Christian Grataloup, Geogeschichte - Die Macht der Geografie in der Weltgeschichte
„Dem vorliegenden Buch geht es um eine Synthese dieser beiden Perspektiven. Die erste, horizontale, ist die der Beziehungen zwischen Gesellschaften auf der Erdoberfläche, die der Grenzen und Konflikte, der Verbreitungen und Eroberungen. Die zweite, vertikale, ist die der Domestizierungen, des Bergbaus, der Reisfelder, der Verschmutzungen. Unsere Erzählung verknüpft beide, um mit den Füßen fest auf der Erde zu bleiben. Wir werden Meeresströmungen und Seefahrer kennenlernen, Berge, Wüsten und Eroberer, Bauern und zu kalte Winter …“ (S. 12)
Wie, in welchem Zeitraum und aus welchen Gründen ist die erstaunliche Verbreitung des Menschen über alle Regionen dieser Erde erfolgt und was waren die Ursachen für die unterschiedlichen Dynamiken und Entwicklungsgeschwindigkeiten von Gesellschaften? Diesen Fragen werden in Bezug auf ihre geographischen, klimatischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen und Veränderungen gestellt, um Ursachen und Wirkungen auf den historischen Verlauf der Menschheitsgeschichte nachzugehen. Dabei sollen die Erklärungsmodelle Werkzeuge der Geographie für das Verständnis der Vergangenheit fruchtbar gemacht werden.
„Mausgespannt harrte Toni hinter der alten Standuhr aus, deren klickendes Uhrwerk bald den Abend einläuten würde. Sein Schwänzchen zuckte vorfreudig im Takt des Pendels hin und her. Durch eine alte Brille, die Toni auf dem Dachboden gefunden hatte, guckte er hindurch.“ (S. 9)
Wenn eine zarte Pflanze verletzt wird, wächst sie geduckt und verwundet auf. – Diese Baumschulweisheit gilt erst recht für Kinder, die in Aufzucht-Institutionen rabiater Systeme unter die Räder gekommen sind. Margit Weiß erzählt vom zehnjährigen Hans Dakosta, der 1954 vom Unterricht abgeholt wird und ohne Wissen seiner Eltern in eine Erziehungsanstalt gesteckt wird. „Was man nicht sieht, ist doch da!“ – Diese Erfahrung, die der junge Held im Erziehungssystem der Tiroler Nachkriegszeit machen muss, wird zu einem leidvollen Leitsatz, mit dem der Held sich über Wasser zu halten versucht. Dabei ist auch diese Fügung schon wieder heimtückisch, denn im großen Schlafsaal der Anstalt spielt Bettnässen eine gewichtige Rolle.
Lyrik ist immer auch eine Zeitmaschine, in den Gedichten geschieht geradezu selbstverständlich, dass etwas in die Zukunft gehoben wird, das noch gar nicht die Gegenwart erreicht hat. Rudolf Kraus überschreibt seine Gedichte mit dem schönen Zeitschieber-Satz: „wenn ich am morgen schon abends“. Das lyrische Ich scheint die Gedanken nachhaltig zu fassen, zumindest für einen ganzen Tag sollten sie Gültigkeit haben.
„Der kleinen Steinbock Hörnchen lebt auf dem Gipfel der Glückseligkeit. Er liebt seine Freiheit und pfeift auf Regeln. Hörnchen, sag doch mal Hallo! Kein Bock, kein Bock, kein Bock! Hört ihr? Ein echter Keinbock eben. Ich probiere es mal so: Hörnchen, hast du Lust auf eine Geschichte? Meine Geschichte? Au ja! Na gut, dann komm her und stell dich vor.“
Markante Buchtitel haben oft das Zeug dazu, unerwartet eine ganze Epoche zu beschreiben. Der Gesellschafts-Thriller „Flüchtiges Spiel“ fasst diese Verdunstung von Beziehungen, den oberflächlichen Umgang mit der Wahrheit und die Selbstauflösung von Regeln während des Spiels zu einer Stimmung zusammen, die über der Business-Welt Österreichs zu liegen scheint.
„Wilma spürt die Frühlingsfreude durch das Rückenfell strömen, aber sie spürt auch den Hunger, der in ihrem flauschigen Bauch rumort. Ihre Schnurrhaare glühen fast in der Sonne. Ihr ganzer Körper sehnt sich danach, endlich in diese saftige, saure Vogelbeere zu beißen. Wilma schließt die Augen. Das ist bestimmt mein letzter Frühling als freies Murmelmädchen, denkt sie.“ (S. 7)
„Ob Julenisse, Jultomte oder Joulutonttu – in Skandinavien sorgen kleine Wichtelwesen schon lange für magische Weihnachten. Die Helferlein des Weihnachtsmannes ziehen bei den Familien ein und versüßen ihnen die Wartezeit auf das Fest, indem sie mit lustigen Streichen und süßen Aktionen für eine Menge Spaß sorgen.“ (S. 5)
„Der junge Fuchs blickte dem Auto hinterher, das bald immer kleiner wurde, ehe es ganz aus seinem Blickfeld verschwand. Meinten sie das ernst? Er reckte die Nase in den Wind und versuchte, die Spur seiner Menschenfamilie auszumachen. Sie war noch da, ganz schwach. Doch der Wald hinter ihm schien den Duft der Familie überdecken zu wollen. Finn, so hieß der Fuchs, saß auf dem Fußweg vor den ersten Bäumen und roch Pflanzen und Tiere.“ (S. 7)
Lyrik sucht zwischendurch sogenannte lost places auf, worin sie mit den Augen einer überreizten Gegenwart in den Bildern abgeschlossenen Verfalls wühlt. Udo Kawasser siedelt sein Poem rund um die etruskische Stadt Tarquinia an, die neben den Gebilden der Gegenwart vor allem aus Ausgrabungen, Mythos, historischen Befunden und Artefakten des Totenkultes besteht. Wo immer eine lyrische Messstation im Gelände aufgestellt wird, versammelt sich sofort poetische Materie drum herum.