Johannes Saltzwedel (Hg.), Die Aufklärung

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„Anstatt die Vielfalt mit starren Definitionen in ein Raster zu pressen oder krampfhaft eine große kulturgeschichtliche Linie zu ziehen, wie manche frühere Historiker der Aufklärung es versucht haben, entscheidet sich dieses Buch für ein Mosaik der Ideen, Ereignisse und Gestalten.“ (12)

Mit der Aufklärung erfolgte eine tiefgreifende Umgestaltung der europäischen Gesellschaften, die sich sukzessive von der Bevormundung durch die Religion befreien konnte und nicht mehr das Dogma, sondern allein die Vernunft als Richtschnur und Grenze des wissenschaftlichen und philosophischen Denkens zu akzeptieren bereit war.

Kapitel I „Vom Glauben zur Erkenntnis“ stellt in zwölf Artikeln verschiedene Denker, Themen und philosophische Richtungen vor, wie z.B. den französischen Philosophen Piere Bayle, der in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts mit seiner scheinbar harmlosen Schrift „Verschiedene Gedanken über den Kometen“ gegen den Aberglauben und gegen die katholische Kirche schrieb.

Neben zahlreichen Kurzporträts wichtiger Aufklärer erläutert der Historiker Martin Mulsow in einem Interview, was die radikalen Aufklärer antrieb, für ihre Überzeugungen selbst ihre wirtschaftliche und soziale Existenz zu riskieren. Aber auch das spannende Verhältnis zwischen dem großen Philosophen Voltaire und dem preußischen König Friedrich II. oder der Zarin Katharina II. wird ebenso anschaulich beschrieben, wie der Versuch einer ganzen Generation von Aufklärern das gesamte Menschheitswissen in der „Encyclopédie“ zu versuchen.

Kapitel II „Vernunft für eine bessere Welt“ stellt die beiden großen Philosophen der Aufklärung David Hume und Jean-Jacques Rousseau vor. Zu den weiteren Themen zählen die Erforschung der Südsee durch James Cook, Olympe de Gouge, Mayr Wollstonecraft und Henriette Herz, welche die Aufklärung nicht den Männern überlassen wollten.

Daneben wird die wichtige Rolle der moralischen Wochenschriften, die große Wirkung der Bildstiche des Daniel Chodowiecki oder die Vorstellung vom mechanischen Menschen aufgezeigt. Mit dem amerikanischen Gründervater, Sklavenhalter und Freiheitshelden Thomas Jefferson wird aufgezeigt, wie widersprüchlich Aufklärung und Realität auftreten können.

Im dritten Kapitel „Neugier und Sensibilität“ werden die bedeutenden Aufklärer Gotthold Ephraim Lessing, Moses Mendelsohn, Thomas Paine, Georg Christoph Lichtenberg und Immanuel Kant anhand zahlreicher Begebenheiten und Details lebendig veranschaulicht. Nicht weniger interessant gestaltet sind die Beiträge über „Die Welt der Freimaurer, Illuminaten und Rosenkreuzer“ sowie sechs Porträts von Gegnern der Aufklärung.

Das letzte Kapitel „Das Erbe der Epoche“ setzt sich mit den Folgen der Aufklärung auseinander, wie sie z.B. Johann Gottfried Herder vorausahnt hat. Ein anderer Beitrag geht der Frage nach, ob die Aufklärung Schuld an der Französischen Revolution und ihrem Terror war. Der letzte Beitrag „Der grüne Lord“ setzt sich mit dem Fürsten Franz von Anhalt-Dessau auseinander, der einen Park, im Sinne einer Landschaft der Aufklärungsideale anlegen ließ und sich damit von der Ära des Absolutismus abgrenzen wollte.

Der Sammelband „Die Aufklärung“ spannt einen ebenso informativen wie unterhaltsamen und breiten Bogen über die zahlreichen Erscheinungen, Aspekte und Persönlichkeiten des Zeitalters der Aufklärung. Dabei nehmen in den Darstellungen die gesellschaftlichen und sozialen Aspekte der Aufklärung einen ebenso wichtigen Stellenwert ein wie die politischen Auswirkungen oder biographische Details einzelner Persönlichkeiten.

Die Aufsatzsammlung bietet einen breiten Überblick zum Thema und was am wichtigsten ist: sie macht neugierig auf eine vertiefte Auseinandersetzung mit einer großen und wichtigen Vergangenheit, welche die europäische Gegenwart wie kaum eine andere Epoche der Geschichte geprägt hat.

Johannes Saltzwedel (Hg.), Die Aufklärung. Das Drama der Vernunft vom 18. Jahrhundert bis heute
München: Deutsche Verlags-Anstalt 2017, 272 Seiten, 20,60 €, ISBN 978-3-421-04790-8

 

Weiterführende Links:
Deutsche Verlags-Anstalt: Johannes Saltzwedel (Hg.), Die Aufklärung
Wikipedia: Johannes Saltzwedel

 

Andreas Markt-Huter, 08-01-2017

Bibliographie
Herausgeber: 
Johannes Saltzwedel (Hg.)
Buchlangtitel: 
Die Aufklärung. Das Drama der Vernunft vom 18. Jahrhundert bis heute
Erscheinungsort: 
München
Verlag: 
Deutsche Verlags-Anstalt
Seitenzahl: 
272
Preis in EUR: 
20,60
ISBN: 
978-3-421-04790-8
Kurzbiographie AutorIn: 

Johannes Saltzwedel ist seit 1991 Redakteur und Herausgeber und hat zahlreiche literaturgeschichtliche und bibliographische Studien veröffentlicht, unter anderem zur Goethezeit und zu Rudolf Borchardt.

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