Mobbing in der KJL: Die feuerrote Friederike

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Da die Kinder heutzutage im Fernsehen ständig mit Gewalt konfrontiert werden, sie diese aber auch in der Schule, am Schulhof oder in ihrer Freizeit erleben, gehört diese zum Alltag vieler Kinder und Jugendlicher.

Seit den Achtzigerjahren gehören Mobbing und Gewalt zu den zentralen Themen der problemorientierten Jugendliteratur. Auch die Kinderliteratur hat seit den Neunzigerjahren dieses Thema aufgegriffen, und es gibt eine Vielzahl an Büchern dazu.

Im Mittelpunkt der meisten Texte steht die Gewalt zwischen Schülern und Schülerinnen. Es werden die unterschiedlichsten Gewaltformen wie Mobbing, Amoklauf oder Gewalt gegen Außenseiter behandelt. In vielen Texten kommen die Opfer zu Wort und erzählen ihre Geschichte. Das Thema Mobbing wird oft aufgegriffen, ohne es zu verharmlosen. In einigen Büchern nehmen Lehrer die Rolle des Unwissenden ein. Oft wirken sie machtlos und passiv. Aber auch über die Rolle von Schulkollegen und von Freunden, die nur zusehen und nicht eingreifen oder unterstützen, wird in vielen Erzählungen geschrieben. Während also viele Texte aus der Sicht der Opfer die täglichen Schikanen und Hänseleien schildern, gibt es einige Jugendromane, in denen die Täter zu Wort kommen und die Geschichten aus der Täter-Perspektive erzählt werden. In vielen Werken sind die Ängste der Opfer und die Beweggründe der Täter genau geschildert. In der untersuchten Kinderliteratur werden teilweise auch Lösungen für diese Probleme angeboten, die aber nicht immer unbedingt nachahmenswert sind.

Bei diesen Büchern handelt es sich um literarische Texte und nicht um soziologische Sachbücher. Viele dieser Bücher laden zu Diskussionen ein und können präventiv im Unterricht eingebaut werden. Aber auch bei konkreten Anlassfällen können sie mit Schülern gelesen und Lösungsansätze besprochen werden. Auf jeden Fall sollten die Bücher von Pädagogen mit Bedacht ausgewählt und eingesetzt werden. (vgl. Mikota, 2011).

„Die feuerrote Friederike“ von Christine Nöstlinger

Friederike war ein Mädchen mit feuerroten Haaren, Sommersprossen und außerdem war sie ziemlich dick. Sie lebte zusammen mit Annatante und einer sprechenden Katze mit feuerrotem Fell in einem kleinen Häuschen.  Auf Grund ihres Aussehens war sie für die Leute ein leichtes Opfer. Ständig wurde sie ausgelacht und gehänselt. Wenn die Kinder sie sahen, riefen sie: „Da kommt die feuerrote Friederike! Feuer, Feuer, auf der ihrem Kopf brennt´s!“ (Nöstlinger, 1996, S. 14) Friederike versuchte ihre Haare unter einem Hut zu verstecken, doch den rissen ihr die Kinder vom Kopf. Auch in der Schule wurde sie von Ihren Mitschülern gehänselt und verspottet. Friederike fürchtete sich vor den anderen Kindern und wusste nicht, sich zu wehren. Auch die Lehrerin war ratlos. Sie bestrafte die schlimmen Schüler zwar mit Strafarbeiten, doch auch das nützte nichts. Friederike wurde fortan nicht mehr in der Schule gehänselt, sondern am Schulweg, wo es die Lehrerin nicht sah. Der Direktor empfahl der Lehrerin: „Tun Sie, als sähen und hörten Sie nichts davon, dann wird es den Kindern bald langweilig werden, und sie werden zu spotten aufhören.“ (Nöstlinger, 1996, S.22)

Die einzigen, die zu Friederike hielten, waren ihre Tante, die Katze und der Briefträger. Die Katze mit dem Namen Kater verriet dem Mädchen, welch wundersame Eigenschaften es besaß. Friederike konnte ihre Haare zum Glühen bringen und fliegen. Als die Kinder eines Tages wieder über sie herfielen, ihr die Einkaufstasche entrissen, sie in die Tasche stopften und so durch die Stadt trugen, setzte sie ihre glühenden Haare als Waffe ein. So ließen sie von ihr ab. Doch auch das führte nicht langfristig zum Erfolg. Fünf Wochen später bewaffneten sich alle mit Steinen, Steinschleudern, Stoppeln, Stoppelrevolvern, Gummiringerln, U-Hakerl, Pfeilen und Bogen. Bei jedem Treffer malten sie ein Kreuz auf einen Zettel. Die Kinder, mit den meisten Kreuzen waren sehr stolz. Bald war Friederike voll blauer Flecken. Eines Tages las sie mit Hilfe der Katze, aber gegen den Willen ihrer Tante, ein rotes Buch, das in einer geheimnisvollen Sprache geschrieben wurde. In diesem Buch fand sie einen Brief von ihrem Vater, der in einem Land lebte, in dem alle Menschen glücklich waren. Fliegend machte sie sich nun mit den Personen, die ihr nahe standen auf in dieses Land. Dies sah die Gehänselte als Chance, endlich den Quälereien ihrer Mitschüler zu entkommen.

Nöstlingers Erstlingswerk aus dem Jahre 1970 ist längst zu einem Klassiker in der Kinderliteratur geworden. Sie schrieb es in einer Zeit, in der es den Begriff Mobbing noch gar nicht gab. Sehr wohl gab es aber auch schon in dieser Zeit Gewalt und Ausgrenzung unter Kindern. Man könnte dieses Werk also als Urtext zum Thema Mobbing unter Kindern bezeichnen. Das Buch behandelt ein Problem, das leider auch heute noch sehr viele Kinder haben. Sie werden aus irgendwelchen Gründen von anderen Kindern verspottet. Friederike kann sich nicht selbst wehren. Die Methoden, mit denen sie von ihren Mitschülern gequält und gedemütigt wird, sind äußerst brutal. Ihre Vertrauenspersonen sind die Tante und der Briefträger. Mit ihnen spricht sie auch über ihr Problem. Die Tante setzt sich nicht wirklich für sie ein. Der Briefträger versucht sie zu beschützen und teilt selbst Schläge aus. Dies ist jedoch kein geeigneter Weg dieses Problem zu lösen. Obwohl die Lehrerin die Situation, in der Friederike steckt, erkennt, greift sie sicherlich zu den falschen Maßnahmen. Sie teilt Strafarbeiten aus, um die Täter ruhig zu stellen. Da sie die Situation nicht in den Griff bekommt, wendet sie sich an den Schulleiter. Doch auch dieser verhält sich vollkommen falsch und empfiehlt ihr, einfach wegzuschauen. Dabei sind es gerade die Lehrpersonen, die besonders wachsam sein sollten, solche Konfliktsituationen aufdecken und konstruktiv mit den Kindern lösen sollten. Auch der Weg der Flucht, den Friederike im Buch einschlägt, führt nur im Buch und nicht im wahren Leben zum Erfolg. Eine wirkliche Lösung für das Problem gibt es in der Geschichte nicht, da man vor seinen Problemen nicht davonlaufen kann.

Literaturliste

Primärliteratur

De Kinder, J. (2014).Tomatenrot oder Mobben macht traurig.(1.Aufl.).Zürich: Atlantis

Kolloch, B., Zöller,E. (2013).Viktoria ist stark! (1.Aufl.).Bindlach: Loewe

Mai,M. (2009).Philipp darf nicht petzen. (1.Aufl.).Würzburg: Arena

Neubauer, A. (2012). So was von fies. (1.Aufl.).Wien: Ueberreuter

Nöstlinger, C. (1996) Die feuerrote Friederike. (2.Aufl.).Wien: Dachs

Szillat,A.,Cordes,M. (2011) Du gehörst nicht dazu. (1.Aufl.) Münster: Coppenrath

Wildenhain,M.,Marcus,E. (2015) Alle gegen Lukas. (1.Aufl.) Ravensburg: Ravensburger

 

Sekundärliteratur

Alsaker,F., (2012) Mutig gegen Mobbing in Kindergarten und Schule. (1.Auflage) Bern:Huber

Guggenbühl, A., Herzer, C., (2014) Über Ausgrenzung, und wie sich Kinder dagegen wehren können. Zürich: Atlantis
http://shop.ofv.ch/_uploads/misc/9783715206790_unterlagen_48294.pdf (19.02.2017)

Mikota,J. (2011) Gewalt in der Kinder- und Jugendliteratur.
www.alliteratus.com/pdf/ges_gew_gewalt.pdf (05.02.2017)

Rank, S., Lama, B., Mengele,K. (2013) Mobbing in der Schule vorbeugen, erkennen und beenden. (1.Auflage) Breisgau: Kreuz

Springer,G. (2015) Gewaltfreie Kommunikation muss gelernt werden. Der Standard, 26. März, S.10

Wachs, S., Hess, M., Scheithauer, H., Schubarth, W. (2016) Mobbing an Schulen. Erkennen-Handeln-Vorbeugen. (1. Aufl.) Stuttgart: Kohlhammer

Windisch, W. (2015) Mobbing in der Schule. Aggression Raum geben-Gewalt vermeiden. Gesundheitsförderung in Kindergarten und Schule. 05/06. S. 5f.

Text: Gudrun Mayr-Bergant

Grafik: dtv junior

 

 

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