Thomas Eder u.a. (Hg.), Einfache Frage: Was ist gute Literatur?

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Scheinbar kluge Fragen sollte man immer mit der klügsten Gegenfrage der österreichischen Seele beantworten: Wer lässt fragen? Einig sind sich so ziemlich alle, dass Literatur ein Prozess ist, der nie abgeschlossen ist, der aber dennoch ein fertiges Tagesprodukt abliefert.

Wahrscheinlich die größte Tagesproduktionsstätte für Literatur ist die Alte Schmiede in Wien, worin seit gut vierzig Jahren Literatur gemacht wird, indem über sie diskutiert oder gestritten oder sie umschmeichelt wird. Dabei lässt sich die Literatur nicht einmal zu schwer runden Jubiläen zähmen und in einen Pokal hineinpressen, so dass man eine Korrespondenz-Serie gestartet hat, worin aus ursprünglich 35 Literatur-Moderatorinnen sich letztlich acht Korrespondenten-Paare gebildet haben.

Diese Paare stehen nun unter dem Stress, dass sie als mehr oder weniger anerkannte Wert-Marken ziemlich klug und individuell sein müssen, andererseits eine mehr oder weniger vertrackte Literaturtheorie zur Schau stellen müssen. Markus Köhle umgeht diese intellektuelle Schnappschere, indem er gleich von einem Diskussionsvehikel spricht, auf dem die Paare unterwegs sind. Die Korrespondenzen werden somit zu einer eigenen Literaturgattung.

Tatsächlich kommt in dem sehr langsamen Diskurs meist das heraus, was man von den einzelnen Autoren schon gewöhnt ist. Vladimir Vertlib hebt gleich einmal das jüdische Element guter Literatur hervor, Ferdinand Schmatz und Anne Cotten stürzen sich auf das Poetische, Christian Steinbacher verlangt vom Leser einiges, damit sich dieser zu guter Literatur äußern kann.

Die Langsamkeit der Diskussion entspricht den Duineser Elegien, heißt es einmal, in Rilke hat es gut zehn Jahre lang gekocht, ehe die Elegien fertig gewesen sind. So lange kann man auch über gute Literatur diskutieren, wenn das Publikum bei der Stange bleibt.

Allmählich kristallisiert sich heraus, wer fragen lässt: Es ist schlicht der germanistische Literaturverwaltungsapparat, der sich mit der guten Literatur von der übrigen Welt abgrenzen will und damit eine Monopolstellung anpeilt.

Wie Insider-verschränkt das Ganze ist, merkt man, wenn Markus Köhle tatsächlich von außen her lapidar-kluge Antworten gibt:

Kurze Antwort: Gute Literatur ist zu verbreiten. Alternative Kurzantwort: Gute Literatur ist diskurswürdig. Amtliche Antwort: Gute Literatur ist förderungswürdig. (110)

Für Literatur-Menschen, die beispielsweise nicht jeden Tag in die Alte Schmiede gehen und statt dessen in einer Bücherei lesen, stellt sich die Frage nach guter Literatur mit dem gleichen Sound wie jene: Was ist eine gute App? Die Antwort lautet in beiden Fällen, dass die Anwendung im ausgewählten Rahmen o.k. sein muss.

Dem Diskussionsreader ist ein kleiner Beipackzettel beigelegt, worauf die einzelnen beteiligten Namen und ihre zitierten Kollegen wie in einer Referenz-Cloud aufgesplittet sind. Nach dieser Theorie könnte man sagen, gute Literatur ist jene, die am meisten vernetzt ist.

Und was mache ich mit dieser Erkenntnis als Individuum in einem Meer von guter Literatur?

Thomas Eder u.a. (Hg.), Einfache Frage: Was ist gute Literatur?
Wien: Sonderzahl Verlag 2016, 335 Seiten, 22,00 €, ISBN 978-3-85449-459-1

 

Weiterführender Link:
Sonderzahl Verlag: Thomas Eder u.a. (Hg.), Einfache Frage: Was ist gute Literatur?

 

Helmuth Schönauer, 18-12-2016

Bibliographie
Herausgeber: 
Thomas Eder
Buchlangtitel: 
Einfache Frage: Was ist gute Literatur?
Erscheinungsort: 
Wien
Verlag: 
Sonderzahl Verlag
Seitenzahl: 
335
Preis in EUR: 
22,00
ISBN: 
978-3-85449-459-1
Kurzbiographie AutorIn: 

Thomas Eder, geb. 1968 in Linz, ist Literaturwissenschaftler in Wien.

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