Simon Konttas, In der Ruhe rauschender Blätter

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Die Steigerung von einem Lyriker ist ein Lyriker mit Theorie.

Simon Konttas gibt seinen fünf lyrischen Weltanschauungen einen „berauschenden“ Titel: In der Ruhe rauschender Blätter. In seinem Nachwort, das man als Einbegleitung lesen sollte, nimmt er das schöne Motto des kolumbianischen Aphoristikers Nicolás Gómez Dávila auf, wonach Gedichte nicht geschrieben werden, damit wir sie lesen, sondern damit wir uns ihrer erinnern. (75)

Dieser Erinnerungsvorgang setzt sich zum einen am Gedicht fest, zum anderen im Erinnerungsbild, das in das Gedicht eingebaut ist. Mustergültig vorgeführt wird dies am Beispiel eines finnischen Laubwerks, das zu einem bestimmten Augenblick im Jahr alle Sinne anspricht und sich über die Verfasstheit des Betrachters so hinwegsetzt, dass er nur mehr den Wunsch hegt: Da muss ich hin!

[…] Wenn vom sauberblauen finnischen / Sommerhimmel, wolkenlos, / die Sonne in Splitter zerfällt, / die dann auf der Wasseroberfläche / schaukeln und wenn ein verliebtes Paar / Schwäne aus dem Wasser schwimmt / trunken von Küssen das Haupt ins / heilgnüchterne Wasser tauchend; wenn die Blättlein der Birken, millionenfach rieselnd, einlullend blenden: / dann wünsch' ich mich hin / an Tagen wie diesen [...]. (31)

Als Leser geht man an dieser Stelle vor Lyrik und evoziertem Bild gleichsam in die Knie und wird im finnischen Sommer künftig an dieses Gedicht denken, das übrigens dem Überdruss gewidmet ist, und an das finnische Birkengewirke sowieso.

Der Zyklus „Gedicht über den Überdruss“ zeigt eine weitere Besonderheit von Simon Konttas Theorie. Er verflicht seine Gedichte mit Zitaten und gibt ihnen oft einen kräftigen Vorspann, worin in diesem Fall etwa Aurelius, Montaigne, Goethe, Emerson und Handke als Verankerungen dienen. Dahinter steckt die Idee, dass man einen Gedanken nicht mit sinnlosen Likes im Netz, sondern mit Zitaten aus der Kulturgeschichte zusammenbinden muss, damit sie eine überlebensfähige Konsistenz gegenüber dem dünnflüssigen Alltag entwickeln können.

Gegen die digitalen Selfies sind gleich zu Beginn Barrieren von „selbst geschossenen Photographien“ errichtet. Diese Gedichte zeigen den Betrachter, wie er etwas in der Hand hält, was noch die alte Schreibweise Photographie in sich trägt, und deshalb beim Betrachten zur Schrift wird. Diese Gedichte sind nicht nur Abtastungen von Ereignissen und Stimmungen am selbst geschossenen Bild, sie zeigen auch eine Haltung, mit der diese Bilder gemacht und später gehalten werden. Das lyrische Ich steckt in diesen Gedichten unter jener schwarzen Haube, worunter sich seinerzeit der Photograph mit seiner Platte versteckt hat, um diese als Welt zu belichten.

Meditationen vor selbst geschossenen Photographien, Plaudernde Meditationen in den frühen Morgenstunden, Gedichte über den Überdruss, Gespräch zwischen einem Jünger des Dichters Hafis und mir, Nüchterne Elegie – man liest und liest, bis man in der Ruhe der rauschenden Blätter verlorengegangen ist. - „Irgendwie faszinierte mich das und machte mich froh!“ (21)

Simon Konttas, In der Ruhe rauschender Blätter. Gedichte
Wien: Edition Sonnberg 2016, 80 Seiten, 11,90 €, ISBN 978-3-9502043-8-4

 

Weiterführende Links:
Edition Sonnberg: Simon Konttas, In der Ruhe rauschender Blätter
Literaturhaus Wien: Simon Konttas

 

Helmuth Schönauer, 18-12-2016

Bibliographie
AutorIn: 
Simon Konttas
Buchlangtitel: 
In der Ruhe rauschender Blätter. Gedichte
Erscheinungsort: 
Wien
Verlag: 
Edition Sonnenberg
Seitenzahl: 
80
Preis in EUR: 
11,90
ISBN: 
978-3-9502043-8-4
Kurzbiographie AutorIn: 

Simon Konttas, geb. 1984 in Helsinki, lebt in Wien und Baden.

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