Alle Artikel von h.schoenauer

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Peter Simon Altmann, Der zweite Blick

In Zeiten aufgewühlter Grapsch- und MeToo-Diskussionen wirkt ein literarisch-erotischer Roman umso zeitloser und hintersinniger.

Peter Simon Altmann schickt seinen Helden zwischen die erotischen Kulturen Europas und Japans und lässt ihn dort in einer empfindsamen Sprache anhand von alten Schriften das erotische Kerngeschäft der Gegenwart erledigen.

Bernd Schuchter, Gebrauchsanweisung für Tirol

Der Führer muss braver sein als das Land, durch das er führt! - Nach dieser Tourismus-Vorgabe erscheinen in Tourismus-Ländern regelmäßig Führer, die eine brave Geschichte fortschreiben und mit dem Hauben-Koch des aktuellen Jahres beenden.

Bernd Schuchter hat unter dieser Vorgabe die „Gebrauchsanweisung für Tirol“ verfasst. Zusätzlichen Druck macht ihm dabei Reinhold Messner, der vor Jahren im gleichen Verlag die Gebrauchsanweisung für Südtirol geschrieben hat.

Udo Kawasser, Unterm Faulbaum

Auch wenn er vielleicht ein wenig streng riecht und seine Früchte oft als Abführmittel verwendet werden, so ist der Faulbaum der ideale Schattenspender, um darunter auch ohne Sonne ordentlich zu faulenzen.

Udo Kawasser setzt seinen Ich-Erzähler ein paar Monate lang unter einen Faulbaum in der Lobau und lässt ihn sinnieren. In Eintragungen in sein geschmeidiges Notizbüchl arbeitet dieser alles ab, was so im Mühlwasser zu seinen Füßen dahindriftet. Die Botanik umgibt den in seinen eigenen Gedanken Dahinfließenden diskret und streckt ab und zu eine Besonderheit in Gestalt eines Geästes oder Blattwerks vor. Die Natur weist darauf hin, dass sie den gleichen Wortstamm hat wie das lateinischen Wort für Geburt, und erlaubt ist beim Denken alles, was einem so zufließt.

Alessandro Baricco, Smith & Wesson

Das einzig Sinnvolle einer Waffe wie der Smith & Wesson ist ihr eingetragener Markenname. Damit lässt sich jede Menge Kohle machen, wenn man es klug angeht.

Alessandro Baricco formt aus dem Waffenmythos ein groteskes Medienstück, dessen Botschaft lautet, gute Geschäfte gehen immer mit der Todessehnsucht des Publikums einher. Das Stück selbst ist in Akte und Sätze eingeteilt wie eine Oper oder ein Kammerstück, die Figuren, einmal in Szene gesetzt, reden wie Wladimir und Estragon im Warten auf Godot, und als Bühnenbild gewaltigen Ausmaßes dienen die Niagarafälle, weil es dort die meisten Suizide und Hochzeitsreisen des Kontinents gibt.

Hubert Flattinger, Sommersprossen auf dem Asphalt

Das wirklich heftige Leben ist ein Song, der aus Dutzenden von Balladen zusammengesetzt ist. Er lässt sich authentisch nur auf einer Gitarre mit fehlenden Saiten abspielen.

Hubert Flattinger setzt in seinem Jugendroman „Sommersprossen auf dem Asphalt“ einer prekären und peripheren Restfamilie einen Überlebenssong ins Ohr, der sie über die Runden bringt, wenn auch mit ziemlich viel Blues. Im Mittelpunkt steht Robin, der sich erst für das Leben sortieren muss. Momentan versucht er, Songs zu schreiben und mit einer Gitarre zurechtzukommen, welcher die entscheidende Saite fehlt.

Ruth Aspöck, Die alte Dichterin

Einer Dichterin verzeiht man in unserer ewig jungen Konsumkultur vielleicht noch am ehesten, dass sie alt wird. Die Leserschaft erwartet sich von ihr eine gewisse Gelassenheit gegenüber dem Literaturbetrieb und Geschichten, die von Lebenserfahrung gespeist sind.

Ruth Aspöck geht ironisch ernst der Tatsache auf den Grund, dass Dichterinnen lange jung bleiben, wenn sie im literarischen Diskurs stehen, und gleichzeitig alt werden zusammen mit dem literarischen System, in dem sie verankert sind. Für ihre poetische Analyse eines Schriftstellerinnenlebens wählt sie eine gewisse Elizabeth Schwarz als ausgelagertes Ich.

Juri Andruchowytsch, Kleines Lexikon intimer Städte

Städte sind mehr oder weniger fixe Haken der Geschichte, an denen man die eigene Arbeit, die Träume und Abenteuer einhängen kann.

Juri Andruchowytsch führt seit jeher ein literarisches Leben, das sich zwischendurch in Lesereisen, Romanen und Projekten ausformt.
Daraus entsteht wie von selbst ein Netz aus Erlebnisknoten, die von aufgesuchten Städten zusammengehalten werden. Eine freie Erzählform ergibt sich dabei, wenn man die Städte zu einem Lexikon zusammenfügt.

Lidija Klasic, Noch 172 Tage bis zum Sommer

Es gibt so psychisch helle Sonnenaufgänge, auf die sich nicht nur Kinder hinzählen, soundso viele Tage, dann kommt das Christkind, sondern auch Erwachsene, soundso oft noch an der Zeitmaschine einchecken, dann kommt die Pension.

Lidija Klasic lässt den Sehnsuchtsseufzer „Noch 172 Tage bis zum Sommer“ von einer Künstlerin ausstoßen, die bei Einbruch des Herbstes ihre Werkstätte schließt und das Areal winterfest macht. Istrien spielt nämlich in den Wahrnehmungen und Lobeshymnen immer im Sommer. Der kluge Kunstexperte freilich weiß, dass die wahren Schätze winterfest in den alten Gemäuern schlummern.

Gerhard Falkner, Romeo oder Julia

Im postmodernen Literaturbetrieb steckt ähnlich einer russischen Puppe immer eine Inszenierung in der anderen. Mal ist es ein Buch, dann ein Festival, dann eine biographische Begebenheit, dann ein Traum, dann eine Love-Story aus der Erinnerung. Alle sind nach einem positiven Strickmuster geformt, damit sie auf den Klappentext passen.

Gerhard Falkner macht sich mit seinem Roman Romeo oder Julia über den Literaturbetrieb lustig und würdigt diesen als Arbeitgeber, der ständig die letzte absurde Kraftanstrengung von einem Autor fordert.

Oswald Egger, Val di Non

Sogenannte Preisdichter schreiben ihre Werke meist für die Jury, ab und zu freilich schreiben sie ein Buch, um die angehäuften Preise zu rechtfertigen.

Oswald Egger ist ein abgebrühter Preisdichter, als er in diesem Sommer den Trakl-Preis bekommt, murmelt er irgendwie, dass ihm dieser noch in seiner Sammlung gefehlt habe. Als Vorschuss für den Preis hat er bereits sein neuestes Opus ausgeliefert: Val die Non.

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