Harald Specht Geschichte(n) der Dummheit

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„Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen, sagt der Volksmund. Da man Dummheit weder sehen, noch anfassen oder kaufen kann, ist es schwer sie zu beschreiben. Was wissen wir von ihr? Erstens lässt sich feststellen, dass sie scheinbar überall auftritt.“ (13)

Welche Rolle spielt die Dummheit in der Geschichte der Menschheit? Wenn sie auch häufig Kopfschütteln oder ungläubiges Staunen auszulösen vermag, so erscheinen die Folgen der Dummheit nicht immer so glimpflich oder amüsant, wie so manche kritischen Geister im Laufe der Geschichte erleben und erleiden haben müssen, die als Abweichler und Ketzer verunglimpft worden sind.

Harald Specht geht der Geschichten oder den Geschichten der Dummheit anhand von „sieben Sünden des menschlichen Schwachsinns“ passenderweise in sieben Kapiteln nach. Im einleitenden Kapitel „Die große Verwandtschaft der Dummheit“ setzt  er sich mit den verschiedenen Begriffen für Dummheit bzw. Namen für dummes Verhalten oder dumme Menschen auseinander.

Das 2. Kapitel „Gott, Geist, Gehirnquotient“ nimmt sich die Ungereimtheiten und Dummheiten aus dem Bereich der Religionen und heiligen Schriften vor, wie z.B. die interessanten Berechnungen zum Alter der Erde, das Verhalten Gottes gegenüber seinen Geschöpfen oder einfach der Suche nach Dummheit über den Weg des Intelligenzquotienten, der auch nicht immer hält, was er verspricht.

In Kapitel 3 „Historie, Hass und Hinterwäldler“ stehen Dummheiten und Wahrheiten aus dem Bereich der Geschichte im Mittelpunkt, wo die Regel gilt, dass diese vom Sieger geschrieben wird. Aber auch die Zitate, Zoten und vermeintlichen letzten Worte der großen historischen Persönlichkeiten bieten zahlreiches Material für Fehlmeldungen und Fehlübersetzungen, die als populäre Irrtümer in den Geschichtsbüchern der Menschheit Verbreitung finden. Nicht weniger unterhaltsam liest sich, was Dichter und Denker wie Wilhelm Busch, Flaubert, Sartre u.a. über Dummheit zu sagen wissen.

Auch im Bereich von „Liebe, Lust und Leidenschaft“ spielt, wie das 4. Kapitel zeigt, die Dummheiten eine bedeutsame Rolle, wie die Geschichten rund um Kleopatra und Antonius, Abaelard und Hèloise, sowie die Erzählungen über andere Große der Geschichte erkennen lassen.

Kapitel 5 „Hetären, Hexen, Heiratsbräuche“ setzt sich mit der Darstellung der Frau von der Heiligen bis zur Hure in der Geschichte der Literatur auseinander, je nach dem welche Ziele und Zwecke die meist männlichen Autoren verfolgt haben. Sei es nun die Beschreibung Kaiserin Theodoras als wollüstige Prostituierte oder die Gleichsetzung der Frau als Grund allen Übels durch christliche Autoritäten wie Augustinus und zahlreiche Päpste. Dabei darf natürlich auch die Dummheit des Hexenwahns nicht fehlen, wo mit abstrusen Geschichten der Weg zur grausamen Menschenjagd geebnet worden ist.

Das Kapitel „Pech, Pleiten, Pannenserien“ geht zunächst Berichten über merkwürdige Beobachtungen bei Hingerichteten nach und bewegt sich Richtung Scheintote und falsche Totenscheine weiter, wobei die Dummheit zweifellos von einem weiteverbreiteten Hang zum Aberglauben herrührt. Aber auch das Streben nach „Gold, Gier und Geldverschwendung“ bietet der Dummheit ein reiches Betätigungsfeld.

Im letzten Kapitel „Sprache, Sprüche, Stoßgebete“ werden die zahlreichen Dummheiten aufgezeigt, die bei der Anwendung von Sprache begangen werden. So zeigen Warnschilder wie „Please, no handies“ wenig Wirkung, wenn man weiß, dass es sich beim „Handy“ um ein rein deutsches Kunstwort handelt. Der Engländer spricht vom „mobilphone“ oder kurz „mobil“. Zum Abschluss werden noch besonders dümmliche Meldungen aus Vorschriften, Gesetzen, Zeitungsmeldungen und Bedienungsanleitungen zum Besten gegeben.

Harald Spechts Auseinandersetzung mit dem Thema Dummheit ist eine kleine Reise quer durch die Geschichte der Religionen, der Mächtigen und der Literatur. Es sind Geschichten aus der Weltliteratur ebenso wie Texte aus verrückten Gebrauchsanweisungen oder Vorschriften. Mit viel Wissen und Akribie werden die unterschiedlichsten Aspekte der Dummheit vorgestellt, die manchmal Schrecken und manchmal zum Lachen führen, immer aber ein ungläubiges Staunen darüber hinterlassen, was Dummheit vermag.

Ein ebenso empfehlenswertes wie informatives Buch über ein nicht weniger spannendes und unterhaltsames Thema, das allen Leserinnen und Leser mit viel Augenzwinkern und Erzähllust in ein Kaleidoskop der menschlichen Dummheit blicken lässt.

Harald Specht, Geschichte(n) der Dummheit. Die sieben Sünden des menschlichen Schwachsinns
Leipzig: Engelsdorfer Verlag 2010, 389 Seiten, 16,40 €, ISBN 978-3-86901-897-3

 

Weiterführende Links:
Engelsdorfer Verlag: Harald Specht Geschichte(n) der Dummheit
Wikipedia: Harald Specht

 

Andreas Markt-Huter, 28-02-2018

Bibliographie
AutorIn: 
Harald Specht
Buchlangtitel: 
Geschichte(n) der Dummheit. Die sieben Sünden des menschlichen Schwachsinns
Erscheinungsort: 
Leipzig
Verlag: 
Engelsdorfer Verlag
Seitenzahl: 
389
Preis in EUR: 
16,40
ISBN: 
978-3-86901-897-3
Kurzbiographie AutorIn: 

Harald Specht ist Naturwissenschaftler und Autor. Neben mehr als 70 Fachpublikationen schrieb er auch Drehbücher, Filmkommentare, Romane und Sachbücher. Insbesondere durch sein viel besprochenes Buch „Jesus? – Tatsachen und Erfindungen“ wurde er einer breiteren Leserschaft bekannt.

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