horst moser, kleinstadtidyllDas Wesen einer Kleinstadt ist es, dass Geschäfte, Gerüchte und Gefühle ganz eng beieinander liegen und oft sogar ausgetauscht und verwechselt werden.

Horst Moser nimmt mit seinem Roman „Kleinstadtidylle“ die Entgleisungen des Zusammenlebens unter die Lupe, wie sie täglich unter den Teppich gekehrt werden. Als Hauptthema kristallisiert sich dabei die sub-kuttane Sexualität heraus, die gerade in kleinen Gemeinwesen seit Generationen blüht und emsig vertuscht wird. So können die nächsten Generationen sich wieder in voller Unschuld dem schändlichen Treiben widmen, wenn die Alten sich ins Grab geschwiegen haben.

martin baltscheit, ben und_teo„Für Zwillinge wie uns hat das Leben in derselben Sekunde begonnen und bei der Geburt waren wir schon zehn Monate lang Mieter einer sehr kleinen WG. Man kann also sagen, wir kennen uns schon lange und wir kennen und gut. So gut, dass nur einer unsere Geschichte erzählen kann: Wir.“ (S. 9)

Die Zwillinge Ben und Teo werden von allen nur als Einheit, als Team wahrgenommen, selbst von ihren Eltern. Manche Lehrer können sie selbst nach Jahren nicht voneinander unterscheiden. Dabei würden sie sich wünschen, als Individuum wahrgenommen zu werden und manchmal einfach allein zu sein.

lina hofstädter, erinnerungen an die naturDie noch lebenden lyrischen Ichs haben eines gemeinsam: Während ihrer Lebenszeit ist die Natur so ziemlich verschwunden, so dass sie auch als lyrische Anrufung nur mehr als Metapher, nicht aber mehr als konkrete Gegebenheit besungen werden kann.

Lina Hofstädter umgeht diesen Konflikt zwischen ausgestorbener Natur und ungebrochener Sehnsucht danach, indem sie von Vorneherein die Natur als Erinnerung installiert. Nicht der Mond ist das Motiv, sondern unsere Erinnerung daran, wie wir ihn seinerzeit angehimmelt, angepöbelt und ihm angetrunken zugejubelt haben.

sabine kullermann, 10 kleine weihnachtsmänner„10 kleine Weihnachtsmänner / hol’n Schlitten aus der Scheun‘, / der ein schlüpft noch mal ins Bett - / da waren’s nur noch neun.“

Zehn kleine Weihnachtsmänner machen sich auf den Weg, um den Kinder die Weihnachtsgeschenke ins Haus zu liefern. Aber auf ihrem langen Weg durch die dunkle Nacht passiert so Einiges, was einen nach dem anderen Weihnachtsmann aus der Bahn wirft.

markus bundi, wirklichkeit im nachsitzenIn einer sarkastischen Einschätzung der Germanistik muss man natürlich die Freiheit von Forschung und Lehre loben. Da es sich bei der Germanistik aber in der Hauptsache um eine Wissenschaft handelt, die sich ausschließlich mit sich selbst beschäftigt, muss man ihr von Zeit zu Zeit Themen der Gesellschaft vorgeben, damit sie den Anschluss an die Welt nicht gänzlich verliert.

In Tirol hat man viel Geld ausgegeben, um einen Einheitsverlag zu forcieren, der die offizielle Politik literarisch unterstützt. Außerdem fließt viel Geld in die Nach- und Vorlässe, die natürlich Renditen abwerfen müssen. Wenn diese Kisten schon einmal herumstehen, sollen sich die Germanisten damit beschäftigen, damit sie nicht auf andere blöde Gedanken kommen.

elizabeth acevedo, poet x„Der Sommer ist dafür gemacht, / die Zeit auf Treppenstufen zu verbringen. / Seit die letzte Woche vor der Schule angebrochen ist, / öffnet Harlem dem September seine Augen. // Ich betrachte dieses Viertel, das ich schon immer mein Zuhause nannte“ (S. 9)

Die fünfzehnjährige dominikanische Jugendliche Xiomara Battista lebt im New Yorker Stadtteil Harlem und liebt die Poesie, mit deren Hilfe sie die Spannungen und Konflikte mit ihrer Familie und ihre erste Liebe zu bewältigen versucht.

friedrich hahn, sonja und die weißen schattenSchade, dass es im echten Leben keinen schnellen Vorlauf gibt! - Erwachsenwerden besteht vielleicht darin, die richtige Geschwindigkeit für das eigene Lebensvideo zu finden.

Friedrich Hahn führt seine Protagonisten meist an diese dünne Sollbruchstelle heran, die reißen muss, will man etwas vom Wirklichen erfahren. Erzähltechnisch nimmt er es mit dem Trash des Alltags auf und baut dabei therapeutische Sätze ein, die sowohl den Helden als auch dem Leser an entscheidender Stelle weiterhelfen.

asa lind, zackarina und der sandwolf„Zackarina wohnte zusammen mit ihrer Mama und ihrem Papa in einem Haus am Meer. Das Haus war klein, aber das Meer war groß, und im Meer kann man baden – auf jeden Fall im Sommer. Nun war es Sommer, sonnig und warm, und Zackarina wollte baden. Aber es gab ein Problem.“ (S. 7)

Die junge Zackarina lebt mit ihren Eltern in einem Haus am Strand. Sie ist voller Tatendrang und Neugier nur ihre Eltern haben wenig Zeit für sie. Entweder sind sie bei der Arbeit oder mit dem Lesen von Zeitungen beschäftigt. Das Leben scheint ihr langweilig und trist, bis sie eines Tages am Strand eine erstaunliche Entdeckung macht.

peter henisch, siebeneinhalb lebenDer Rentner-Roman ist zwar weit verbreitet, wird aber kaum als solcher kaum mit dem Mund ausgesprochen. Denn in der Literatur geht es oft um beratende Geschäfte, und wer will schon einem Kunden zumuten, dass er einen Rentner-Roman lesen soll. In der Literatur nämlich gibt es keine Rentner, da alle entweder schreiben, lesen oder was verkaufen.

Peter Henisch quälen solche Gattungs-Diskurse nicht, er nennt seinen Roman Siebeneinhalb Leben, und wenn man das Komma dabei richtig setzt, kommt ein Geburtstagsroman zum Fünfundsiebzigsten heraus. Und seine Romane sind immer deshalb aufregend, weil auf der Oberfläche fast nichts passiert, außer dass jemand sein Gesicht in die Gegend hält, aus dem Fenster schaut, eine Katze streichelt oder ein altes Bild updatet.

kathrin schärer, was steckt dahinterDie bekannte Schweizer Illustratorin und Kinderbuchautorin Kathrin Schärer geht der durchaus philosophischen Frage „Was steckt dahinter“ mit ihren eigenen Mittel und ihrem eigenen Blick für Humor nach.

Dabei wird die Frage durchaus wörtlich genommen und weckt damit die Neugier der kleinen aber auch großen Leserinnen und Leser.

Gleich zu Beginn steht auf einer einzelnen Seite, ganz groß die gewichtige Frage:
"Was steckt dahinter?"