Klaus Merz, Helios Transport

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Gerade die Lyrik besteht oft mehr aus dem Drumherum als aus den kargen Zeilen, die reduziert und semantisch eingedickt aus den Seiten strahlen.

Klaus Merz, der Sir minimalistischer Werke, wird augenzwinkernd als Schuber-Dichter bezeichnet. Darin sind ähnlich einem Sparschwein aus der Kindheit, alle Werkelein und Novellchen in einem fetten Schuber angespart. Beim Stöbern in diesem gigantischen Ziegel vergisst man oft, dass es gerade das Dünne, Durchschimmernde ist, was die Zeilen des Altmeisters so wertvoll macht. Den Titel Altmeister hat sich Klaus Merz selbst zugefügt, indem er einer Schuber-Ausgabe zugestimmt hat. Die Botschaft eines Schubers lautet immer: Das war‘s, fertig, aus ist‘s!

Jetzt freilich hat den Klaus Merz noch einmal das Dichten gepackt, er hat noch ein paar Zeilen, der Schuber ist schon voll, also was tun?

Einen Gedichtband machen, lautet in so einem Fall die beinahe logische Antwort. Jetzt liegt er also schuberlos da, „Helios Transport“ mit fünf Pinselzeichnungen.
Auch in einem schmalen Werk gehen sich immer noch fünf Akte oder Kapitel aus: Leuchtender Staub / Hörbares Blau / Launiger Februar / Fussnoten / Gegenzauber.

Diese Begriffe unterstreichen den Werdegang der Gedichte, sie sind zu klein, um große Aufmerksamkeit zu erheischen, sie entstehen beim Vertauschen der Sinnesorgane, sie bleiben irgendwo am Rand liegen, während gewischt und aufgeräumt wird. Aus dem Rand des Papiers leuchten dann so seltsame Begriffe wie „Helios Transport“, offensichtlich ein schweizerischer Zustelldienst aus Kindheitstagen mit Autos in Spielzeugform. Auch der ausgestorbene „Hasenheber“ springt ins lyrische Visier, hier handelt es sich um einen speziellen Spaten, mit dem am Ende des Winters die erfrorenen Hasen aus den Ackerfurchen geschubbst werden.

Müdigkeit, Aufhören, Tod sind die Haltegriffe, an denen sich das lyrische Ich entlang tastet, während es dem unausweichlich näherkommenden Ausgang entgegen schlürft. Das Tagwerk erscheint plötzlich als falsch eingelegter Film, aus dem man sich mit einem mühsamen Abspann am Abend herausschält. (17)

Endbahnhof // Die Sitznachbarin streift / ihrem Hund den Pullover / über. Kalt ist es hier. (45)

Die Vorstufen des Todes zeigen sich täglich als wirre Lichtregien, die in Schlaflosigkeit münden.

Mimikry // Die Zeiten reifen. / Schlaflosigkeit wächst mit. / Ich halte ihr das Lächeln / eines fröhlichen Leichnams / entgegen. Manchmal hilft’s. (73)

Wirkliche Merz-Liebhaber basteln sich nach der Lektüre dieser Spielzeugartigen Lyrik einen kleinen Schuber, damit „Helios Transport“ nicht friert, wenn er ins Regal der Ewigkeit gestellt wird.

Klaus Merz, Helios Transport. Gedichte. Mit fünf Pinselzeichnungen von Heinz Egger
Innsbruck: Haymon Verlag 2016, 76 Seiten, 16,90 €, ISBN 978-3-7099-7272-4

 

Weiterführende Links:
Haymon Verlag: Klaus Merz, Helios Transport
Wikipedia: Klaus Merz
Wikipedia: Heinz Egger

 

Helmuth Schönauer, 25-10-2016

Bibliographie
AutorIn: 
Klaus Merz
Buchlangtitel: 
Helios Transport. Gedichte
Illustration: 
Heinz Egger
Erscheinungsort: 
Innsbruck
Verlag: 
Haymon Verlag
Seitenzahl: 
76
Preis in EUR: 
16,90
ISBN: 
978-3-7099-7272-4
Kurzbiographie AutorIn: 

Klaus Merz, geb. 1945 in Aarau, lebt in Unterkulm.

Heinz Egger, geb. 1937, lebt als Maler und Zeichner in Burgdorf / Schweiz.

Volltextsuche:
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