Aktuelle Buchtipps

 

David Litchfield, Der Bär am Klavier

Andreas Markt-Huter - 10.03.2026

David Litchfield, Der Bär am Klavier„Eines Tages fand ein Bärenjunge im Wald etwas, was er noch nie zuvor gesehen hatte. »Was ist das für ein merkwürdiges Ding?«, fragte er sich. Vorsichtig berührte er es mit seinen tapsigen Pfoten. »PLONK!« Das merkwürdige Ding machte ein schreckliches Geräusch.“

Ein kleiner Bär entdeckt eines Tages im Wald plötzlich einen merkwürdigen großen kastenartigen Gegenstand, mit dem er zunächst nichts anzufangen weiß. Als er die Tasten des Pianos drückt, erschrickt er vor den merkwürdigen Geräuschen, die das Ding von sich gibt.

Manfred Grieger, Voll auf Strom

Andreas Markt-Huter - 09.03.2026

Manfred Grieger, Voll auf Strom„Zur weiteren Vorbereitung der Unternehmensgründung und des Achenseeprojekts konstituierte sich am 23. April 1924 in Wien in den Räumen der Allgemeinen Österreichi-schen Boden-Credit-Anstalt ein Interimskomitee der Tiroler Wasserkraftwerke AG (TI-WAG).“ (S. 39)

Die Tiroler Elektrizitätswirtschaft stellt seit den 1920er Jahren neben dem Tourismus eine wich-tige Triebfeder für die ökonomische Entwicklung Tirols dar und nahm so eine nicht zu unter-schätzende Rolle im wirtschaftlichen Leben des Landes ein.

Livia Bitton-Jackson, 1000 Jahre habe ich gelebt

Andreas Markt-Huter - 07.03.2026

Livia Bitton-Jackson, 1000 Jahre habe ich gelebt„Aus diesem Grund habe ich meine Erinnerungen an das Schrecklich niedergeschrieben. Nur wer wirklich dabei war, kann wahrhaftig über das Grauen berichten. Und ich war dabei. Für euch, die dritte und vierte Generation, ist der Holocaust bereits Geschichte oder nur mehr Legende. […] Doch ich bin mir sicher: Beim Lesen meiner Erinnerungen werdet ihr spüren – und wissen –, dass es sich beim Holocaust weder um eine Legende, noch um ein Hollywood-Drama handelt, sondern um eine Lektion, die zu verstehen von großer Bedeutung für die Zukunft ist.“ (S. 13)

Die dreizehnjährige Elvira Friedmann, Elli genannt, lebt mit ihrer Familie im Städtchen Somorja und träumt davon ihrem drei Jahre älteren Bruder Bubi, der das Jüdisches Lehrerseminar in Budapest besucht, im nächsten Jahr in die große Stadt folgen zu können. Doch ihre Wünsche und Träume zerfallen zu Staub, als Bubi im Frühjahr 1944 plötzlich zu Hause auftaucht und berichtet, dass Deutsche Soldaten in Budapest einmarschiert sind. Eine Zeit des Schreckens und Leidens nimmt für die Familie ihren Anfang.

Christian Steinbacher, Hoch die Ärmel

h.schoenauer - 06.03.2026

Christian Steinbacher, Hoch die ÄrmelEin ermunternder Zuruf an Beamte – was für ein frecher Titel! Christian Steinbachers Quellgebiet sind die Archive, Geheimdepots für Geschichten, Nachlässe von Eremiten und Tiefbohrungen in Wortschutzgebieten. Seine Gedichtbände gleichen Inventarverzeichnissen verschollener Texturen und poetischen Erkundungsstollen, weshalb der Band „Hoch die Ärmel“ auch mit der Genrebezeichnung „Gedichte“ und der Forschungsmethode „Schritte“ bezeichnet ist.

Die Gedichte Christian Steinbachers zeigen sich als Einzeller, bei denen der Kern im Kopf, also in der Überschrift sitzt. Der Untertitel ist mit dem Schwänzchen von Pantoffeltierchen vergleichbar, womit sich diese geschwind im liquiden Medium fortbewegen. Und die eigentliche Masse des Gedichts ist gallertig, amorph und gegenüber dem Umfeld osmotisch, weshalb sie mit allerlei Vers-Tricks und Vers-Maßen in Zaum und Struktur gehalten werden müssen.

Benedict Mirow, Joshua Jackelby

Andreas Markt-Huter - 05.03.2026

Benedict Mirow, Joshua Jackelby„Josh wohnte im Bahnhof, wie die anderen Zeitungsjungen. Sie nannten sich die Waterloo Boys, nach dem großen Gebäude, das erst vor wenigen Jahren eröffnet wurde. Der Bahnhof war ihre Heimat. Hier verkauften sie den Reisenden Zeitungen für zwei Pence und hatten niemanden, außer sich selbst. Die meisten schliefen, wo immer sie gerade Platz fanden. Die Mutigen legten sich auf den breiten Eisenträgern der weiten Dachkonstruktion zur Ruhe. Bis sie vom schrillen Pfeifen des ersten Zuges geweckt wurden und sie in der Druckerei flussaufwärts die neuesten Ausgaben der »London Times« abholten.“ (S. 7)

Die Geschichte beginnt im März 1851, wo in London Königin Victoria gerade die Weltausstellung im Crystal Palace eröffnet und der Zeitungsjunge Joshua Jackelby, die aktuellen Nachrichten über dieses Ereignis verbreitet. Wie die anderen Zeitungsjungen gehört er zu den sogenannten Waterloo Boys, deren Arbeitsplatz und Heimat der Bahnhof der Waterloo Station ist. Bald wird er in gewisser Weise selbst in die Ereignisse rund um die Weltausstellung gezogen werden wird.

Anna Rottensteiner, Mutterbande

h.schoenauer - 04.03.2026

Anna Rottensteiner, MutterbandeEin vielschichtiger Roman hat den Vorteil, dass man ihn nicht falsch lesen kann. Denn eine Komponente passt immer, und über diesen entgegenkommenden Weg öffnen sich bald auch die Seitenstränge und Querträger der Komposition.

Anna Rottensteiner streut unter dem vielschichtigen Titel „Mutterbande“ verschiedene Zugänge zu einer Geschichte Tirols im letzten Jahrhundert, dabei wird die „Erlebnis-Last“ auf die Schultern einer Handvoll Frauen verteilt. Auf der einen Achse ruhen die historischen Aspekte von Migration in der Monarchie, Weltkriege, Teilung des Landes, Sprachflüsse, Faschismus, Option und Emanzipation, auf der anderen Achse sind familiäre Zusammenhänge, emotionale Knoten, Rollenbilder und unauffällige Frauenbiographien abgelegt.

Amanda Wood, Handbuch der magischen Experimente

Andreas Markt-Huter - 03.03.2026

Amanda Wood, Handbuch der magischen Experimente„In dieser Zauberschule wirst du einiges über die Welt um uns herum und ihre Magie erfahren. Diese Magie gilt es zu entdecken. Als Zauberinnen und Zauberer interessieren uns Stoffe und ihre Umwandlung. […] Auf diesen Seiten findest du viele Anleitungen zu magischen Experimenten und die Erklärungen, was dabei jeweils genau abläuft.“ (S. 2)

Die Welt der Physik und Chemie erscheint mitunter wie ein magisches Experiment, in dem Erscheinungen zu beobachten sind, die die Beobachter in Erstaunen versetzen. Das „Handbuch der magischen Experimente“ bietet Anleitungen für vierzig Experimente, mit denen junge „Zauberlehrlinge“ Publikum zum Staunen bringen und begeistern können.

Alexander Kluy, Der Bleistift

h.schoenauer - 02.03.2026

Alexander Kluy, Der BleistiftDer Bleistift hat es geschafft – er ist von einem Alltagsgegenstand zu einem Kultgerät geworden. Schriftsteller und Zeichner betreiben Podcasts und Foren, um sich über neueste Rituale rund um den Bleistift zu informieren.

Alexander Kluy schöpft bei seiner „kleinen Kulturgeschichte“ über den Bleistift aus dem Vollen. Als Verfasser zahlreicher Schriftsteller-Biographien stößt er immer wieder auf Künstler, die das Schreiben geradezu kultisch betreiben, indem sie rund um den Bleistift eine magische Aura aufbauen.

Larysa Maliush, Mahlzeit!

Andreas Markt-Huter - 28.02.2026

Larysa Maliush, Mahlzeit!„Vollmondnächte waren eine große Sache. Denn dann musste jeder Wolf – vom kleinsten bis zum größten – dem Mond ein Lied vorsingen. Das war ihre Art, um Glück bei der Jagd zu bitten. Grauschnauz beschloss, zum Waldrand zu gehen, weg von seinem Rudel. Er wusste, dass das nicht in Ordnung war. Aber es fiel ihm einfach schwer, zu singen, wenn zwei Dutzend Wölfe neben ihm heulten.“

Während alle Wölfe als Rudel gemeinsam vor der Jagd den Mond anheulen, fühlt sich ein Wolf in der großen Menge unwohl und beschließt den Mond allein und abseits von den anderen zu besingen und das Glück ganz für sich allein und erhaschen.

Cornelius Hell, Lesezeichen & Lebenszeiten

h.schoenauer - 27.02.2026

Cornelius Hell, Lesezeichen & LebenszeitenWie Lymphe ist in der Literatur neben den Texten ein zweiter Kreislauf angelegt, gleichsam ein Immun- und Heilsystem, worin all die Rezensionen und Lebenserfahrungen beim Lesen als echte Bücher vertrieben werden. Es macht nämlich einen profunden Unterschied, ob die Begleitliteratur knapp an der Grenze zum Alltagsgeschehen publiziert wird oder als Fließtext, der sich quasi über das Leben der Rezensierenden spannt.

Cornelius Hell nennt sich selbst einen öffentlichen Leser, sein literarisches Leben lang nämlich ist er unterwegs, im öffentlichen Raum über Presse und Rundfunk den Diskurs über das Leben am Laufen zu halten. Was dabei in seinem Lektüre-Inneren vorgeht hat er in einem dichten Band mit den vier Begriffen zusammengefasst: Lese-Zeichen-Lebens-Zeiten.