Bernd Ahrbeck, Inklusion

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„Grundlegend stehen sich also zwei unterschiedliche Arten des Inklusionsverständnisses gegenüber. Sie unterscheiden sich im angestrebten Reformtempo und – was noch wichtiger ist – darin, ob eine ungetrennte Gemeinsamkeit aller Schüler das ausschließlich gültige Ziel sein kann.“ (8)

Das Thema „Inklusion“ wird im schulischen Bereich zurzeit lebhaft diskutiert und führt mitunter zu heftigen Auseinandersetzungen. Wenn es um Inklusion geht, stehen sich häufig zwei gegensätzliche Gruppen gegenüber, die ähnliche Ziele mit gegensätzlichen Mitteln propagieren, wobei die Wünsche der betroffenen Kinder und Jugendlichen mitunter hinter den ideologischen Vorstellungen, was Schule leisten soll, angereiht werden.

Zentrales Anliegen von Bernd Ahrbeck Auseinandersetzung mit dem Thema „Inklusion“ ist es, die oft emotional aufgeladene Diskussion auf eine sachliche Ebene zu heben, in der die Argumente der verschiedenen Positionen abgewogen und auf ihre Auswirkungen im schulischen Alltag geprüft werden können. Dabei hält er ein „Mehr an Gemeinsamkeit von Kindern mit und ohne Behinderung“ für durchaus begrüßenswert, nur nicht um jeden Preis.

Einen wesentlichen Anteil an der immer wieder mit heftigen Vorwürfen geführten Debatte kann an differierenden Weltbildern ausgemacht werden. Für die Befürworter einer strengen Inklusion geht es nicht nur um die Chancengleichheit von Kindern mit Behinderung in der schulischen Bildung sondern auch um ein grundlegendes Menschenrecht auf Teilhabe. Dabei wird der Schule die idealistische Aufgabe zugewiesen, der gesellschaftlichen Trennung von Menschen mit Behinderung und anderer benachteiligter Gruppen ein endgültiges Ende zu bereiten und ein „neues Zeitalter der Pädagogik“ einzuleiten.

Kritiker werfen den radikalen Vertretern der Inklusionsidee vor, jeglichen Zweifel daran als Gefahr für die Inklusion zu betrachten, die es im Keim zu ersticken gelte, um einen „sozialen Neodarwinismus“ zu verhindern. Ahrbeck kritisiert an dieser Haltung u.a. den negativen Blick auf die Sonderpädagogik, wie z.B. die Bezeichnung der Sonderschule als „unverdünnte Hölle“ in einem Artikel der Zeitschrift „Spiegel“.

Demgegenüber stellt Ahrbeck Einzelberichte von Eltern, die vom Leid und der Ausgrenzung ihrer Kinder an Inklusionsschulen berichten und sich für ihre Kinder eine spezielle Einrichtung wünschen, die den Fähigkeiten ihrer Kinder adäquater entsprechen. In seinen abschließenden Überlegungen plädiert der Autor für eine moderate Form des gemeinsamen Unterrichts in Schulen, wobei die immanenten Paradoxien und Gegensätze des Erziehungs- und Bildungssystems zu diskutieren sind. Die gemeinsame Beschulung erfordere aus heutiger Sicht zusätzliche Mittel für die personelle und sachliche Ausstattung sowie angemessene Arbeitsbedingungen für die Lehrkräfte.

Bernd Ahrbeck bietet in seinem empfehlenswerten Sachbuch einen informativen Einblick in das polarisierende Thema „Inklusion“. Dabei werden neben dem pädagogischen Diskurs auch die ideologischen Grundlagen und Gegensätze zwischen den verschiedenen Standpunkten erläutert. Zusammenfassen wirbt er für weniger aufgeladenen, ideologischen Diskurs und mehr Sachlichkeit, damit die Chancengleich für Menschen mit Behinderung auch im schulischen Alltag verwirklicht werden kann.

Bernd Ahrbeck, Inklusion. Eine Kritik, aus d. Reihe: Brennpunkt Schule
Stuttgart: Kohlhammer Verlag 2016, 160 Seiten, 26,70 €, ISBN 978-3-17-031598-3

 

Weiterführenden Links:
Kohlhammer Verlag: Bernd Ahrbeck, Inklusion
Institut für Rehabilitationswissenschaften: Prof. Dr. Bernd Ahrbeck

 

Andreas Markt-Huter, 22-03-2018

Bibliographie
AutorIn: 
Bernd Ahrbeck
Buchlangtitel: 
Inklusion. Eine Kritik
Reihe: 
Brennpunkt Schule
Erscheinungsort: 
Stuttgart
Verlag: 
Kohlhammer Verlag
Seitenzahl: 
160
Preis in EUR: 
26,70
ISBN: 
978-3-17-031598-3
Kurzbiographie AutorIn: 

Prof. Dr. Bernd Ahrbeck lehrte Rehabilitationswissenschaften mit dem Schwerpunkt Verhaltensgestörtenpädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin.

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