Kurzgeschichten

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Simon Konttas, Bagatellen

Eine Bagatelle in der Musik ist letztlich etwas so Mickriges, dass es sich gar nicht lohnt, die Instrumente auszupacken. Im Strafrecht ist eine Bagatelle etwas, was nicht der Mühe wert ist, einem Verfahren zugeführt zu werden.

Simon Konttas reizt mit seinen literarischen Bagatellen jene Schmerzgrenze aus, bis zu der die Protagonisten zwar ordentlich leiden, aber ihr Schmerz noch nicht ausreichend tief für einen großen Roman wütet. So bringen die siebzehn Geschichten die Helden zwar an die Grenze des Wahnsinns, aber die Deeskalation geschieht schließlich, indem der Erzählsack österreichisch zugemacht und der Konflikt somit beendet wird.

Aleš Šteger, Logbuch der Gegenwart

Eine literarische Antwort auf die Welt der politischen Selfies und Clouds ist die Echtzeitliteratur, die im Stile eines journalistischen Selbstversuchs an sogenannten Hotspots der Weltgeschichte abläuft oder durch Inszenierung Hotspots schafft.

Aleš Šteger ist in der Kernzone seiner selbst Poet, allerdings ist er wie ein Kriegsberichterstatter ununterbrochen unterwegs, um eine Art Logbuch der Gegenwart zu inszenieren. Wenn unsereins sagt, dass die heutige Zeit im Bild der Roman von morgen ist, so sagt der Autor, dass dieser Roman auch dort spielen muss, wo die Nachricht über ihn entstanden ist.

Petra Nachbaur, Lele

Beim historischen Schundheft der 1960er Jahre haben sich immer alle Beteiligten versteckt. Jetzt beim grandiosen Revival vom „Schundheft“ wird zwar ebenfalls die übliche Publikationsordnung auf den Kopf gestellt, die Autorinnen und Graphikerinnen verstecken sich aber nur lose hinter Initialen, die Herausgeber gehen in den Untergrund des Covers und der Titel verfehlt knapp den Villacher Fasching und propagiert „Lele“, was vermutlich in der Geheimsprache „Lesen!“ heißt.

Vom Format her gesehen lässt sich das Schundheft elegant in einem betulichen Reclam-Heftchen verstecken und erinnert ein wenig an einen hochgestellten Prinzen Eisenherz. Und auch das Motto kann sich sehen lassen, völlig unvegan wird gefragt „Zuerst Henne? Zuerst Huhn?“

Klaus Ebner, Hominide

In der Biologie gibt es die durchaus praktikable Denkvorstellung, dass das Leben aus permanent flatternden DNA-Strähnen besteht, die fallweise zu Menschen, Tieren oder Zellen ausgebildet sind. Nach dieser Logik kann ein Menschenaffe in grauer Vorzeit durchaus im Gebüsch am Rande einer Savanne sitzen und mit dem Denkwerkzeug der Gegenwart den Sinn des Lebens finden.

Klaus Ebner erzählt die Evolutionsgeschichte verblüffend einfach und gleichzeitig höchst raffiniert. Vor Millionen von Jahren sitzt eine Sippe von Hominiden in Afrika zwischen zwei Vegetationsgebieten fest. Alles läuft rudelgemäß ab, man paart sich, wenn es sich ergibt, man hält den Kreislauf im grünen Bereich und huldigt einer sozialen Ordnung, über die man nicht viel nachdenkt.

Sepp Kahn, Drei Bauern auf Wallfahrt

Seit im Tourismus das Gelände im Winter als Loipen genützt und im Sommer als Jakobsweg betrampelt wird, ist auch das Wallfahrtswesen in Tirol wieder in Schwung gekommen.

Sepp Kahn fasst sich als Erzähler ein Herz und marschiert mit seinen Kollegen, zwei gestandenen Altbauern, von denen nur einer Sepp heißt, von Itter nach Georgenberg. Von Anfang an ist klar, hier werden die erwanderten Bilder ironisch gedeutet und aufgezeichnet, die Haltung wird nie in Frage gestellt, selbst der größte Scheiß ist zwar von Menschenhand gemacht, dient aber zur Verehrung eines höheren Tiroler-Sinns.

Annett Krendlesberger, Doch

Oft sind es diese kleinen selbstbewussten Widerspruchswörter, die in einer Erzählung als strukturierte Alternativen hervortreten. Das Wörtchen „doch“ erinnert im besten Fall an ein dynamisches Kind, welches in den Boden stampft und „doch“ schreit, um ein Begehren vorzutragen.

In Annett Krendlesbergers knapp zwanzig Erzählungen treten Heldinnen und Helden auf, die an die Peripherie der öffentlichen Wahrnehmung gerückt sind und einmal noch kurz so etwas wie einen eigenen Willen kundtun, um den letzten Rest einer eigenen Identität zu dokumentieren. Dabei gerät dieses Aufbegehren manchmal in die Nähe einer Marotte, die erst recht wieder ohne Aufmerksamkeit weggewischt wird.

Ludwig Roman Fleischer, Unerwünschte Nebenwirkungen

In einem geordneten System wie der Medizin, der Pädagogik oder der Literatur geht man davon aus, dass etwas beabsichtigt wird, und „daneben“ können unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Nun wissen aber gewiefte Mediziner, Lehrer und Autoren, dass es besser ist, Haupt- und Nebenwirkung zu vertauschen, um das Ziel zu erreichen.

Ludwig Roman Fleischer untersucht in seinen literarischen Fallbeispielen knapp zwanzig solcher Nebenwirkungsfälle, die naturgemäß dermaßen skurril und „entrig“ ausgehen, dass man wahrscheinlich bei keinem Gericht der Welt den Schaden einklagen kann. In der Hauptsache ist es das System, das die Sachen vertauscht und etwa Fußnote mit Überschrift verwechselt.

Sepp Kahn, Ein Bauer auf Kur

Manche Berufsgruppen eignen sich aus politischen, religiösen oder patriotischen Gründen ganz besonders für die Hervorbringung von Helden. So hat der Arbeiter so lange den Helden gemimt, bis es keine Arbeit mehr gegeben hat, und der Bauer, gefeiertes Liebkind aus dem Ständestaat, ringt schon seit Jahrzehnten mit dem heldischen Abgang vom Hof.

Sepp Kahn kümmert sich stets in satirischer Form um dieses Bauernbild, das ihm an manchen Tagen unter der Hand zusammen-kugelt, noch ehe er es fertig entworfen hat. Unermüdlich wird von einer Welt erzählt, worin die Protagonisten sich zuerst in einem Klischee zeigen, dann aber sich selbst durch Bauernschläue retten und dem Publikum zeigen, dass sie noch Herr der Lage sind.

Amina Abdulkadir, Alles, nichts und beides

Alles, nichts und beides sind radikale Mengenangaben, wo es keinen Nachlass oder Rabatt gibt. Alles, nichts und beides ist eine Überlebensformel, die für alle wesentlichen Themen in Frage kommt: Liebe, Tod, Bleiben, Weggehen.

Amina Abdulkadir nennt die Anwendung ihrer Lebensformel Kürzestgeschichten, denn sie sind das radikalste Narrativ, das es für eine Ausnahmesituation gibt. Diese Geschichten haben oft die Gestalt eines Stachels und werden dem anwesenden Fleisch eingerammt als Mahnmal, Gedächtnisstütze oder Erinnerungs-Pikser.

Heinrich Heine, Bummel durch Tirol

Wenn eine Berühmtheit etwas sagt, können auch sogenannte blöde Sätze äußerst wertvoll werden. Der Sager „Innsbruck selbst ist eine unwohnliche, blöde Stadt“ wird zwar für richtig gehalten und tausendmal am Tag ausgesprochen, aber erst dass dieser Satz von Heinrich Heine stammt, macht ihn so wertvoll.

Bernd Schuchter geht mit seinem „Bummel durch Tirol“ der Frage nach, wie man ein Stück Klassiker lesen könnte, ohne dass man dafür eine Prüfung ablegen müsste. Am Beispiel von Heinrich Heines Reisebildern aus dem Jahre 1830 zeigt er, wie die Leserschaft der Gegenwart mit einem beinahe zweihundert Jahre alten Text umgehen könnte, nämlich durch Herausdestillieren von Reizwörtern und Reizsätzen.

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