Otto Licha, Sieben

Vielleicht ist das Leben nur ein Streich, den man sich selber spielt, indem man jeden Tag von einem Lebenssinn in den nächsten stolpert.

Otto Licha schickt in Mark-Twain-Manier zwei Freunde durch das Leben mit der Aufgabenstellung, gefälligst durch Dick und Dünn zu gehen. Schon der Start ist fulminant: „Alessandro war dem Kindergarten noch nicht entwachsen, da beschloss er, Bankdirektor zu werden.“ (7)

Alessandro entwickelt sich streckenweise zu einem Genie, was immer er ins Auge fasst, gelingt. Dennoch ist er aus Überlebensgründen stets so sozial, dass er sich um seinen Freund Maximilian kümmert. Zwischen den beiden entwickelt sich diese berühmte emotionale Traktion, wobei der eine als Lokomotive zieht und der andere als Tender Kraft spendet.

Als Jugendliche spielen die beiden bei FC Wacker Innsbruck Fußball, als Alessandro ein Probeengagement bei Manchester eingeht, leidet sein Freund zu Hause wie ein Tier.

Aber auch Alessandro ist nicht frei von seltsamen Krankheiten, gegen die Wörter Nord- und Südtirol sowie Österreich und Deutschland entwickelt er eine Allergie, die ihn oft an den Rand des Erstickungstodes führt. Seine Krankheit nennt sein Hausarzt Hypochondria.

Zielstrebig gründen die beiden nach dem Studium eine Bank. Alessandro hat selbstverständlich sub auspiciis promoviert und bei dieser Gelegenheit mit der Bundespräsidentin Freundschaft geschlossen.

In die neue Bank werden alle bisherigen Freunde mit an Bord genommen, es wird eine gerechte Bank, die nur Gutes tun wird. Künstler und Vital-Strategen stellen ihre Projekte vor, und nach einem Blick in ein magisches rotes Büchlein entscheidet Alessandro, ob das Projekt finanziert wird oder nicht. Ein Fußballstadion soll am Brenner errichtet werden, am Hafen hinter dem Gelände für Rockkonzerte wird das neue Bankgebäude stehen und die Vision eines Schlossers, den Stadtverkehr mit Förderbändern zu bewerkstelligen, soll den Durchbruch bringen.

Aber das Genie in der Haut des Bankdirektors erlahmt zusehends. Der Stadtsenat von Innsbruck entscheidet sich wie immer gegen die Zukunft, alle wollen am MCI Manager werden und niemand will mehr arbeiten, die Welt flieht zusehends in eine Vorstellungsblase.

Da lüftet der Bankdirektor seinem Freund gegenüber das Geheimnis, im Büchlein sind lauter Sudokus verzeichnet. Die einzelnen Geschäfte werden wie Sudokus abgewickelt, wobei es günstig ist, wenn sie auf die Zahl sieben ausgehen. Sieben ist übrigens im Fußball die Nummer für den Flügelflitzer, der das Spielfeld von außen aufreißt.

Alessandro hat genug vom Bankwesen, seine Aufgabe ist es nun, wieder heim zu seinen Vorfahren nach Italien zu kehren und Bäcker zu werden. Bäcker sub auspiciis! (143) sagt jemand zynisch dazu.

Otto Lichas Roman kommt in der Fröhlichkeit eines Abenteuerromans daher, die kompliziertesten Zusammenhänge werden mit einem Lacher erzählt, der den Leser geradezu mitreißt in eine Welt voller Magie, Logik und Phantasie.

Jeder redet bei der Wirtschaft mit, aber bei der Physik behauptet jeder, dass er nichts versteht.

Otto Lichas geheime Vision ist jene des Parallelsystems. Wenn du einmal eine Sache kapiert hast, geht sie überall auf! – Grandios tiefsinnig und voller Fröhlichkeit.

Otto Licha, Sieben. Hypo-Roman.
Innsbruck: Limbus 2013. 173 Seiten. EUR 18,90. ISBN 978-3-902534-78-1.

 

Weiterführende Links:
Limbus-Verlag: Otto Licha, Sieben
Wikipedia: Otto Licha

 

Helmuth Schönauer, 16-04-2013

Bibliographie

AutorIn

Otto Licha

Buchtitel

Sieben. Hypo-Roman

Erscheinungsort

Innsbruck

Erscheinungsjahr

2013

Verlag

Limbus-Velag

Seitenzahl

173

Preis in EUR

18,90

ISBN

978-3-902534-78-1

Kurzbiographie AutorIn

Otto Licha, geb. 1952 in Wien, lebt in Innsbruck.