650 Jahre Österreichische Nationalbibliothek

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Die Österreichische Nationalbibliothek feiert in diesem Jahr ihren 650 Geburtstag und gilt damit zu den ältesten Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen Österreichs. Auch wenn kein Gründungsjahr für die Büchersammlung der heutigen Nationalbibliothek bekannt ist, wird der Beginn der Bibliothek mit dem Jahr 1368 angesetzt, das Jahr in dem das Evangeliar von Troppau Herzog Albrechts III. verfasst worden war. Aufbewahrt wurde das Buch gemeinsam mit einigen anderen Objekten in der Schatzkammer des Herzogs.

Die Nationalbibliothek ist in der Neuen Burg am Heldenplatz in Wien untergebracht. Der Zugang zur historischen Sammlung und zur Verwaltung erfolgt über den nahegelegenen Josefsplatz. Daneben gibt es Abteilungen in anderen Teilen der Hofburg sowie im Palais Mollard-Clary in der Herrengasse. Der Schwerpunkt der Österreichische Nationalbibliothek, mit ihren ungefähr fünf Millionen Druckwerken und insgesamt mehr 11 Millionen Einzelobjekten, liegt heute vor allem im Bereich der Geisteswissenschaften.

Von besondere Bedeutung sind die acht großen Sammlungen, in denen herausragende Schätze der österreichischen Kultur aufbewahrt werden und deren Bestand laufend erweitert wird. Die Sammlung von Handschriften und alten Drucken, die zu den weltweit bedeutendsten Beständen gehören, bildet den historischen Kern der früheren kaiserlichen Hofbibliothek. Nicht weniger beachtenswert ist die „Sammlung Bildarchiv und Grafiksammlung“, die mit einem Bestand von mehr als drei Millionen Objekten aus den verschiedensten Epochen die größte Bilddokumentationsstelle Österreichs darstellt.

In der Kartensammlung, die vor allem auf ihre alten Bestände stolz sein darf, werden circa 295.000 Kartenblätter, 45.000 topografische Ansichten, rund 800.000 Bildpostkarten, 750 Globen, 100 geografische Reliefs und Festungsmodelle sowie etwa 83.000 Bände Fachliteratur und Atlanten aufbewahrt und verwaltet. Zu den berühmtesten Werken zählt der bekannte "Atlas Blaeu-Van der Hem". Es handelt sich um Sammelatlas aus der Zeit des Barock in dessen 50 Bände sich ca. 2.100 kolorierten Kupferstichtafeln und Handzeichnungen finden.

Beeindruckend ist auch die umfangreiche Papyrussammlung, die mit ihren ca. 180.000 Objekten weltweit zu den größten Sammlungen ihrer Art zählt und die Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes ist.


Der Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek mit seinem sehenswerten Bestand an alten Büchern. Foto: Reinhold Embacher, Tibs Bilderdatenbank

 

Im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek werden die literarische Vor- und Nachlässe österreichischer Autorinnen und Autoren ab dem 20. Jahrhundert gesammelt und der wissenschaftlichen Auswertung zur Verfügung gestellt.

Weitere Sammlungen sind die Musiksammlung, in der sich Österreichs größtes Musikarchiv mit wertvollsten musikalischen Originalhandschriften befindet, aber auch das Esperantomuseum, das Archiv des Österreichischen Volksliedwerkes mit Büchern und Zeitschriften zum Thema Volkslied, Volksmusik, Volkstanz und Volkspoesie.

Neben den umfangreichen physischen Beständen bietet die Nationalbibliothek mit Hilfe ihrer digitalen Bibliothek und Kataloge einen bequemen Zugriff auf die digitalen Bestände der Nationalbibliothek. Neben Recherchemöglichkeiten können somit eine umfangreiche Anzahl an Büchern, Zeitschriften, Zeitungen u.a. digitalisierte Medien eingesehen werden.

Im Katalog „Ansichtskarten (AKON)“ lassen sich tausende von Postkarten rund um die Welt sowie aus den verschiedensten Regionen Österreichs auffinden.

Die digitale Bibliothek „Austrian Books Online“ ist ein Projekt der Österreichischen Nationalbibliothek mit dem Internetunternehmen Google, in dem der gesamte historische, urheberrechtsfreien Buchbestand vom frühen 16. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts digitalisiert wird. Die rund 600.000 Werke mit insgesamt ca. 200 Millionen Seiten werden weltweit online und kostenfrei zur Verfügung gestellt

Das „Bildarchiv Austria“ der Österreichischen Nationalbibliothek stellt eine wahre Fundgrube an alten Bildern, Porträts, Zeichnungen, Fotografien und Karten dar. Vom berühmten „Atlas Blaeu-Van der Hem“ konnten bereits 32 der 50 Bände mit Karten, Plänen, Landschaftsdarstellungen, Schlachtenszenen u.a. zu zahlreichen Ländern aus verschiedenen Kontinenten digitalisiert werden. Das Themengebiet „European Travel“ besteht aus einer Bilder- und Fotosammlung von Expeditionen, Ethnographien und von Reisen in Europa, Amerika, Asien und Afrika aus der Zeit der österreichischen Monarchie bis 1960.


Der 80 m lange und 20 m hohe Prunksaal der Nationalbibliothek mit der überlebensgroße Marmorstatue Kaiser Karls VI. als „Hercules Musarum“,
Foto: Anton Prock, Tibs Bilderdatenbank

 

Eine besondere Bedeutung kommt der Porträtsammlung der Österreichischen Nationalbibliothek zu mit mehr als 200.000 grafischen Bildnissen. Dargestellt werden Päpste, Kaiser, Könige, Amtsträger aber auch Bürger, Frauen, Geistliche, Gelehrte, Künstler, Militär, Randgruppen u.a. aus den verschiedensten Epochen, von der Antike bis ins 20. Jahrhundert.

Einblicke in die Zeit des Ersten Weltkriegs bietet die Foto-Sammlung „Kriegspressequartier Alben 1914 – 1918“, deren Gesamtbestand von mehr als 109 Bänden zu den verschiedensten Themen wie „Gebirgskrieg“, „Leben im Felde“, „Frauen im Krieg“ u.a. digitalisiert zur Verfügung steht. Ebenfalls zahlreiches Bildmaterial bieten die Sammlungen „Zeitgeschichte“, „Österreich“ und „Wien“ u.a.

Für die Forschung von besonderem Interesse sind der Katalog der Österreichischen Nationalbibliothek in dem mit Hilfe einer Suchmaschine aus den vorhandenen Druckschriften, Zeitungen und Zeitschriften, Artikeln und Aufsätzen, Inkunabeln, Musikdrucken, Handschriften und Nachlässen u.a. gesucht werden kann. Über den elektronischen Zeitschriftenkatalog lassen sich Zeitschriften aus den verschiedensten Fachgebieten auffinden, von „Anglistik, Amerikanistik“ über „Geschichte“, „Physik“ bis hin zu „Rechtswissenschaft“ und „Wissenschaftskunde“, die zum Teil online frei zugänglich sind.

Historische Rechts- und Gesetzestexte Online - ALEX

Die Datenbank für österreichische Rechts- und Gesetzestexte ALEX stellt den digitalen Lesesaal für Gesetze der Österreichischen Nationalbibliothek dar, wo in historischen österreichischen Rechts- und Gesetzestexten online geblättert, gesucht und gelesen werden kann.

Die bei ALEX abrufbaren österreichischen Rechts- und Gesetzestexte reichen bis in das Jahr 1767 zurück und bieten eine Dokumentation der österreichischen Gesetzgebung bis in die unmittelbare Gegenwart. Sie stellen damit einen außerordentlich wichtigen Quellenbestand zur Geschichte, Politik, Kultur und Gesellschaft in Österreich dar. Manche der alten Rechtsnormen sind auch heute noch gültig und bilden die Basis der österreichischen Rechtsordnung.


Die Datenbank ALEX bietet historische österreichische Rechts- und Gesetzestexte von 1767 bis in die Gegenwart online zum Lesen an. Screenshot: ALEX - Historische Rechts- und Gesetzestexte Online

 

Mit der Digitalisierung verfolgte die Nationalbibliothek den Zweck einerseits Originaldokumente vor dem physischen Verfall zu schützen und andererseits deren Inhalte weltweit für breite Bevölkerungsschichten einfacher und schneller zugänglich zu machen.

Gerade historische Rechtstexte mit ihren Großformaten und dem bisweilen extrem brüchigen Papier sind bei der Manipulation starker physischer Belastung ausgesetzt. Oftmals besteht Kopierverbot. Sind sie digitalisiert, müssen Sie nicht mehr manipuliert werden und werden dadurch geschont. Bei Bedarf besteht auch die Möglichkeit, sich die relevanten Seiten als PDF auf den eigenen Computer zu laden und auszudrucken.

Die Suche nach Gesetzestexten in ALEX erfolgt grundsätzlich über zwei Zugänge. Einerseits kann über eine zeitliche Gliederung in den Bereichen Gesamtstaatliche Gesetzgebung, Landesgesetzgebung, Parlamentaria, Judikatur und Verwaltung gesucht werden. Aber auch der umgekehrt Weg über die sachliche Gliederung kann eingeschlagen werden. Ein Beispiel dafür wäre die die Suche im Bereich Gesamtstaatliche Gesetzgebung nach Bundesgesetzblättern, die in den Jahren zwischen 1920 - 1938 veröffentlicht worden sind.

 

UNESCO Weltdokumentenerbe

Von den derzeit 427 Eintragungen im Weltregister, „die exemplarisch das kollektive Gedächtnis der Menschheit repräsentieren“, stammen acht aus den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek. Zu diesen gehört der Philosophische Nachlass Ludwig Wittgensteins, die Goldene Bulle, der Mainzer Psalter, die Tabula Peutingeriana, die Bibliothekca Corviniana, der Atlas Blaeu-Van der Hem, die Papyri Erzherzog Rainer und der Wiener Dioskurides.

Neben einer umfangreichen Sammlung an unterschiedlichsten Medien und Online Katalogen lädt die Bibliothek aber auch zum Besuch ein, sei es in den sechs Standorten der Sammlungen oder in den Museen der Nationalbibliothek das Papyrusmuseum am Heldenplatz, den Prunksaal am Josefsplatz, das Globenmuseum in der Herrengasse oder das Literaturmuseum in der Johannesgasse.

 

Weiterführender Link:
>> Österreichische Nationalbibliothek

 

Andreas Markt-Huter, 24-01-2018
Titelbild: Hofburg: Maria Klingler, Tibs Bilderdatenbank

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