Krimiautor Dietmar Wachter - Aus dem "Mordkästchen" geplaudert...

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Es ist spät. Es ist dunkel. Die ZuhörerInnen sind müde.

Gleich am Beginn seiner Lesung weckt der Tiroler Autor Dietmar Wachter das Interesse. Mit wenigen Sätzen zieht er das Publikum in den Bann: „Seine Krimis seien nichts für zarte Seelen. Es gehe darin natürlich um Morde und deren Aufklärung. Morde gehören aufgeklärt und bestraft!“ Dazu zitiert Wachter den passenden Paragraphen des Gesetzes.

Sein Ermittler Matteo Steininger arbeitet unkonventionell und nicht immer nach den Dienstvorschriften. Der Name „Steininger“ hat einen Tirolbezug, hier im Land ist es eben manchmal steinig. Dietmar Wachter wird bei dieser Lesung nichts (vor)lesen, denn lieber erzählt er von seinen Geschichten. Geschichten?
Dietmar Wachter arbeitet als Kriminalbeamter bei der Polizei in Landeck in der Tatortgruppe! Seine Krimis hätten, wie der Autor nun weiter verrät, durchaus oft reale Vorlagen, seien es Charaktere und Mentalitäten der Bergbewohner als auch Brauchtum, Landschaften und ja, nun eben auch Morde und Mordwerkzeuge. Es gruselt schon ein bisschen. Was mag wohl in dem Köfferchen sein, welches er eben so nebenbei  gerade auf den Tisch gestellt hat?

Nun, bevor dieses Geheimnis im folgenden Interview gelüftet wird, liest Wachter doch. Er liest einen berührenden, sehr aktuellen Brief vor, den Ivana Vlahšić geschrieben hat. Darin geht es um die Gedanken seiner sehr talentierten 16-jährigen, musikalischen Begleiterin. Diese kam mit ihrer Familie vor zwei Jahren aus Serbien nach Tirol. Darin schildert sie berührend ihre Gefühle in der ersten Zeit ihres Aufenthalts in ihrer Familie, in ihrer neuen Schule, in ihrer neuen Heimat Tirol. Ivana spielt und singt selbst komponierte Werke, passend zu den jeweiligen Krimis. 

Lesen in Tirol:
Lieber Dietmar, in der Schule hast du, laut eigener Aussage,  Deutsch nicht sehr gemocht, du arbeitest als Kriminalbeamter in einem Beruf, der gute Nerven und manchmal wohl auch einen guten Magen verlangt. Wie kommt es, dass du dann in deiner Freizeit freiwillig Krimis schreibst?

Dietmar:
Der Zufall wollte es so. Nie und nimmer hätte ich erwartet, dass ich jemals irgendwelche Geschichten niederschreibe. Über die Heimatforschung  stolperte ich zu meinem ersten Krimi „Der Holzfischer“, der im Milieu dieser rauen Burschen spielt. Ein passendes Ambiente für einen Debütroman, so zwischen Gefahr, Hochwasser und schweren Gewittern.

Lesen in Tirol:
Was hast du nun wirklich in deinem Reisekoffer mitgebracht?

Dietmar:
Eine Auswahl an Instrumenten, mit denen halt so landauf, landab gemordet wird. Vom Messer bis hin zum Gift, von Strangulationswerkzeugen bis hin zu Schusswaffen. Damit möchte ich den Zuhörern klarmachen, wie einfach der Begriff Mord sein kann. Probleme gibt’s eher hinterher, was mach ich mit dem Leichnam? Wie bleibt meine Tat unerkannt?

Lesen in Tirol:
Der perfekte Mord?

Dietmar:
Klar gibt es den, meistens ist es der unerkannte, der nicht untersuchte Todesfall. Ich hoffe aber, dass wir in meinen drei Jahrzehnten Polizeidienst noch keinen übersehen habe. Dem Opfer könnte ich später im Himmel wohl kaum in die Augen schauen!

Lesen in Tirol:
Kürzlich erschien dein 5. Kriminalroman „Das Mädchen Dori“ mit Inspektor Matteo Steininger. Worum geht es in diesem, deinem neuesten Krimi? 

Dietmar:
Vor etlichen Jahren las ich in einer Fahndung des deutschen Bundeskriminalamtes, dass ein Mann gesucht wurde, der auf deutschen Volksfesten seine etwa zwölfjährige Tochter Männern zum Vergnügen anbot. Dieses Thema griff ich auf und schrieb einen Krimi, der im Milieu der Fahrenden spielt. Klar, dass sich Matteo Steininger nach Jahren erfolgloser Ermittlungen auf Reise begeben muss, um den Fall zu klären. 

Lesen in Tirol:
Dieser Band soll der letzte mit dem beliebten Inspektor Steininger sein? Wird er „umgebracht“?

Dietmar:
Nein, ich gönne ihm einen humanen Abgang.  Er geht in Pension und widmet sich fortan nur mehr seinen Hobbys Fischen, Holzhacken und Wandern.

Lesen in Tirol:
Du bist ein echter Tiroler und schreibst „Heimatkrimis“, welche fundierte Kenntnisse über deine Region verlangen. Gleichzeitig berühren dich Schicksale von Flüchtlingen und Immigranten sehr. Bitte um ein paar Worte zu diesem brisanten Thema:

Dietmar Wachter:
Ich gebrauche auch bei solch komplexen Themen meinen Hausverstand. Wenn ich unkontrolliert Fremde in mein Haus lasse, werde ich in ein paar Wochen ein ziemliches Chaos vorfinden. Wenn ich mir die Leute aber anschaue und sie frage, woher sie kommen, was sie können und was sie eigentlich hier wollen, kann es ein gutes Miteinander werden.

Lesen in Tirol:
Kannst du in der Nacht gut schlafen?

Dietmar Wachter:
Ich schlafe bestens und habe im Laufe meines langjährigen Dienstes gelernt, besonders schlimme Fälle wie Kindesmord oder Suizide von jungen Menschen gut zu verarbeiten.

Lesen in Tirol:
Was liest du privat gerne?

Dietmar:
Mein Favorit  ist Andrea Camilleri und natürlich alle Skandinavier,  die verdammt gute Krimis schreiben. 

Lesen in Tirol:
Gerne kommst du auch an Tiroler Schulen, am liebsten zu SchülerInnen ab der vierten Klasse NMS oder Gymnasien. Da bist du ein sehr gerne erlebtes Highlight bei Kriminächten oder schreibst gemeinsam mit den Jugendlichen Kriminalgeschichten. Wie kommt man zu dir? Wie behandelst du an den Schulen dieses doch ernste Thema?

Dietmar Wachter:
Da ich telefon- und handyfrei lebe, kann ich nur persönlich oder über meine Mail dietmar.wachter@gmail.com erreicht werden. In Schulen arbeite ich mit Fragen, die mir die Schüler vorab schicken. Auch der Weg von der Idee zum fertigen Buch ist immer ein gutes Thema, das die Schüler sehr interessiert. Wenn ich genug Zeit zur Verfügung habe, erarbeite ich mit den Schülern in einer Gruppenarbeit eine Kurzgeschichte, die sie zum Abschluss präsentieren. Da kann ich ihnen auch den Umgang mit Mikrofonen erklären.

Lesen in Tirol:
Was sind deine nächsten Projekte?

Dietmar:
Für 2016 sind bereits einige Lesungen in Tirol und Vorarlberg auf teils lukrativen Bühnen fixiert. Auf die freue ich mich heute schon.

Lesen in Tirol:
Herzlichen Dank für die gruselige und doch unterhaltsame Lesung und ein großes Dankeschön an Ivana für die künstlerisch wertvolle und wunderbare musikalische Untermalung! Viel Erfolg weiterhin!

     
Quelle: Fotos Dietmar Wachter/Dina Überall
Foto 1: Ivana Vlahšić: Klavier, Gitarre, eigene Texte

Foto 2: Dietmar Wachter mit Julia Gschnitzer, Kulturpreisträgerin des Landes Tirol
Foto 3: Wachter mit Zingulum und Ivana

 

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