David Casagranda, Tirolés

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Die Tiroler sind die idealen Abenteurer, die überall auf der Welt Staunen auslösen. Seit Jahrhunderten arbeiten sie an diesem Mythos.

David Casagranda erzählt in einer Schlussnotiz, was an Patriotismus es mit dem Roman „Tirolés“ auf sich hat. Als der Südtiroler Schriftsteller Kurt Lanthaler einmal schnell einen Stoff braucht, um an der Berliner Filmakademie einen Prüfungsdreh zu bestehen, wird er von David Casagranda verlässlich mit Stoff versorgt. Ein bisschen von diesem augenzwinkernden Schnell-Stoff ist noch im Cover-Text enthalten, wenn von einem „historischen Lederhosenwestern“ berichtet wird.

Tirolés ist mittlerweile ein gestandener Roman geworden, der seine Anspielungen klar auf den Tisch legt. Da ist zum einen viel Karl May dabei, wenn die Landschaft zur Akteurin wird, welche die Guten und Bösen in feinen Dosen aufeinander zusteuern lässt. Und auch die Rattenlinie der Nazis, die stracks über Tirol hinaus nach Südamerika führt, kriegt in diesem Roman eine Vorfahrin.

Tirolés startet fulminant, der Kaser-Anwärter Josef ist beim Wildern, wir sind im 55sten Jahr nach Andreas Hofers Hinrichtung, und das Land ist immer noch aufgewühlt. Josef erschießt den Baron, der unbedingt sein blödes Reh kapern will. Und in Sekundenschnelle kriegt es der Wilderer mit einem lebenslangen Feind zu tun, denn Oberstleutnant Rebitzki ist persönlich gekränkt und packt die Staatsgewalt aus.

Josef flieht über Triest in die freie Welt. Als einer der wenigen, die (wie alle Tiroler) lesen und schreiben können, untersteht im die Schiffskasse, mit der er in Mexiko durchbrennt. Neben der Bildung und der guten Schießtechnik kommt ihm ab jetzt das Katholische zugute, denn die einzig für ihn brauchbare Infrastruktur stellen die Patres dar, die emsig das Land disziplinieren. Josef setzt sich in eine abgelegene Gegend ab und baut mit den Indios in Robinson-Manier eine florierende Kleinwirtschaft auf.

Aber der politische Arm der Habsburger erreicht den Wilderer auch im fernen Mexiko, wo gerade ein ferngesteuerter Kaiser installiert wird. Der Oberstleutnant aus den Wäldern Tirols ist auch dabei, er hat vom sagenhaften Tirolés gehört, der es zu einem anerkannten Mann gebracht haben soll. Es kommt zu einem Showdown, bei dem der Offizier an der Hüfte einknickt. Voller Schmach wird er nach Europa zurückkehren, während der Held das Tirolertum in Mexiko zur Blüte vorantreibt.

Unter der Hülle eines abenteuerlichen Unterhaltungsromans hat David Casagranda jede Menge politischer Analysen und patriotischer Spitzfindigkeiten versteckt. Während an der Oberfläche die Versatzstücke eines Gebrauchsromans dahindümpeln, kocht es im Untergrund des Textes ordentlich. Das ist eine grandiose Raffinesse, mit der da erzählt wird: Die Klischee-Fans können oben die Einlage abschöpfen, während sich die politisch Gebildeten im Sub-Text an den Rahm der Geschichte heranmachen werden.

David Casagranda, Tirolés. Roman
Bozen: Retina Verlag 2017, 254 Seiten, 18,00 €, ISBN 978-88-99834-08-1

 

Weiterführende Links:
Retina Verlag: David Casagranda, Tirolés
Histo-couch: David Casagranda

 

Helmuth Schönauer, 02-12-2017

Bibliographie
AutorIn: 
David Casagranda
Buchlangtitel: 
Tirolés
Erscheinungsort: 
Bozen
Verlag: 
Retina Verlag
Seitenzahl: 
254
Preis in EUR: 
18,00
ISBN: 
978-88-99834-08-1
Kurzbiographie AutorIn: 

David Casagranda, geb.1955, lebt in Bozen.

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