Aktuelle Buchtipps

 

Christian Grataloup, Geogeschichte - Die Macht der Geografie in der Weltgeschichte

Andreas Markt-Huter - 03.12.2025

Christian Grataloup, Geogeschichte - Die Macht der Geografie in der Weltgeschichte„Dem vorliegenden Buch geht es um eine Synthese dieser beiden Perspektiven. Die erste, horizontale, ist die der Beziehungen zwischen Gesellschaften auf der Erdoberfläche, die der Grenzen und Konflikte, der Verbreitungen und Eroberungen. Die zweite, vertikale, ist die der Domestizierungen, des Bergbaus, der Reisfelder, der Verschmutzungen. Unsere Erzählung verknüpft beide, um mit den Füßen fest auf der Erde zu bleiben. Wir werden Meeresströmungen und Seefahrer kennenlernen, Berge, Wüsten und Eroberer, Bauern und zu kalte Winter …“ (S. 12)

Wie, in welchem Zeitraum und aus welchen Gründen ist die erstaunliche Verbreitung des Menschen über alle Regionen dieser Erde erfolgt und was waren die Ursachen für die unterschiedlichen Dynamiken und Entwicklungsgeschwindigkeiten von Gesellschaften? Diesen Fragen werden in Bezug auf ihre geographischen, klimatischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen und Veränderungen gestellt, um Ursachen und Wirkungen auf den historischen Verlauf der Menschheitsgeschichte nachzugehen. Dabei sollen die Erklärungsmodelle Werkzeuge der Geographie für das Verständnis der Vergangenheit fruchtbar gemacht werden. 

Kathleen Freitag, Toni Tintenklecks auf mäusischer Mission

Andreas Markt-Huter - 02.12.2025

Kathleen Freitag, Toni Tintenklecks auf mäusischer Mission„Mausgespannt harrte Toni hinter der alten Standuhr aus, deren klickendes Uhrwerk bald den Abend einläuten würde. Sein Schwänzchen zuckte vorfreudig im Takt des Pendels hin und her. Durch eine alte Brille, die Toni auf dem Dachboden gefunden hatte, guckte er hindurch.“ (S. 9)

Das kleine Mäuschen Toni Tintenklecks trägt seinen Namen wegen eines eigenartigen Flecks auf seinem Bauch. Dabei passt es zu seinem Namen, dass er als einzige Maus im Fliederweg Lesen und Schreiben kann. Toni lebt beim sehr alten Herrn Pantoffel, bei dem selbst seine Geräte wie Fernseher, Schreibmaschine und Plattenspieler aus vergangene Zeiten stammen. Auch wenn ihm die Welt draußen fremd ist, genießt er das Leben in der Wohnung mit seinen Freunden dem Marder Matti und der Motte Lotti. Als Herr Pantoffel umzuziehen plant, gerät die Idylle der drei Freunde ins Wanken.

Margit Weiß, Was man nicht sieht, ist doch da

h.schoenauer - 01.12.2025

Margit Weiß, Was man nicht sieht, ist doch daWenn eine zarte Pflanze verletzt wird, wächst sie geduckt und verwundet auf. – Diese Baumschulweisheit gilt erst recht für Kinder, die in Aufzucht-Institutionen rabiater Systeme unter die Räder gekommen sind. Margit Weiß erzählt vom zehnjährigen Hans Dakosta, der 1954 vom Unterricht abgeholt wird und ohne Wissen seiner Eltern in eine Erziehungsanstalt gesteckt wird. „Was man nicht sieht, ist doch da!“ – Diese Erfahrung, die der junge Held im Erziehungssystem der Tiroler Nachkriegszeit machen muss, wird zu einem leidvollen Leitsatz, mit dem der Held sich über Wasser zu halten versucht. Dabei ist auch diese Fügung schon wieder heimtückisch, denn im großen Schlafsaal der Anstalt spielt Bettnässen eine gewichtige Rolle.

Der Roman wird in elementaren Erziehungs-Sketches erzählt, die wie saure Halloween-Bonmots zu einer desaströsen Karriere aufgefädelt sind. Die einzelnen Kapitel sind jeweils um die Protagonisten angesiedelt, sodass sich die Möglichkeit ergibt, in das Innere der Bösewichte zu blicken, während sie ihren Frust am Helden abarbeiten.

Rudolf Kraus, wenn ich am morgen schon abends

h.schoenauer - 28.11.2025

Rudolf Kraus, wenn ich am morgen schon abendsLyrik ist immer auch eine Zeitmaschine, in den Gedichten geschieht geradezu selbstverständlich, dass etwas in die Zukunft gehoben wird, das noch gar nicht die Gegenwart erreicht hat. Rudolf Kraus überschreibt seine Gedichte mit dem schönen Zeitschieber-Satz: „wenn ich am morgen schon abends“. Das lyrische Ich scheint die Gedanken nachhaltig zu fassen, zumindest für einen ganzen Tag sollten sie Gültigkeit haben.

Mit dieser Tagesklammer zwischen „am Morgen und abends“ ist auch die Thematik abgesteckt, das lyrische Ich wirft den Tag an und lässt den Gedanken freien Lauf. In dieser lyrischen Zentrifugalkraft schleudert sich das Poetische erst in den Abend hinein, wodurch das Gedicht zu einem harmonisierenden Abschluss kommt.

Romy Pohl, Der Keinbock will doch!

Andreas Markt-Huter - 27.11.2025

Romy Pohl, Der Keinbock will doch!„Der kleinen Steinbock Hörnchen lebt auf dem Gipfel der Glückseligkeit. Er liebt seine Freiheit und pfeift auf Regeln. Hörnchen, sag doch mal Hallo! Kein Bock, kein Bock, kein Bock! Hört ihr? Ein echter Keinbock eben. Ich probiere es mal so: Hörnchen, hast du Lust auf eine Geschichte? Meine Geschichte? Au ja! Na gut, dann komm her und stell dich vor.“

Hörnchen hat ein großes Widerstreben gegenüber Vorschriften und Verboten. Er liebt seine Freiheiten und Regeln machen ihn ganz verrückt. Dabei gerät er immer wieder in Streit mit den anderen, die ihm vorwerfen, sich selbst das Leben schwer zu machen. Doch für Hörnchen geht mit den ständigen Verboten der Spaß im Leben verloren.

Werner Schandor, Flüchtiges Spiel

h.schoenauer - 26.11.2025

Werner Schandor, Flüchtiges SpielMarkante Buchtitel haben oft das Zeug dazu, unerwartet eine ganze Epoche zu beschreiben. Der Gesellschafts-Thriller „Flüchtiges Spiel“ fasst diese Verdunstung von Beziehungen, den oberflächlichen Umgang mit der Wahrheit und die Selbstauflösung von Regeln während des Spiels zu einer Stimmung zusammen, die über der Business-Welt Österreichs zu liegen scheint.

Werner Schandor verwendet für seine Analyse von Werbetricks, politischen Machenschaften, Casino-Mentalität und unverbindlichen Beziehungen einen Plot, der die Leser quasi von der ersten Seite an aus dem erwartbaren Muster einer prosperierenden Konsumwelt reißt.

Lena Frölander-Ulf, Wilma Wildpelz. Ein Murmeltier gibt niemals auf

Andreas Markt-Huter - 25.11.2025

Lena Frölander-Ulf, Wilma Wildpelz. Ein Murmeltier gibt niemals auf„Wilma spürt die Frühlingsfreude durch das Rückenfell strömen, aber sie spürt auch den Hunger, der in ihrem flauschigen Bauch rumort. Ihre Schnurrhaare glühen fast in der Sonne. Ihr ganzer Körper sehnt sich danach, endlich in diese saftige, saure Vogelbeere zu beißen. Wilma schließt die Augen. Das ist bestimmt mein letzter Frühling als freies Murmelmädchen, denkt sie.“ (S. 7)

Die Gefahren sind groß in der freien Natur. Fressen und gefressen werden sind Teil davon, das gilt auch für das Leben der kleinen Murmeltiere. Wer nicht schnell genug ist, einer Gefahr auszuweichen, wird schnell zur Beute eines Adlers oder anderen Feindes. Doch die Gesetze der Natur gelten schon seit undenklichen Zeiten und solange sich niemand mehr nimmt, als ihm zusteht, bleibt das Gleichgewicht erhalten.

Lotte Schweizer, Kalle Keks & Krümel – Die verzauberte Wichteltür

Andreas Markt-Huter - 24.11.2025

Lotte Schweizer, Kalle Keks & Krümel – Die verzauberte Wichteltür„Ob Julenisse, Jultomte oder Joulutonttu – in Skandinavien sorgen kleine Wichtelwesen schon lange für magische Weihnachten. Die Helferlein des Weihnachtsmannes ziehen bei den Familien ein und versüßen ihnen die Wartezeit auf das Fest, indem sie mit lustigen Streichen und süßen Aktionen für eine Menge Spaß sorgen.“ (S. 5)

Die Adventszeit steht vor der Tür und Lotte Schweizer bietet mit ihrem Wichtelbuch für jeden Tag bis Weihnachten unterhaltsame und fröhliche Wichtelgeschichten rund um die Weihnachtszeit. Dazu passend finden sich Briefe der Wichtel an ihre Leser und jede Menge Rezepte und Bastelanleitungen, die das Warten auf das Christkind versüßen.

Akram El-Bahay, Foxfighter - Angriff des Schattens

Andreas Markt-Huter - 22.11.2025

Akram El-Bahay, Foxfighter - Angriff des Schattens„Der junge Fuchs blickte dem Auto hinterher, das bald immer kleiner wurde, ehe es ganz aus seinem Blickfeld verschwand. Meinten sie das ernst? Er reckte die Nase in den Wind und versuchte, die Spur seiner Menschenfamilie auszumachen. Sie war noch da, ganz schwach. Doch der Wald hinter ihm schien den Duft der Familie überdecken zu wollen. Finn, so hieß der Fuchs, saß auf dem Fußweg vor den ersten Bäumen und roch Pflanzen und Tiere.“ (S. 7)

Finn wächst als junger Fuchs bei den Menschen auf. Als er ausgewildert wird, sieht er sich einer fremden und bedrohlichen Natur gegenüber. Zunächst wünscht er sich wieder zurück in die Forschungsstation am Rande des Waldes, wo er immer einen vollen Fressnapf vorgefunden hat. Nun plagt ihn der Hunger und er sieht sich gezwungen, selbst auf die Jagd zu gehen. Doch der Wald macht ihm Angst.

Udo Kawasser, tarquinia – gespräche mit schatten

h.schoenauer - 21.11.2025

Udo Kawasser, tarquinia – gespräche mit schattenLyrik sucht zwischendurch sogenannte lost places auf, worin sie mit den Augen einer überreizten Gegenwart in den Bildern abgeschlossenen Verfalls wühlt. Udo Kawasser siedelt sein Poem rund um die etruskische Stadt Tarquinia an, die neben den Gebilden der Gegenwart vor allem aus Ausgrabungen, Mythos, historischen Befunden und Artefakten des Totenkultes besteht. Wo immer eine lyrische Messstation im Gelände aufgestellt wird, versammelt sich sofort poetische Materie drum herum.

Das Projekt ist mit dem Untertitel versehen: „Gespräche mit Schatten“. Sobald die Sendequelle ihren fragenden Schall in die Vergangenheit richtet, reagieren diverse Echos, Zeitbrüche, Rotverschiebungen und mineralische Verwerfungen auf die anfragende Stelle.