Norbert Loacker, Was Massen mögen

Ziel der Masse ist es, irgendwohin zu rennen, ohne zu wissen warum. Einmal in Bewegung, ist der Masse jedes Ziel recht. Aber was löst diesen Massenauflauf aus?

Norbert Loacker zeigt am Beispiel von Disneyland, welche Träume und Erlebnisrituale angesprochen werden, wenn sich plötzlich so etwas wie eine neue Welt auftut. Mittlerweile auf mehreren Kontinenten vertreten, spielt sich in diesen Freizeitparks etwas Postcineastisches ab, das einerseits das Abarbeiten filmischer Gefühle ermöglicht und andererseits neue Filme erlebnistechnisch vorbereitet.

Der erste Disney-Park wird 1955 in Kalifornien eröffnet, der berühmteste ist vielleicht jener in Orlando / Florida, weil dort unter anderem fallweise Kleinkinder von Alligatoren ins Wasser gezogen werden.

Der Essay setzt mit dem historischen Erst-Park an, der nur verständlich wird, wenn man das zeitgeschichtliche Ambiente mitlaufen lässt. Das Land ist auf Kommunistenhatz aus, alles Individuelle und Künstlerische wird dem Patriotismus der Republikaner geopfert, der eine Art Infantilismus darstellt, wie er sich in Gestalt des Präsidentschaftskandidaten Trump 2016 wiederholt.

Walt Disney verwandelt Politik in ein Mickyversum, sein Motto für den Erlebnispark lautet, es gibt nichts, was gegen eine Verwaltung in einem Park gefeit wäre. Der Park zwingt mit Erinnerungen an die eigene Kindheit den Erwachsenen eine geordnete Welt auf und zwingt somit die Eltern, diese Welt auch den eigenen Kindern zu zeigen.

Disneyland ist letztlich eine groß inszenierte Gegenwelt, wie sie in kleineren Auswüchsen als Gegenwelten zur realen Welt auftauchen in Gestalt von Gärten, Friedhöfen, Irrenanstalten, Bordellen, Gefängnissen oder Club Méditerranée. (29) Generell unterliegen die Disney-Themenparks drei Bedingungen:

einer minutiösen Regie bis ins Private, einer unumstößlichen Hierarchie und einem enthusiastischen Personenkult. (32)

Dieses Konzept ist die Grundlage für alle Massenaufmärsche, ob in Politik, Sport oder Freizeitpark und hat etwas von der Dramaturgie eines religiösen Schöpfungsberichtes. Allein durch die Anfügung -World kann aus einem Namen eine Massenbewegung entstehen, man denke nur an Putin-World oder die Wurst-Welt, wie sie in Österreich nach dem Songcontest 2014 eine Zeitlang gepflegt worden ist. Massen sind kein Naturprodukt (129) fasst Elias Canetti einmal seine Massentheorie zusammen.

Norbert Loacker vergleicht diverse Beschreibungen von Massen in Psychologie, Physik, Literaturkritik und Politologie mit jenen simplen Disneylands, die sich mittlerweile überall im Zusammenhang mit Konsum durchgesetzt haben. Vielleicht wollen die meisten, die sich in die Masse flüchten, nur einmal kurz aus sich selbst heraussteigen und in der Masse untertauchen wie in einer Droge. – Ein intellektueller Leitfaden durch die stumpfe Masse!

Norbert Loacker, Was Massen mögen. Essay
Innsbruck: Limbus Verlag 2016, 139 Seiten, 10,00 €, ISBN 978-3-99039-079-5

 

Weiterführende Links:
Limbus Verlag: Norbert Loacker, Was Massen mögen
Wikipedia: Norbert Loacker

 

Helmuth Schönauer, 23-06-2016

Bibliographie
AutorIn: 
Norbert Loacker
Buchlangtitel: 
Was Massen mögen
Erscheinungsort: 
Innsbruck
Verlag: 
Limbus Verlag
Seitenzahl: 
139
Preis in EUR: 
10,00
ISBN: 
978-3-99039-079-5
Kurzbiographie AutorIn: 

Norbert Loacker, geb. 1939 in Altach, lebt in Kaltenbach / Schweiz.

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