Gerhard Ulbrich, Geh mit Gott und stirb
Die wahren historischen Ereignisse handeln alle vom Sterben der Menschen. Erzähle mir was vom Tod und ich weiß alles über die Zeit.
Sieben Jahre nach dem Publikationsstart von Gerhard Ulbrichs Sterbe-Triologie, der erste Teil „Stillfried“ spielt um 1991und erzählt das elende, radioaktiv verseuchte Sterben kurz nach Tschernobyl, erscheint jetzt der Mittelteil. In „Geh mit Gott und stirb“ geht der Vertreter der nächsten Generation nach Ruanda, gerät in den Bürgerkrieg, und bringt sich wegen des daraus entstehenden Wirrwarrs im Kopf um.
Ganz Rom ist ein Palimpsest, Geschichten, Gebäude, Kulturen und Wetterlagen sind dermaßen in einander verschachtelt, dass man nie die einzelnen Schichten als Ganzes los lösen kann. Wie wenn man ein Stück Wurzel aus der Erde zieht, ist immer noch etwas von früher und von woanders dran.
Nichts lässt die Vergangenheit so alt aussehen wie hohe Geburtstage von Revolutionären. So feierte am Jahresende 2006 Franz Josef Degenhardt seinen fünfundsiebzigsten und Wolf Biermann seinen siebzigsten Geburtstag.
Wie kann man einen Draht zur Geschichte entwickeln, wenn einem nicht einmal die eigene Mutter bekannt ist? - Die „fremde Mutter“ ist in Christine Haideggers Roman einmal eine biographisch ausgelöschte Person, zum anderen aber auch die Geschichte überhaupt.
Wieder einmal ist das Gebirge jenes Trampolin, in das sich Mittfünfzigjährige voller Erschlaffung fallen lassen in der Hoffnung, dass noch etwas Tolles wird aus dem Leben.
Efeu, Georgenhof, drei Kühe, drei Schweine, Blaubeeren, ein nachdenklicher Pole und zwei muntere Ukrainerinnen – wir befinden uns punktgenau 1945 unweit von Mitkau, einer kleinen Stadt in Ostpreußen.
Botschafterromane haben immer etwas Skurriles an sich. Da ist zum einen die abgehobene Sprache, mit der sich Diplomaten gegenseitig die Nasenkrümel aus der Semantik ziehen, und zum anderen das Elitebewusstsein, wo immer ein Botschafter auch ist, er hält sich in einem sozial besonders ätherischen Areal auf.
Warnung: Arbeit kann zu Ihrem Tod führen! – Dieses Schild steht natürlich nirgends, aber es müsste an vielen Schauplätzen der Arbeit angebracht sein.
„Diese Stadt hat nichts mehr zu verschenken. Es ist eine Stadt der Verluste. Es ist die Stadt der tausendundeinen Folterkammer. Stadt von Syphilis und Hooligans. Es wäre gut, sie dem Erdboden gleichzumachen. Wieder die dichten finnischen Wälder zu pflanzen, die es früher hier gab.“ (89/90)