Rezension und Unterrichtstipps: Kalt bläst der Wind (Michaela Holzinger)

Die fünfzehnjährige Malena muss nach dem Tod des Vaters den Alltag mit ihrer schwer depressiven Mutter meistern. Vorbei ist das Leben, das durch die künstlerische Tätigkeit des Vaters so bunt und facettenreich war. Reisen in fremde Länder und das Eintauchen in die farbenprächtige Künstlerwelt prägten schon früh Malenas Leben. Jetzt herrscht nur mehr das Grau. Die Mutter scheint an diesem Schicksalsschlag zu zerbrechen. Wie ein schwerer Stein lastet der Verlust auf dem Leben von Mutter und Tochter

Eines Tages findet Malena einen Brief. Dieser Brief bringt den scheinbar intakten Alltag, den Malena so mühsam aufrecht zu erhalten versucht, gehörig ins Wanken. Das Mädchen begibt sich heimlich auf eine Reise in die Vergangenheit; in ein Dorf, in dem ihre Mutter aufgewachsen ist und in dem sich damals etwas Schreckliches ereignet hat. Malena will diesem Ereignis auf den Grund gehen. Sie will wissen, warum die Mutter schon vor dem Tod des Vaters unter Depressionen litt, und muss mit einigen Rückschlägen zurechtkommen.

Zuversicht und Hoffnung, Antworten auf ihre Fragen zu finden, und der Glaube an neu gewonnene Freundschaften, schwinden. Die Geheimnisse rund um ihre Familie sind so dunkel, dass das Grau zu Schwarz wird. Als endlich Licht in  dieses Dunkel dringt und Malena nach und nach erfährt, was damals geschehen ist, kann sie durch die erworbenen  Erkenntnisse sich selbst und ihrer Mutter helfen und endlich dem Grau entkommen.

Zum Werk:

Das gebundene Buch mit Hardcover hat 184 Seiten und ist erstmals im Jahr 2016 im Obelisk- Verlag erschienen. Es ist in 17 Kapitel eingeteilt und in der Ich- Form aus der Sicht von Malena geschrieben. Die Autorin, Michaela Holzinger, lebt mit ihrer Familie und einer kunterbunten Esel- Ziegen-Bande in einem Haus mit Wald in Oberösterreich. Sie wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Das Jugendbuch wird ab dem Alter von 12 Jahren empfohlen.

Bewertung:

Dieser Roman ist auf eine sehr emotionale, feinfühlige, traurige und letztlich auch dramatische Art und Weise geschrieben. Der Titel des Buches lässt auf diese Dramatik ebenso schließen, wie der graue Hintergrund. Einzig die oxidroten Haare des Mädchens auf dem Cover bilden einen Farbtupfer, der wie ein kleiner Lichtblick wirkt.

Das Buch ist in einer klaren und verständlichen Sprache geschrieben und relativ kurz, trotzdem wird der Leser von einer spannenden und tiefgründigen Geschichte gefesselt. Die Autorin versucht, die unterschiedlichen Stimmungen durch Farben auszudrücken. Das Grau nimmt in diesem Fall die vorherrschende Rolle ein und zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Handlung. Man hat das eigenartige Empfinden beim Lesen, selbst von diesem düsteren Grau erfasst zu werden.

Das Leben vor dem Tod des Vaters, das schöne Leben, wird in schillernden und bunten Farben beschrieben: Oxidrot, Farngrün, Purpur, Herzrot, Sternengold und Indigo sind nur einige Nuancen, die die Autorin gewählt hat. Auch zum Schluss, als endlich das Geheimnis der Familie gelüftet wird, hat der Leser das Gefühl, dass die lange Zeit des Grau(en)s endlich vorbei ist und die bunten Farben wieder Platz in Malenas Leben haben.

Didaktik:

Dieses Buch eignet sich aufgrund der dramatischen Themen, die im Roman behandelt werden, besonders für die 9. Schulstufe. Es ist zwar relativ einfach zu lesen, aufgrund des Inhalts aber anspruchsvoll und keine leichte Kost.

SÜ/ Deutsch/ Soziales Lernen:

Man kann es sehr gut als Klassenlektüre einsetzen und mit den Jugendlichen über den Inhalt diskutieren, wobei man einzelne Ausschnitte oder Gedanken von Malena als Gesprächsimpulse verwenden und die Diskussion so in eine bestimmte Richtung lenken kann.

Folgende Themen eignen sich dazu im Besonderen:

  • der Tod eines Familienmitgliedes
  • Verlustangst
  • der Umgang mit einem depressiven Menschen im Familienverband
  • das Aufrechterhalten des Alltags in einer schwierigen Situation
  • finanzielle Sorgen
  • Außenseiter in der Klasse
  • die erste Liebe
  • schwierige Kindheit

Wichtig erscheint mir, dass man die Themen gefühlvoll und behutsam erarbeitet und sich langsam an die sensiblen Bereiche des Jugendromans herantastet.

Bildnerisches/ Kreatives Gestalten:

Das Spiel mit den Farben finde ich besonders schön. Es zeigt den extremen Kontrast, den das Leben oft zu bieten hat.
Es gibt tolle Möglichkeiten, um mit den Schüler/innen Ausschnitte des Romans künstlerisch zu bearbeiten und das Spiel mit den Farben umzusetzen. Der Lehrer/ die Lehrerin liest folgenden Absatz auf Seite 16, Kapitel 2, vor und erteilt den Arbeitsauftrag:

Wie sieht dein ABACAO aus?

„Achte darauf, dass du immer Platz für Abacao in deinem Leben hast. Das macht vielleicht nicht reich oder gesund, dafür bunt. Es sind die Farben, die unser Leben ausmachen. Wir füllen uns mit ihnen, also zeigen sie auch, wer wir letztendlich sind. Die Farben sind das Geheimnis, Malena, vergiss das nicht.“

Abschließend möchte ich folgendes sagen: Es ist in unserer Funktion als Wegbegleiter von jungen Menschen wichtig, Möglichkeiten aufzuzeigen, aus oft scheinbar ausweglosen oder festgefahrenen Situationen, sei es im Schulalltag oder in der Familie mit Eigeninitiative, Engagement und den festen Glauben an sich selbst herauszukommen, dem Grau zu entfliehen und wieder Platz für die Farben des Leben zu machen.

Text: Birgit Zangerl
Bild: Obelisk

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