jenn lyons, der untergang der könige»Erzähl mir eine Geschichte.« Das Ungeheuer machte es sich vor den eisernen Gitterstäben von Kihrins Kerkerzelle bequem. Sie legte einen scheinbaren kleinen Stein vor sich auf den Boden und stieß ihn in seine Richtung“ (S. 19)

Der 16-jährige Kihrin sitzt in einer Zelle gefangen und wird von Klaue, einem gefährlichen Monster in Frauengestalt, bewacht. Er wartet auf seinen Prozess und Klaue zwingt ihn zum Zeitvertreib die Geschichte seiner Flucht aus einem Sklavenmarkt zu erzählen. Dabei wechseln sich Kihrin und Klaue als Erzähler ab und Klaue erzählt Kihrins Vorgeschichte, die sie aus den Erinnerungen der von ihr getöteten Freunde Kihrins gesaugt hat.

bernard mandeville, streitschrift für öffentliche FreudenhäuserWer muss da nicht zugreifen: ein Buch mit Lesebändchen, saftig-erotischem Stich im Umschlaginneren und draußen am Pergament-goldenen Cover die herausquellenden Worte „Versuch über die Hurerei“!

Der Limbus-Verlag stellt immer wieder geheimnisvolle Aufklärungsbücher vor, sie sind meist dreihundert Jahre alt und werden der „klandestinen Literatur“ zugezählt. Damit sind Bücher gemeint, die man seit Jahrhunderten unter der Tuchent liest, und zu denen man fallweise wie bei der Hurerei befreiende Sex-Bewegungen macht.

jutta richter, das geheimnis der papierschirmchen„Wenn Moritz und ich in diesem heißen Sommer in der großen Pause über den Schulhof gingen, dann tat sich jedes Mal vor uns eine Gasse auf, denn niemand wollte uns berühren. So viel hatte Zoe Sodenkamp mit ihrem Geschwätz schon erreicht.“ (S. 8)

Die beiden Geschwister Merle und Moritz leiden unter dem ständigen Mobbing von Merles Mitschülerin Zoe Sodenkamp, der es gelingt, böse Gerüchte über ihre Kinderfrau Gesine Wolkenstein in der Schule zu verbreiten.

josiah gilbert, die entdeckung der dolomitenDie Dolomiten gelten mittlerweile als über-erschlossenes Touristengebiet, das an manchen Tagen so von Menschen überwuselt ist, dass nichts mehr vom „bleichen Stein“ zu sehen ist, wie der Dolomit vor seiner Entdeckung durch Dolomieu 1789 geheißen hat. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass dieses Gebirge einmal leer und wild gewirkt hat wie heute vielleicht der Kaukasus.

„Die Entdeckung der Dolomiten“ ist ein Klassiker und Welterfolg. Der Band von Gilbert und Churchill stammt aus jener romantischen Zeit, als die Schweiz als Bergsteigerland entdeckt ist und man sich in gehobenen englischen Kreisen daranmacht, weitere wilde Gebiete zu besuchen und vor allem zu besteigen.

renate habinger_ich brauche ein buch„»Mir reichts!«, sagt Rotto laut, obwohl er ganz allein ist. »Ich möchte jetzt endlich etwas in meiner Lieblingsfarbe stricken!« Aber in welchem Muster und was soll daraus werden? Sanft streicht er über die Knäuel in Kornblumenblau und Himmelblau, in Indigo und Ultramarin. Ein bisschen wunderbar muss es werden, das weiß Rotto ganz genau.“

Rotto liebt es zu stricken, ganz besonders mit Wolle in seiner Lieblingsfarbe Blau. Er will endlich etwas anderes als ständig nur Socken stricken und macht sich auf den Weg in die Baumbücherei, um nach neuen Strickideen zu suchen.

tobias steinfeld, scheiße bauen„Heute ist der erste Tag vom Schnupperpraktikum. Blöderweise habe ich es verrafft, mich um einen Platz zu kümmern, also bekam ich einen zugewiesen. Während meine Mitschüler Kanzlei-, Praxis-, Agentur- oder Sparkassenluft schnuppern, muss ich in die Förderschule nach Röhrbach. Das ist am anderen Ende der Stadt.“

Nicht nur, dass Paul ständig unentschuldigt zu spät kommt, er auch noch faul und stolz darauf. Seine Faulheit trägt auch Schuld daran, dass er es verabsäumt hat, sich wie alle anderen Mitschüler um einen gewünschten Platz für ein Schnupperpraktikum zu bemühen und stattdessen für drei Wochen als Praktikant einer Förderschule zugewiesen worden ist.

michaela hinterleitner, räuber der meereIn den Sehnsuchtsvorstellungen vom Meer liegt im Unterbewusstsein meist noch etwas brach: Raubfische, Raubtiere, Seeräuber, Raubbau an der Natur.

Michaela Hinterleitner versammelt diese Störungen im weiten blanken Meer mit den Zustandsbeschreibungen „verbissen, vertieft, verschwommen und vernetzt“. Diese vier Zustände sind auch an Land verwendbar, diese vier Zustände sind vielleicht die Windrichtungen, in die unser Gemeinwesen täglich verblasen wird.

enne koens, ich bin vincent„Auf meiner Flucht hierher bin ich über Äste gestolpert und in Kuhlen gefallen. Meine Sachen sind durchnässt von dem Laub und den Farnblättern, die gegen mich schlugen, meine Hände sind völlig zerschrammt. Ich bin allein, und wenn ich ehrlich bin: Ich habe Angst.“ (S. 6)

Der elfjährige Vincent fühlt sich als Außenseiter, der schon seit längerer Zeit intensiv von Mitschülern seiner Klasse gemobbt wird. Auf einer viertägigen Klassenfahrt in den Wald in den belgischen Ardennen kommt es schließlich zum Eklat.

sebastian vogt, zwei brüderIn fast allen Genres sind Brüder-Paare ein ideales Experimentier-Feld, um zu untersuchen, was genetisch, soziologisch und psychologisch ablaufen muss, dass sich der eine in diese und der andere in jene Richtung entwickelt.

Gerade in der bürgerlichen Literatur zeigen Brüder immer, wie knapp das Gute und das Böse beisammen liegen. Und seit den Brüdern Heinrich und Thomas Mann haben wir es schwarz auf weiß, dass die wahre Literatur über allen politischen Gegebenheiten steht, gute Literatur ist einfach gut und sonst nichts.

erwin moser, billi die baummaus„Billi, die Wandermaus, ist immer unterwegs. Sie sucht ein neues Zuhause. »Ja, hier gefällt es mir!«, denkt Billi und setzt sich ans Ufer des Teiches. »Die Landschaft hier ist schön!«“ (S. 8)

Die jungen Leserinnen und Leser begleiten die kleine Baummaus Billi auf ihren Streifzügen durch die vier Jahreszeiten und erleben mit ihr, zahlreiche unterhaltsame Ereignisse, fröhliche Begegnungen und spannende Abenteuer.