tomas venclova, der magnetische nordenÄhnlich dem politischen Adel, dessen Hauptaufgabe darin besteht, untereinander zu heiraten und geheimnisvolle Feste auszurichten, die von einer Kronen-Presse begleitet werden, gibt es auch einen literarischen Adel. Seine Aufgabe besteht in der internationalen Vernetzung, dem Abklappern diverser Lehrstühle und der Weitergabe von Insider-Namen an Verlage quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Tomas Venclova ist vielleicht so ein Literatur-Adeliger, seine Leistung ist überschaubar, 240 Gedichte und drei Stadtführer über Vilnius, aber sein Herumflippen zwischen Vilnius, Moskau und Berkley ist sehenswert. Sein Lebensmotto ist das angenehme Exil.

Michael Ende / Wieland Freund, Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe„»Du müsstest ganz allein und ohne fremde Hilfe ein möglichst gefährliches Verbrechen begehen – und das willst du doch bestimmt nicht.« »Doch«, antwortete Knirps, »wird gemacht. Was soll ich zum Beispiel tun?« (S. 37)

Dem jungen Knirps, der eigentlich Hastrubel Anaximander Chrysostomos heißt, ist Angst unbekannt, weshalb er auch nicht zwischen Gut und Böse zu unterscheiden vermag. Aus diesem Grund verlässt Knirps heimlich eines Nachts kurzerhand den Puppentheaterwagen seiner Eltern, um sich auf den Weg zum gefürchteten Raubritter Rodrigo Raubein zu machen, von dem er das Bösen kennenlernen will.

johannes voskuil, Das Büro 5Ein gigantisches Romanwerk im Ausmaß von über fünftausend Seiten fordert vor allem den Autor, der alles unternehmen muss, um nicht während des Romans zu versterben. Und Unsterblichkeit ist auch vom Übersetzer verlangt, dass er nicht aufgibt. Ein Gigawerk fordert Verlagswesen und Buchhändler heraus und schließlich die Leserschaft. Ein Wahnsinnswerk bringt überhaupt alle an ihre Grenzen.

Johannes J. Voskuil erzählt im „Büro“ die Geschichte der Niederlande zwischen 1957 und den beginnenden 1990er Jahren. Archiv, Forschungsstätte und Weltraumbahnhof der Fiktionen ist dabei ein Volkskundeinstitut, das alles von Sprache, über Gartenzwerge bis hin zu Musik und Lagerfeuern erforscht. Ziel ist es, von der Peripherie her und vom flachen Land aus in die Zentren großer Gedankenentwürfe vorzudringen.

irmgard kramer, 17 erkenntnisse über leander blum„Die Vollendung unseres Masterpieces lag zum Greifen nah. Mehr als ein Jahr Vorbereitung, unzählige Sketche, in jeder freien Minute waren wir über Papier gebeugt gewesen und hatten gekritzelt und gezeichnet, alle wieder auf den Kopf gestellt und von vorne begonnen. Jonas war ein Tüftler. Der gab sich so schnell nicht zufrieden.“ (S. 7)

Jonas und Leander sind beste Freunde und seit ihrer Geburt im selben Krankenhaus, am selben Tag eng miteinander verbunden. Ihre Leidenschaft ist das Malen von Graffitis, die unter ihrem Künstler-Tarnnamen „BLUX“ an allen möglichen Orten in Wien zu entdecken sind. Als sich Leander in „Rapunzel“, die zu einer anderen Gruppe von Graffiti-Sprayer gehört verliebt und Jonas ein Märchen vom chinesischen Pinsel entdeckt, geraten die Dinge aus dem Ruder.

jürgen becker, graugänse über torontoIm Idealfall findet ein Mensch für den Verlauf seines Lebens ein Bild, mit dem er sich durch fremdes Gelände fragen kann, und welches ihn gleichzeitig unverwechselbar macht.

Jürgen Becker hat sich dazu entschieden, die Verdichtung seines Lebenswerkes zu einem Journalgedicht unter das Bild „Graugänse über Toronto“ zu stellen. Vielleicht ist diese Montage von Zugvögeln über einer Stadt das ideale Motiv, fliehend und standfest eine Position einzunehmen.

gloria jasionowski, piano kleiner piet„Wie schön hell die Sterne leuchten! Kein Wunder, dass Piet nicht einschlafen kann. Verträumt summt er ein Schlaflied. Auf einmal fühlt sich das Bett so weich und kuschelig an! Alles dreht sich, ganz so, als würde er auf einer Wolke schweben …“

Der kleine Piet ist eingeschlafen und als er seine Augen wieder öffnet, findet er sich im Wohnzimmer unter einem Klavier wieder. Er turnt auf dem Klavier herum und wünscht sich, dass ihm das Instrument ein schönes Schlaflied vorspielen könnte.

hans-jürgen pandel, historisches erzählen„Vor lauter Problemorientierung hat der Geschichtsunterricht die Erzählfähigkeit von Geschichte eingebüßt und die Förderung der narrativen Kompetenz der Schülerinnen und Schüler vernachlässigt.“ (S. 9)

Hans-Jürgen Pandel setzt sich mit dem Erzählen als ureigenste Form der historischen Darstellung auseinander, die im Geschichtsunterricht in den Schulen heute praktisch keine Rolle mehr spielt. Dabei geht die Erkenntnis verloren, wie aus Ereignissen Geschichte, wie aus Beschreibungen von Ereignissen Geschichtsschreibung wird.

megawissen natur„Das Leben auf der Erde entstand vor mehr als 3,7 Milliarden Jahren. Aus den ersten Organismen entwickelte sich eine unglaubliche Vielfalt von Lebensformen – von Einzellern, Pilzen und Pflanzen bis hin zu Fischen, Amphibien und Säugetieren. Alle Lebensformen teilen einige gemeinsame Eigenschaften.“ (S. 8)

„Mega-Wissen. Natur“ ist ein umfangreiches Kindersachbuch zum Thema Leben und Natur, dessen Spektrum sich in zehn umfangreichen Kapiteln von den Grundlagen des Lebens über Mikroorgansimen, Pflanzen und wirbellose Tiere bis hin zu den Vögeln und Säugetieren erstreckt.

volker leppin, die fremde reformation„Dass Luther als Mensch des Mittelalters aufwuchs, daran zu denken fällt nicht leicht, wenn er immer wieder als Begründer der Neuzeit beschworen wird, erst recht im Vorfeld des Reformationsjubiläums.“ (S. 9)

Die Reformation wird immer wieder als große Zäsur für den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit betrachtet. Wie sehr Martin Luther mit seinem Glauben und Denken dennoch dem Mittealter verhaftet geblieben ist, zeigt Volker Leppin überaus anschaulich und beredt in seiner fundierten Monographie „Die fremde Reformation“.

Richard Dübell, Viking Warriors„Jeder Nordmann war bereit, dem Drachen seine Waffen entgegenzuschleudern, aber sie hielten alle inne. Mit einer Geschwindigkeit, die bei einem so riesigen Wesen atemberaubend wirkte, beugte Fafnir den Kopf und brachte ihn ganz nahe an Viggo heran.“ (S. 53)

Nachdem es Viggo gelungen ist als Chronist Leif Erikson und seine Mannschaft auf der Suche nach einem Land im Westen zu begleiten, treffen sie nach der Abfahrt ihres Schiffes die „fröhliche Schlange“ aus Grönland wieder auf Thyra, die sich ihnen mit einem kleinen Boot wagemutig in den Weg stellt, um mit auf die Reise genommen zu werden.