Clemens Lindner, Waltherpark

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Der Sinn von Denkmälern muss immer wieder neu definiert werden, unbestritten sind diese Stelen, Figuren und Obelisken freilich als Orientierungshilfe bei der Müllentsorgung, als Treffpunkte für erotische oder psychodelische Rendezvous und schließlich als ideale Schauplätze für literarische Morde.

Clemens Lindner baut das Schicksal seines Helden Fetz rund um das Waltherdenkmal am Waltherplatz zu Innsbruck auf. In einer Welt voller Fiktion und Spielereien wird das Denkmal des mittelalterlichen Ober-Minnen zu einer Schnittstelle zwischen Wahn und Wirklichkeit. In einem Waltherzitat als Vorspann wird darauf hingewiesen, dass niemand ohne eine gewisse Grundfeindschaft leben kann.

Held dieser Tragödie rund um den Waltherpark ist Hans Peter Fetz, der schon als Kind als Hosen-Fetzer bezeichnet worden ist, wenn wieder einmal was in die Hose gegangen ist. Er ist Schauspieler und wird vom versteinerten Theaterdirektor gemobbt. Als er sich weigert, sich für das Programmheft fotografieren zu lassen, wird er für die nächste Saison gekündigt. Noch allerdings muss er seine Sachen fertig spielen. Seit man ihm die Nase zerhauen hat, bekommen seine Rollen automatisch etwas Berührendes: Ein Lear ohne Nase gilt auch in der Provinz als gewagte Inszenierung.

Gekränkt und irritiert bleibt Fetz in der Folge wie der Kafka-Käfer im Bett liegen und verweigert die Auftritte. Er frisst sich in seine eigene Rolle hinein, wo komme ich her, wer bin ich. Ein Besuch bei seiner Schwester bringt sein geknicktes Selbstwertgefühl auf den Punkt. Die Mutter ist psychisch schwer bedient und in einer Anstalt, vom Vater, der einst als Nazi schnell ein Kind gezeugt hat, fehlt lange Zeit jede Spur. Alles, was er über sich weiß, hat er sich aus Theaterrollen zusammengestöpselt.

So ist auch sein Frauenbild ziemlich schräg, im Wechselspiel zwischen Bewunderung und interlinearer Verführung bleibt in Echtzeit nichts mehr von den Frauen übrig. Eine Frau aus der Theaterszene begleitet ihn schließlich zwischen zwei Lokalitäten und wird anderntags ermordet am Waltherplatz aufgefunden. Für Fetz ist die Welt völlig aus dem Ruder gelaufen. Am liebsten würde er alle Frauenhälse zudrücken, damit Ruhe ist. Und schon wieder wird jemand tot am Domplatz aufgefunden. In einem Notizbuch ist alles aufgeschrieben, was hinter den Rollen steckt. Es ist egal, ob man es findet oder nicht. Der Schlussapplaus ist jedenfalls schon ausgebrochen.

Clemens Lindner zeigt einen Helden, der von sich selbst irritiert ist. Zum einen nimmt er Rollen wörtlich und füllt sie ohne Rücksicht auf Verluste aus, zum anderen ist seine eigene Persönlichkeit ausgehöhlt und mit allerhand falschem Zeug verstellt. Das Theater kann durchaus zu einer Therapie werden, in der die Persönlichkeit verlorengeht, zumal in der Peripherie Ursache und Wirkung oft vertauscht sind. – Eine süffisante Analyse des Theaterwesens in der Provinz.

Clemens Lindner, Waltherpark – Schlussapplaus. Ein Innsbruck-Krimi
Wattens: Berenkamp Verlag 2016, 164 Seiten, 17,50 €, ISBN 978-3-85093-357-5

 

Weiterführende Links:
Berenkamp Verlag: Krimi
Literaturport: Clemens Lindner

 

Helmuth Schönauer, 27-05-2016

Bibliographie
AutorIn: 
Clemens Lindner
Buchlangtitel: 
Waltherpark – Schlussapplaus. Ein Innsbruck-Krimi
Erscheinungsort: 
Wattens
Verlag: 
Berenkamp Verlag
Seitenzahl: 
164
Preis in EUR: 
17,50
ISBN: 
978-3-85093-357-5
Kurzbiographie AutorIn: 

Clemens Lindner, geb. 1965 in Hall / Tirol, lebt westlich von Innsbruck.

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