sich ein Massenphänomen, weil jeder Mensch zwischendurch etwas denkt und dabei das Gefühl hat, es könnte sich um etwas Philosophisches handeln. Die ausgewiesene Philosophie grenzt sich dagegen mit Insiderwissen, Fachausdrücken und einem geheimnisvollen Ritual ab, womit sich die Beteiligten gerne selbst in ein besonnen-verschrobenes Eck stellen.

Bosko Tomasevic ist in unseren Breitengraden vor allem als Lyriker bekannt, als Anwalt des Georg Trakl, und als erster Innsbrucker Stadtschreiber. Dabei gilt der Autor als anerkannter Metaphysiker, der seinen Gedichten jeweils einen poetologischen Überbau verschafft und umgekehrt Gedichte oft als „Fallbeispiele“ des Denkens niederschreibt.

Mieze Medusa & Markus Köhle, Alles außer grau

In der Pionierphase des Poetry Slam waren die Auftritte der Künstler oft ein illuminierter Wutschrei, und die ersten Bücher darüber waren unlesbare Niederschriften leicht depressiver Monologisten. Mittlerweile ist Poetry Slam eine kontinental verbreitete literarische Giga-Form mit eigener Geschichte, mitreißenden Ritualen und ausgewiesenen Experten an Bord.

Mieze Medusa & Markus Köhle zeigen mit ihren „Texten to go“, wie Ambiente, Mobilität und lokale Inszenierung eine Kunstform hervorbringen, die „alles außer grau“ ist.

Wolfram von Eschenbach, Parzival

„Den Männern und den Frauen / verbot sie allen auf den Tod, / dass sie je von den Rittern sprechen. / »Denn wüsste meines Herzens Schatz, / was dieses Ritterleben sei, / dann würd‘ mir das zum großen Unheil. / Nun haltet euch an die Vernunft / und sagt nichts von der Ritterwelt.«“ (118)

Wolfram von Eschenbachs Parzival gehört zu den Hauptwerken der deutschen Literatur des Mittelalters. Das Anfang des 13. Jahrhunderts entstandene große Versepos besteht aus sechzehn Büchern mit 25.000 Versen und erzählt das abenteuerliche Leben des Ritters Parzival, der sich auf seinem Weg auf der Suche nach dem Heiligen Gral zu einer großen ritterlichen Persönlichkeit entwickelt.

Markus Köhle, Kuhu, Löwels, Mangoldhamster

Wenn überall in den Labors Pflanzen, Tiere und Menschen zusammengeklont und genetisch umformatiert werden, dann braucht es wohl einen, der im Sprachlabor das passende Material herstellt. Diesen Teil hat der Sprachkünstler und -erfinder Markus Köhle übernommen.

Markus Köhle setzt aus bewährten Tiersilben neue Tiere zusammen und stellt sie wie einst Grzimek mit einer Fallgeschichte vor. Sabine Freitag zeichnet aus bewährten Tierkörperteilen neue Tiere, die im schlimmsten Fall fröhlich, aber nie monströs wirken.

Amina Abdulkadir, Alles, nichts und beides

Alles, nichts und beides sind radikale Mengenangaben, wo es keinen Nachlass oder Rabatt gibt. Alles, nichts und beides ist eine Überlebensformel, die für alle wesentlichen Themen in Frage kommt: Liebe, Tod, Bleiben, Weggehen.

Amina Abdulkadir nennt die Anwendung ihrer Lebensformel Kürzestgeschichten, denn sie sind das radikalste Narrativ, das es für eine Ausnahmesituation gibt. Diese Geschichten haben oft die Gestalt eines Stachels und werden dem anwesenden Fleisch eingerammt als Mahnmal, Gedächtnisstütze oder Erinnerungs-Pikser.

Antonio Fian, Schwimmunterricht

Lässt sich ein Dramolett mit einem Omelett vergleichen? - Im Prinzip ja, denn auch im Dramolett werden die typischen Phrasen wie Eier zerschlagen und aufgebraten, bis das latente  Braun Österreichs sichtbar wird.

Antonio Fian hat die Form des alltäglichen Smalltalk-Kalauers zur subtilen Dramoletten-Kunst weiter entwickelt. Jeder Satz kann ein Schas-Zitat sein oder die höchste philosophische Erkenntnis, zu der österreichische Heldinnen und Helden fähig sind, wenn sie die Kronen-Lektüre beendet haben.

Gerhard Kofler, Meeressammlungen. / Collezioni marine

Manchmal erzählt ein winziger Druckfehler eine ganze Geschichte der Hoffnung und Unsterblichkeit. Im Abschlusskommentar zum dritten Band „Das Gedächtnis der Wellen“ von Gerhard Kofler wird sein letztes Gedicht auf 24. August 2015 datiert, ein logischer Gedanke, denn niemand kann es noch glauben, dass der Autor 2005 gestorben ist.

Der dritte Teil der Vermächtnis-Trilogie gibt den Abschnitten „Argentinischer Settebello“, „Allein und italienisch“ sowie „Meeressammlungen“ Quartier. Das Überraschende und beinahe Unglaubliche dieser Gedichte besteht in der einseitigen Sprache des Italienischen. Es wird stark gerätselt, warum Gerhard Kofler das Modell der Tandem-Dichtung aufgegeben hat, worin Italienisch – Deutsch zusammengeschweißt sind, undenkbar, dass man eine der beiden Sprachen herauslöste oder bevorzugte.

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