Aktuelle Buchtipps

 

Katja Hemkentokrax, Felina Fingerhut und das verhexte Schwarze Loch

andreas.markt-huter - 03.01.2025

katja hemenkentorax, felina fingerhut„Die meisten Hexengeschichten beginnen mit einem Blick in eine magische Kugel, mit dem Ritt auf einem Zauberbesen oder mit einem bösen Fluch. Manche dieser Geschichten nehmen auch durch das Quaken eines verwunschenen Prinzen, das schrille Kichern einer buckligen Althexe oder das Schnurren einer nachtfarbenen Katze ihren Lauf. Diese Geschichte jedoch beginnt mit einem mächtig müden Paketboten – auch wenn ein schwarzer Kater in ihre durchaus eine Rolle spielen wird. (S. 7)

Die elfjährige Felina Fingerhut träumt davon eine Hexe zu sein und übt bereits auf dem Trampolin im Garten mit dem Besen das Fliegen. Felinas Mutter ist darüber alles andere als begeistert, befürchtet sie doch, dass sich Felina mit einem Besen auf dem Trampolin verletzen könne. Auch Felinas vermeintlicher Frühstücks-Zaubertrank aus Erdbeereis, zerdrückten Bananen, Milch, Vanillesirup, Schlagobers und Zuckerperlen sind nicht eben nach dem Geschmack der Mutter.

Hannes Hofinger, Die Leiche in der Löwengrube in St. Johann in Tirol

h.schoenauer - 01.01.2025

hannes hofinger, die leiche in der löwengrubeKrimi ist als Genre und Gesellschaftstreiben die am häufigsten verwendete Kategorie, um sich  purem Vergnügen oder Verbrechen hinzugeben. – Die literarische Sorte Krimi spendet unter Garantie einen Roman mit Handlung, der wegen seiner klugen Gliederung ein ständiges Absetzen und Wiederaufnehmen von Lektüre ermöglicht.

Da die meisten Krimis heutzutage mit KI geschrieben sind, wird es nicht mehr lange dauern, bis auch die Leser eine KI verwenden, um möglichst viele Krimis ohne Aufwand zu bewältigen.
Hannes Hofingers Krimi von „Der Leiche in der Löwengrube“ wird von zwei Zugängen gespeist:
  a) das Genre Krimi wird an die Grenze der Groteske und süffisanten Überschätzung geführt,
  b) das Treiben der Gemeinde wird als Hotspot krimineller Machenschaften gezeigt, die als Tagesgeschäft getarnt sind.

Anne-Kathrin Behl, Tiere im Schnee

andreas.markt-huter - 30.12.2024

anne-kathrin behl, tiere im schnee„Hast du schon entdeckt, wer sich hier im Schnee versteckt? Hirsche laufen hin und her, die Futtersuche fällt jetzt schwer. Schneehasen hoppeln blitzeschnell. Schau sie haben weißes Fell!“

Was gibt es schöneres, als mit kleinen Kindern gemeinsam ein Bilderbuch zu lesen, die Bilder zu betrachten und jedes kleinste Detail zu besprechen und das Ganze immer wieder zu wiederholen? Im Grunde nicht viel. Und wenn sich im Buch dann noch verschiedene Teile bewegen lassen, sind alle Sinne gleich befriedigt.

Margit Weiß, Maddalena geht

h.schoenauer - 27.12.2024

margit weiss, maddalena gehtJeder Auftritt kann das Ende oder den Anfang bedeuten. – Jenseits aller Geschichtsschreibung sind es die Hebammen, die in einem Tal das Leben auf die Welt bringen oder den Tod dokumentieren.

Margit Weiß erzählt am Beispiel der historisch abgesicherten Biographie der Hebamme Maddalena Decassian, wie um 1900 ladinische Täler eher einer Sagenwelt verpflichtet sind als einer aufgeklärten Notwendigkeit, die Wahrheit auch einmal in Echtzeit auszusprechen.

Zu Beginn rast gleichsam die Hebamme von einer Geburt zur nächsten, meist geht alles zumindest biologisch gut, manchmal gilt es auch, ein totes Kind zu vermelden getreu einer alten Hebammenweisheit: „Du musst aufhören, den Tod und das Leiden zu bekämpfen. Sie sind stärker als du.“ (245)

Sabi Kasper, Mimi Medusa – Ohne Magie klappt Schule nie

andreas.markt-huter - 25.12.2024

sabi kasper, mimi medusa„Mimi Medusa lässt sich vom Klettergerüst baumeln. Kopfüber, mit geschlossenen Augen. Die Schlangen auf ihrem Kopf schaukeln entspannt vor und zurück. So verbringt Mimi am liebsten die große Pause auf Burg Wundersam, der Schule für magische Geschöpfe.“ (S. 4)

Mimi Medusa besucht mit ihren Freunden die Schule für magische Geschöpfe auf Burg Wundersam. Zu den außergewöhnlichen Mitschülern zählen auch ihre beiden Freunde Ziggy Zyklop und der Gnom Giselbert aber auch ihre schärfsten Rivalen beim Monsterball Vito Vampir, Eli Elfe und der kleine Werwolf.

Mimi und ihrer Freunde lieben es in der großen Pause Monsterball zu spielen, dabei wird der Gnom Giselbert zum Giselball, den die beiden Mannschaften von einem Startfeld aus in eine von drei Ecken bringen müssen. Mimi ist es noch nie gelungen gegen Vito Vampir und seine Mannschaft zu gewinnen, vor allem, weil Vito immer einen gemeinen Trick auf Lager hat.

Michael Stavarič, Die Suche nach dem Ende der Dunkelheit

h.schoenauer - 22.12.2024

michael stavaric, die  suche nach dem ende der dunkelheit„Wir verhielten uns wie Grasbüschel, die überall dort auftauchten, wo es ihnen gefiel. In den Fugen zwischen den Betonplatten.“ (27)

Michael Stavarič gilt als Meister fragiler Texte über das vergebliche Heimisch-Werden zwischen Orten und Kulturen. Nach seiner Theorie kann ein Individuum noch innerhalb des Ortsschildes zu einem ausgestoßenen Wesen werden, während es andererseits an einem Ort, an dem es noch nie gewesen ist, bodenständig werden kann. Diese migrantische Bewegung gilt auch für literarische Genres. Der Autor ist überall zu Hause und doch nirgends sesshaft abgelegt.

Die Gedichte sind selbst Fabelwesen der Literatur, wenn sie von einem „Wir“ berichten, das in erster Linie einen getragenen, suchenden Ton vor sich herschiebt. Diesen Kommentar-Ton kennen wir aus Reisedokumentationen im Fernsehen, wenn Redakteure sich auf fremden Hochzeiten in entlegenen Ländern mit Einheimischen verbünden, um im kollektiven Wir zu berichten, dass auf Reisen alle optimistisch gelaunt sind.

Jane Austen / Claudia Kühn, Stolz und Vorurteil

andreas.markt-huter - 21.12.2024

jane austen, stolz und vorurteil„Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau …“ (S. 4)

Jane Austens Klasser „Pride and Prejudice“ (Stolz und Vorurteil) zählt zu den großen Klassikern der englischen Literatur, der auch durch zahlreiche Verfilmungen weltweite Bekanntheit erlangt hat. Nun liegt das Werk als Gaphic Novel vor, in der die englische Gesellschaft des beginnenden 19. Jahrhunderts, das Leben Familie Bennet und die Liebesbeziehung zwischen der aus dem niederen wenig begüterten Adel stammenden Elizabeth Bennet und dem reichen Fitzwilliam Darcy zum Leben erwachen.

Während Vater Bennet sein Leben als Rentier am liebsten ungestört mit Lesen verbringt, bildet für Mutter Bennet die Verheiratung ihrer fünf Töchter Jane, Elizabeth, Mary, Kitty und Lydia den Mittelpunkt ihres Handelns. Grund dafür ist, dass es sich beim Familiengut um ein Fideskommiss handelt, das nach damaligem Erbrecht nur ungeteilt an den nächsten männlichen Verwandten weitergegeben werden darf. Den weiblichen Mitgliedern der Familie Bennet droht nach dem Tod des Vaters somit ein Sturz in die Armut, der nur durch eine vermögende Heirat der Töchter verhindert werden kann.

Eleonore Weber, Landkarte im Maßstab 1:1

h.schoenauer - 20.12.2024

elonore weber, landkarte im maßstab 1 zu 1Die größte Glaubwürdigkeit über die Verfasstheit einer Botschaft, Nachricht oder Erzählung erweckt die Zauberformel 1: 1. Nicht nur vor Gericht erweckt eine Aussage große Authentizität, wenn sie angeblich im Maßstab 1:1 wiedergegeben wird, auch in der Weltliteratur erreicht die Glaubwürdigkeit beim Erzählen ihren Peak, als Jorges Luis Borges von einer Landkarte 1:1 spricht, die durch ihre Maßzahl an Genauigkeit nicht übertroffen werden kann. Von dieser Überlegung leitet sich auch die These ab, dass die ideale Bibliothek eins zu eins der Welt entsprechen müsse, um sie abzubilden.

Eleonore Weber erweitert diesen Gedankengang mit ihrer Sammlung von zwölf Geschichten, die diesem magischen 1:1 unterworfen sind. Eine ideale Erzählung gleicht daher in ihrer Dauer dem erzählten Stoff, eine darin eingewobene ideale Zeichnung entspricht in Größe und Schraffur dem abgezeichneten Original, und auf der Netzhaut sollten Land und Karte den gleichen Reiz für das Gehirn auslösen.

J.K. Rowling, Der Ickabog

andreas.markt-huter - 19.12.2024

j.k. rowling, der ickabog„Es war einmal ein kleines Land, das hieß Schlaraffien und wurde seit Jahrhunderten von einer langen Reihe von Königen mit blondem Haar regiert. Zu der Zeit, von der ich hier schreibe, herrschte König Fred der Furchtlose.“ (S. 11)

Der eitle und selbstsüchtige König Fred von Schlaraffien erwartet eines Tages den Besuch des Nachbarkönigs an seinem Hof. Um besonders schön gekleidet zu sein, soll ihm seine schwerkranke Schneiderin eine neue Kleidung anfertigen. Sie stirbt an Erschöpfung und den König plagt sein schlechtes Gewissen. Niemand ahnt, welch tragische Geschichte sich daraus entwickeln wird.

Der Oberratgeber des Königs namens Fischgrät unterstreicht die Schuldgefühle des Königs, während seine skrupellosen Freunde Lord Spuckelwert und Lord Schlabberlot der Schneiderin selbst die Schuld für ihren Tod geben. Der König ist froh, sich nicht weiter mit dem Tod der Frau belasten zu müssen.

Heiner Flassbeck, Grundlagen einer relevanten Ökonomik

andreas.markt-huter - 17.12.2024

heiner flassbeck, grundlagen einer relevanten ökonomik„Die ökonomische Lehre ist wie ein gewaltiges Labyrinth mit nahezu unendlich vielen Wegen, die ins Nichts führen. Das macht es so mühsam. Wer schnell einmal hindurch will, um das ganze Gebilde wieder in Ruhe von außen betrachten und beurteilen zu können, hat keine Chance. Nur wer die Geduld aufbringt, eine Sackgasse nach der anderen abzuarbeiten, kommt durch und vermag am Ende eine neue Schneise zu schlagen, die den Nachfolgenden die Möglichkeit gibt, schneller ans Ziel zu kommen.“ (S. 9)

Heiner Flassbeck fasst in diesem Grundlagenwerk seine Forschungen zur Ökonomik in einem ebenso kompakten wie verständlichen und lesenswerten Sachbuch zur Makroökonomik zusammen. Ausgehend von einem historischen Vergleich und einer Kritik der bisherigen ökonomischen Theorien der letzten 200 Jahre, entwickelt er einen eigenständigen Ansatz einer Ökonomie, die sich vor allem an den realen Verhältnissen und Auswirkungen orientiert.