Kinder mit Lese-Rechtschreibschwäche: Diagnose und Förderprogramme, Teil 2

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Kinder mit einer „Lese-Rechtschreibschwäche“ haben auffallend große Probleme beim Lesen und machen besonders viele Rechtschreibfehler. Eltern und Lehrer, die mit einer „Lese-Rechtschreibschwäche“ von Kindern konfrontiert sind, stehen vor dem Problem, die richtige Diagnose und das beste Förderprogramm auszuwählen.

In den letzten Jahrzehnten hat das Interesse am Thema Lese- Rechtschreibschwäche (LRS) und Legasthenie stark zugenommen. Dies dürfte vor allem auf Berichte in den Medien, auf die Veröffentlichung neuer Theorien zu den Ursachen aber auch auf das wachsende Angebot an Förderansätzen und Förderprogrammen und Materialien zurückzuführen sein. So haben sich die Legasthenie-Forschung und Legasthenie-Förderung mittlerweile zu einem wichtigen Wirtschaftsmarkt entwickelt. Aber welche Förderansätze und Förderprogramme sind nun für Kinder mit LRS am besten geeignet?

Zunächst muss festgehalten werden, dass es keine typischen Fehler beim Schreiben oder Lesen gibt, an denen sich eine LRS erkennen lässt. Kinder mit LRS machen die gleichen Fehler wie andere Kinder, lediglich viel häufiger. Bevor ein symptomorientiertes Lese-/Rechtschreibtraining gewählt werden kann, gilt es zunächst die Ursache der Probleme und den aktuellen Leistungsstand zu klären, weil sich symptomorientierte Förderprogramme als am effizientesten erwiesen haben.

Auswahl des Förderprogramms: „Evidenzbasierte LRS-Förderung“

Für die Auswahl eines geeigneten Förderprogrammes hat das Bundesministerium für Bildung aus der großen Fülle an Förderprogrammen im Bericht „Evidenzbasierte LRS-Förderung“ jene zusammenstellen und bewerten lassen, die sich einer wissenschaftlichen Untersuchung unterziehen und ihre Wirksamkeit überprüfen haben lassen. Damit wurde dem Problem begegnet, dass im Bereich der pädagogischen oder psychologischen Intervention keine strengen Regeln bzw. methodische Vorgaben über die Zulassung von Fachkräften oder Behandlungsmethoden bestehen. Das heißt, alle können für ihre Angebote werben, ohne nachweisen zu müssen, dass sie auch wirksam sind.


Der Bericht "Evidenzbasierte LRS-Förderung" bietet eine gut strukturierte Auswahl an Programmen und Methoden für den Einsatz bei der Förderung von Kindern mit Lese-Rechtschreibschwäche. Screenshot: Schulpsychologie, Evidenzbasierte LRS-Förderung

 

Es gibt aber auch Programme, die in ihrer Gesamtheit nicht evaluiert worden sind, die jedoch Methoden und Komponenten enthalten, deren Wirksamkeit in der LRS-Forschung dennoch empirisch belegt sind. Für den Bericht wurden daher Förderkomponenten berücksichtigt, die auf eine Leistungsverbesserung bei LRS hinzielen und deren Wirksamkeit in Studien belegt ist.

Nachweis der Wirksamkeit

Ziel einer Förderung im Bereich der LRS muss eine Verbesserung der Lese- und / oder Rechtschreibleistung sein. Ob dieses Ziel mit den angebotenen Methoden erreicht werden kann, lässt sich mit wissenschaftlichen Methoden objektiv und zuverlässig erheben. Um von einem evidenzbasierten Förderprogramm zu sprechen, sollten diese objektiv nachvollziehbar und theoretisch fundiert sein.

Der Bericht „Evidenzbasierte LRS-Förderung“ dient als Orientierungshilfe für die Auswahl von geeigneten Förderprogrammen und Einsatzmöglichkeiten, wobei nur wissenschaftlich fundierte und empirisch überprüfte Förderansätze vorgestellt werden. Außerdem dient der Bericht als Informationsquelle, um für ein Kind Materialien für spezielle Förderstunden zusammenzustellen.

Mit einer österreichweiten Befragung von Personen, die im schulischen Rahmen eine LRS-Förderung durchführen, wurde festgestellt, welche Fördermaterialien häufig eingesetzt werden. Zusätzlich wurden auch Programme und Materialien beleuchtet, die zwar bei dieser Befragung nicht zur Sprache gekommen, die aber speziell für den Einsatz im Rahmen der LRS-Förderung ausgewiesen sind. Für einen schnellen Überblick wurden im Bericht tabellarisch aufgelistet, in welchen Programmen Förderkomponenten für die Bereiche lautorientiertes Schreiben, orthographisches Schreiben, Leseflüssigkeit, sowie die Grundfertigkeiten des Lesens wie phonologische Bewusstheit, Buchstabe-Laut-Zuordnung und Lesegenauigkeit.

Alle aufgelisteten Programme, die sich im Rahmen einer LRS-Förderung sinnvoll einsetzen lassen, werden unter Angabe der entsprechenden Altersgruppe zudem kurz vorgestellt. Informationen gibt es zu Inhalten und Einsatzmöglichkeiten im Allgemeinen, zum Lese- und Rechtschreibunterricht sowie zu Übungen für zu Hause mit den Eltern. In einem anschließenden Kapitel werden Arbeitsblätter, Übungen und Spiele allgemeiner Unterrichtsmaterialien in einer Tabelle aufgelistet, sofern sie Förderkomponenten enthalten, deren Wirksamkeit für die LRS-Förderung nachgewiesen ist.

Die Latte der methodischen Anforderungen liegt hoch, die an Studien zur Überprüfung der Wirksamkeit von Fördermethoden gestellt wird. Mit Hilfe einer Kontrollgruppe muss nachgewiesen werden, dass die Leistungsverbesserung einer Trainingsgruppe deutlich besser ausfällt, als die einer Kontrollgruppe, die nur an den Tests vorher und nach teilnimmt. Damit soll verhindert werden, dass durch ein ungeeignetes Training sinnlos Zeit und Geld verschwendet wird.

 


Lautorientiertes Schreiben, orthographisches Schreiben, Leseflüssigkeit, aber auch die Grundfertigkeiten des Lesens wie phonologische Bewusstheit, Buchstabe-Laut-Zuordnung und Lesegenauigkeit zählen zu den häufigsten Problemen bei Lese-Rechtschreibschwierigkeiten. Bild: pixabay - Lebensmittelalphabet

 

Kriterien für die Aufnahmen im Bericht "Evidenzbasierte LRS-Förderung"

Kriterien für die Aufnahme von LRS-Trainings im Bericht waren Studien, in denen die Veränderung der Lese- und/oder Schreibleistung überprüft worden sind. Hingegen nicht berücksichtigt wurden Trainings, denen es nicht unmittelbar um schriftsprachliche Leistungen geht, sondern um die Verbesserung kognitiver Teilleistungen, von denen nur angenommen wird, dass sie auch mit LRS-Leistungen zu tun haben.

Ebenfalls nicht aufgenommen wurden Trainings, die auf eine Verbesserung der Blickbewegungen abzielen und im Kontext von Leseübungen trainiert werden. Die erhöhten Fixationszeiten und verkürzten Blicksprünge von Personen mit LRS beim Lesen, dürften eine Folge und nicht Ursache ihres LRS-Problems sein. Damit wären Trainingskomponenten, welche die Blickbewegung unabhängig vom Lesematerial trainieren unnötig und Geld und Zeit besser in gezielte Leseübungen investiert.

Berücksichtigt wurden hingegen Trainings, die erst in Kombination verschiedener Komponenten wirksam werden, während für die einzelnen Komponenten keine Wirksamkeit nachgewiesen werden kann, wie z.B. die Würzburger Studie zur Effizienz phonologischer Fördermaßnahmen im letzten Kindergartenjahr. Hier ließ sich aufzeigen, dass ein kombiniertes Training von phonologischer Bewusstheit und Buchstabenkenntnis effizienter ist, als ein isoliertes Training der beiden Komponenten.

Dauer des Trainings und Nachhaltigkeit der erzielten Effekte

In einem ersten Teil werden alle Förderprogramme präsentiert, die im Bericht schließlich Eingang gefunden haben. Zunächst werden Programme vorgestellt, die auf eine Prävention der Lese-Rechtschreibschwäche abzielen, dann Programme, die auf die Verbesserung der Leseleistung, Förderprogramme, die auf die Verbesserung der Rechtschreibleistung und schließlich Programme, die gleichzeitig auf eine Verbesserung der Lese- und Rechtschreibleistung abzielen.

Ein zweiter Teil stellt Förderkomponenten vor, die durch empirische Studien belegt werden konnten. Dazu gehören Förderkomponenten, die auf eine Verbesserung der Grundfertigkeiten des Lesens abzielen, Förderkomponenten, welche die Leseflüssigkeit in den Mittelpunkt stellen, aber auch Förderkomponenten die auf eine Verbesserung des lautorientierten Schreibens oder des orthographischen Schreibens abzielen.

In einer abschließenden Bemerkung weist der Bericht darauf hin, dass überraschend wenige der angebotenen Ansätze zur Förderung bei einer Lese-Rechtschreibschwäche geeignet evaluiert worden sind. Dabei überrascht, dass auch Förderansätze dazugezählt werden müssen, die schon lange Zeit propagiert und angewendet werden, wie z.B. die Teilleistungsförderung, die AFS-Methode, die kybernetische Methode oder die Edukinesiologie. Da sich über die Wirksamkeit dieser Methoden keine Aussagen machen lassen, können sie auch nicht für den Einsatz in der LRS-Förderung empfohlen werden. Dennoch bleibt die Anzahl an empfehlenswerten Förderprogrammen noch umfangreich, wobei darauf hinzuweisen bleibt, dass der Erfolg einer Förderung aber nicht ausschließlich von den gewählten Materialien abhängt, sondern ganz wesentlich von der Art ihrer Durchführung.

 

Weiterführende Links:
BMB - Schulpsychologie/Bildungsberatung : „Evidenzbasierte LRS-Förderung“ Schulpsychologie Tirol: Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, Infoblatt
Schulpsychologie Tirol: Lernen und Lernschwierigkeiten
BMB: Lese-Rechtschreibschwäche oder Legasthenie bei Schülerinnen und Schülern
Informationen zur Lese-Rechtschreibschwäche des LSR für Tirol
LMU München: Stufenmodelle des Lesen- und Schreibenlernens

 

>> Kinder mit Lese-Rechtschreibschwäche: Diagnose und Förderprogramme, Teil 1

 

Andreas Markt-Huter, 10-10-2017
Titelbild: Georgios Jakobides, Lesendes Mädchen
Foto: Bonhams London, in: Wikipedia

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