irwanez, pralinen vom roten sternEin makabrer Stoff setzt sich erst in Romanen ab und dann in der Politik. So entsteht das Phänomen, dass Romane zuerst wie aus einer anderen Welt erscheinen und später zur allgemeinen Wirklichkeit werden, als ob sie in realiter verfilmt wären.

Oleksandr Irwanez, Mitglied der legendären ukrainischen Literatur-Gruppe BuBaBu, veröffentlicht 2001 den Roman „Mauer“ in einer Untergrundedition. Da ist die Ukraine noch unversehrt und zumindest geographisch ein von allen akzeptiertes Gebilde. Im Roman geht freilich eine Mauer durch die Stadt Riwne wie einst durch Berlin. Im Westen der Ukraine nämlich hat sich die WUR etabliert (Westukrainische Republik) und im Osten ist die Republik in ein großes Retro der Sowjet-Zeit gefallen. Der Roman erzählt also scharfsinnig prognostisch den Zustand von 2017, nur dass die Gebietsaufteilung seitenverkehrt ist.

Titelbild: Ingmar Gregorzewski, Das große Ritterbuch„Seit vielen Tagen regnet es. Wie aus Kübeln schüttet es auf uns herab. Mein Ritter Frank von Fidelstein und ich, sein Knappe Wolflieb, wir frieren, denn auch das nasse Feuerholz brennt nicht mehr. Und nur der verflixte Regen ist an allem schuld.“

Ritter Frank von Fidelstein hat schon bessere Zeiten gesehen. Die Burg liegt hoch in den Bergen und die Bauern erntet zu wenig, um dem armen Ritter etwas abzugeben. So macht sich der Ritter mit seinem jungen Knappen auf den Weg zur Festung Stolzenfels, wo der Herzog die Ritter des Landes zu einem großen Turnier eingeladen hat. Ritter Frank hofft das Turnier für sich entscheiden zu können und neben Ruhm und Ehre einen großen Preis zu gewinnen.

Christoph Hölzl, Architekturführer InnsbruckWas das Familienalbum für die Angehörigen ist, ist der Architekturführer für die Stadtbewohner. Hier können die Zeitgenossen jeweils nachschauen, wie die Geliebten und Geschätzten beisammen sind. Denn Gebäude sind nicht nur die dritte Haut des Menschen, sondern auch ein Gegenüber, mit dem man diskutiert, indem man es betritt.

Ein Team des Archivs für Baukunst an der Universität Innsbruck hat ein Nachschlage-Bilderbuch über Innsbruck herausgebracht, in welchem knapp dreihundert Gebäude, deren Architekten, Auftraggeber und Benutzer aufgeschlüsselt sind. In der Gebrauchsarchitektur geht es um Bauten der Gegenwart, Gebäude, die es in den Überlebenskanon geschafft haben, gehen naturgemäß Jahrhunderte zurück.

titelbild: Caroline Ronnefeldt, Quendel„Denn in Bullrichs opulenten Tabakschwaden war ein Entschluss herangereift, der im ganzen Hügelland, von Wetterstern bis hinter Bäumelburg und wieder zurück, schlichtweg als glatter Irrsinn bezeichnet worden wäre. Bullrich war auf dem Weg in den Finster.“ (19)

Das kleine Volk der Quendel lebt in einer beschaulichen hügeligen Landschaft, die von einem Fluss namens Kaltwasser durchzogen wird. Das Leben spielt sich in ländlichen, geselligen und beschaulich friedlichen Verhältnissen ab. Jeder weiß alles von seinen Nachbarn und wer ausgeht, lässt meist die Tür unversperrt zurück. Ein kleines Pfeifchen, Tee und Kuchen und geselliges Beisammensein gehört zu den beliebtesten Tugenden des kleinen Völkchens, bis auf den eigenbrötlerischen Bullrich Schattenbart, der lieber seinen eigenen Unternehmungen nachgeht.

hapkemeyer, glücksversprechenManche Bücher muss man durch einen klugen Titel so aufstellen, dass die Texte sofort in die richtige Richtung gehen. „Glücksversprechen“ könnte etwa eine Reise ins Helle, Warme, Harmonische sein, wenn sich der Leser das unter Glück vorstellt.

Andreas Hapkemeyer scannt seit seiner frühesten Jugend Texte, Landschaften, Bilder und soziale Strukturen, um daraus nach einer künstlerischen Transformation neue Gebilde, Projekte oder Ideen zu gestalten. In der Sammlung Glücksversprechungen sind Zeichnungen, graphische Elemente und Textfragmente zu einem plakativen Katalog zusammengestellt, der zuerst einmal staunen lässt und dann neugierig macht, was dahintersteckt.

Buch-Cover

Wer kennt nicht Charles Dickens berühmte Weihnachtsgeschichte "A christmas Carrol", in der ein kalter und herzloser Geschäftsmann noch rechtzeitig den Sinn der Weihnacht und der Nächstenliebe erkennen kann.

Der Tiroler Schriftsteller Felix Mitterer überträgt die Geschichte der reichen und kaltherzigen Ebenezer Scrooge mit viel Ehrfurcht vor dem Originaltext und sprachlichem Einfühlungsvermögen für ein junges Publikum ins Deutsche.

selma mahlknecht, das weihnachtskänguruDas kennt man ja von den diversen Überraschungsbesuchen aus der Vorweihnachtszeit: der Korb mit der Schokolade ist schon voll und auch die Keksschüsseln stehen bereits im Badezimmer. Selbst auf dem Handy ist kein Platz mehr für eine Geschenks-App, sodass man sich spontan für das „Weihnachtskänguru“ als Mitbringsel entscheidet, das passt immer.

Selma Mahlknecht hat aus ihrem Buch von der Lebkuchenstraße die interessantesten Weihnachtsgeschichten ausgekoppelt und mit den Illustrationen von Armin Barducci zu einer kleinen Stimmungs-Aufhellung verpackt. In der Bilderwelt dürfen die Accessoires durchaus einmal eine kleine Schramme haben wie eine gebrauchte Weihnachtskugel, die Stimmung bleibt feierlich, auch wenn die einzelnen Schneeflocken sich erst die Hand reichen müssen für eine Schneedecke.

aaron rosen, eine reise durch die kunst„Dieses Buch nimmt Dich mit auf eine abenteuerliche Weltreise durch die Zeit. Wir starten vor Zehntausenden von Jahren im Norden Australiens, reisen ins heutige Rio de Janeiro und kreuzen in der Zwischenzeit alle Kontinente (außer Antarktika).“ (6)

Aaron Rosen verbindet seine Reise durch die Kunst mit einer Reise durch die Weltgeschichte und die verschiedenen Kulturen. Dabei werden nicht nur die Kunstgegenstände selbst betrachtet, sondern auch das Umfeld, die Kultur, die Religion, politische Leben und die Lebensweiser der Menschen vor deren Hintergrund sich Kunst entwickelt und entsteht.

hubert flattinger_kindheit in höttingJede Stadt hat eine sogenannte Ur-Zelle, die als besonders authentisch und ungebrochen gilt. In Innsbruck nimmt Hötting dieses Privileg in Anspruch, und tischt dabei eine besonders deftige Sprache auf, womit die Grundbedürfnisse des Menschen mit beinahe tierisch-einfachen Lauten abgedeckt werden können. Wer sich am Bahnhof Hötting ein Ticket ausdruckt, wird über das international anspruchsvolle „Hotting“ erstaunt sein, es geht zumindest am Bahnhof heute noch heiß her in diesem Stadtteil.

Der Kinder- und Jugendbuchautor Hubert Flattinger inszeniert seinen Rundgang durch den Stadtteil seiner Kindheit mit einem Erinnerungsflash. Er trifft auf ein altes Gesicht, unter dem der Freund aus Kindheitstagen Willi verborgen ist. Und Willi erkennt im gealterten Gesicht des Erzählers jenen Popi mit dem er einst durch alle Zaunlöcher Höttings geschlüpft ist.

hubert flattinger, Die Spur führt in den Hühnerstall„Papa ist heute Morgen gut gelaunt. Fröhlich pfeift er zur Musik aus dem Radio und tänzelt zwischen Herd und Küchentisch herum. »Magst du auch ein Goggei zum Frühstück?«, will er von Paula wissen. Paula ist noch müde und reibt sich den Schlaf aus den Augen. »Ein Ei?«, fragt sie. »Was denn für eins?«“

Vater und Tochter machen sich zum Frühstück ein Ei, wobei es viele Möglichkeiten gibt, ein Ei zu machen. Paula entscheidet sich für ein Spiegelei. Während Papa die Pfanne reinigt schaut sich Paula beim Essen die Eierschale etwas genauer an und entdeckt merkwürdige Zahlen und Buchstaben. Sofort ist ihr Detektivsinn erwacht und sie beschließt mit Papa den geheimnisvollen Zeichen auf die Spur zu gehen.