Aktuelle Buchtipps

 

Elias Hirschl, Schleifen

h.schoenauer - 30.03.2026

Elias Hirschl, Schleifen„Franziska Denk hatte die Pest. Schon wieder.“ – Ein Start wie die Pest! Elias Hirschl pusht den Roman „Schleifen“ hinein in das Langzeitgedächtnis der Leser, in diesem fulminanten Pest-Satz ist letztlich der ganze Roman angelegt wie eine DNA-Scheibe für das dazugehörende Individuum.

Franziska Denk, nomen est omen, ist die Datenträgerin für einen Denkprozess, der vorgeblich von der Philosophie des Wiener Kreises angeschoben ist, in der literarischen Wirklichkeit aber als grandios-groteskes Gedankenexperiment über die Sprache ankommt.

Brian Freschi, Lady Gwens geheimes Detektivbüro

Andreas Markt-Huter - 28.03.2026

Brian Freschi, Lady Gwens geheimes Detektivbüro„Gwen hatte ein Problem, und zwar ein großes. Eigentlich hatte sie sogar zwei große 
Probleme, die zusammen zu einem Riesenproblem wurden. Problem Nummer 1: Sie langweilte sich. Sie langweilte sich ganz fürchterlich! Problem Nummer 2: Sie war wütend, weil sie es hasste, sich zu langweilen. Riesenproblem: Wut und Langeweile zusammen machten ihr entsetzlich schlimme Kopfschmerzen!“ (S. 10)

Die neuneinhalb Jahre alt Gwen Grey hat es nicht leicht in ihrer versnobten und reichen Familie mit einem Vater, der die Jagd liebt und gerne hochnäsig vor sich hin grinst, einem ältesten Bruder der fünf Sprachen spricht, einem zweiten Bruder, der zum Zeitvertreib Gemälde sammelt, einem dritten Bruder, der als Cricket-Champion das Pferderennen liebt und einer verschrumpelten Gouvernante, die alle Kinder hasst.

Hannah K Bründl, schilfern

h.schoenauer - 27.03.2026

Hannah K Bründl, schilfernRare Wörter werden in der Lyrik manchmal aufgegriffen, neu aufgeladen und anschließend wieder ins Sprachgeschehen zurückgeworfen. So können zwischendurch Wörter recycelt und vor dem Aussterben bewahrt werden.

Hannah K Bründl (ohne Punkt im Zwischen-K) rettet mit dem Gedichte-Band „schilfern“ ein intimes Wort vor dem Untergang. Dieser Ausdruck für das „Abschilfern in kleinen Hautschuppen“ ist zudem nur regional im Einsatz, sodass es keine großen Schilfern-Erfahrungen am Kontinent gibt. Das ist aber auch nicht notwendig, denn die Autorin widmet sich jenem Bereich von „Liebe“, welcher für Frauen und weiblich gelesene Personen durchaus in Gewalt und Desaster enden kann.

Sarwat Chadda, Storm Singer

Andreas Markt-Huter - 26.03.2026

Sarwat Chadda, Storm Singer„Mein Drachen war etwas Besonderes. Wendiger als ein Falke, stärker als ein Adler und schillernder als ein Eisvogel. Er beherrschte den Himmel. Er war mehr als nur ein Drachen: Er war ein Himmelskrieger. Ein Patang. Die Sonne war gerade erst aufgegangen, und über der Wüste flirrte die Hitze. Ich saß so bequem wie irgend möglich im Schatten der raschelnden Blätter unseres großen alten Feigenbaums neben dem aus Steinen aufgetürmten Schrein meiner Eltern.“ (S. 13)

Vor sechs Jahren hat sich die zwölfjährige Nargis so schwer am Bein verletzt, dass sie für immer Krücken brauchen wird. Nach dem Tod ihrer Eltern lebt sie bei ihrem Großvater auf einer kleinen Farm in einer alten Hütte aus Lehmziegeln. Nargis ist sich sicher, dass ihre Eltern von den Garudas, dem herrschenden Volk mit Flügel und Fußkrallen, ermordet worden ist. Nargis ist eine Storm-Singerin und besitzt die Fähigkeit durch ihr Geistersingen die Elemente zu beeinflussen. Nur kann sie die konkreten Auswirkungen nicht immer kontrollieren, weil sich die Geister nichts befehlen lassen.

Paul Rösch / Patrick Rina, Wilde Jahre. Tourismus in Südtirol 1961–1983

h.schoenauer - 24.03.2026

Paul Rösch / Patrick Rina, Wilde Jahre. Tourismus in Südtirol 1961–1983„Eine Sennerin fährt auf einem Einersessellift über eine Liftstütze, auf der am Weg zur Alm auf französisch und englisch gewarnt wird: Please keep still!“ Diese Idylle aus dem Gadertal 1960 stimmt in „Wilde Jahre. Tourismus in Südtirol 1961–1983“ ein, eine Oral-history über Bruch und Aufbruch in Südtirol.

Paul Rösch, Jahrgang 1954, und Patrick Rina, Jahrgang 1987, beleuchten die frühen Jahre der Selbstfindung des Landes und die Entwicklung hin zu einer prosperierenden Wirtschaftsmacht. Beide Jahrgänge dokumentieren die Hauptbetroffenen des Tourismusbooms, der sich quasi von Kindheit an in die Psyche der Betreiber und Dulder hineingefressen hat.

Raimund Bahr, In der Zeit, die kommen wird

h.schoenauer - 23.03.2026

Raimund Bahr, In der Zeit, die kommen wirdEine Revolution bringt einen nicht weiter, selbst wenn sie gelingt, steht man immer noch am gleichen Fleck und schaut bloß in eine andere Richtung.

Raimund Bahr beginnt seine Eintragung im aktuellen Journal mit einer Überlegung als braver Staatsdiener. Zwar darf er mit Hingabe die revolutionären Schriften Bakunins lesen, aber als staatstreuer Unterrichter ist er verpflichtet, die Jugendlichen System-tauglich in die Zukunft zu führen. Dabei liegt ein großer Widerspruch zwischen dem, was an hehren Zielen in den Lehrplänen steht, und dem, was im Alltag zählt, nämlich die kapitalistische Ordnung mit dem permanenten Geldfluss von unten nach oben nicht zu stören.

Florian Fuchs, Auf den Spuren mythischer Tierwesen

Andreas Markt-Huter - 23.03.2026

Florian Fuchs, Auf den Spuren mythischer Tierwesen„Alles beginnt mit einer unverhofften Idee. Ein Knistern. Einer Laune der Gedanken. Fabelwesen! Jeder hat schon mal von ihnen gehört, sei es in Geschichten, Büchern oder einem der zahlreichen Filme, in denen sie mitspielen. Doch was wäre, so frage ich mich, wenn sie mehr als das Resultat menschlicher Vorstellungskraft sind? Mehr als Feuer speiende Ungetüme oder schattenhaften Traumgestalten aus Mythen und Legenden? Wäre diese Möglichkeit es dann nicht wert, ihr nachzugehen?“ (S. 9)

Florian Fuchs entführt seine Leserinnen und Leser in die Welt der Mythologie und ganz speziell in die Welt der mythischen Tierwesen, wie sie in allen Teilen der Welt zu finden sind. Vom Lindwurm, dem Wolpertinger über dem Zerberus, dem Einhorn bis zum Quilin und dem Donnervogel führt die Reise rund um die Welt, von Europa und Afrika bis Asien und Amerika.

Judith Burger, Opas Herz

Andreas Markt-Huter - 21.03.2026

Judith Burger, Opas Herz„»Was hat Opa für eine Krankheit?«, fragt Hans während der langen Fahrt. »Hat er einen Verband? Kann er laufen? Muss er eklige Medizin nehmen?« Mama sitzt am Lenkrad, sie schweigt und zieht die Nase hoch. Papa dreht sich zu Hans um und sagt: »Opa muss bestimmt Medizin nehmen. Weil Opas Herz gestottert hat.« Hans weiß nicht, wie das ist, wenn ein Herz stottert. Ein Herz kann ja nicht sprechen. »Hoffentlich wird alles wieder gut«, sagt Mama leise.“ (S. 4 f)

Hans‘ Opa hatte einen Herzinfarkt und liegt im Krankenhaus. Hans fährt mit Mama und Papa zu Oma, um Opa zu besuchen, dem es nicht besonders gut geht. Während Papa Hans erklärt, dass Opas Herz gestottert hat, erzählt ihm Oma, dass Opas Herz gestolpert sei. Auch wenn sich Hans über Opas Krankheit nicht im Klaren ist, freut er sich darauf, ihn mit Oma im Krankenhaus zu besuchen.

Helwig Brunner, abdruck in weicher masse

h.schoenauer - 20.03.2026

Helwig Brunner, abdruck in weicher masseNoch vor dem Aufschlagen des Gedichtbandes löst der Titel schon erste Bilder und assoziative Aufregungen aus. ‒ Handelt es sich bei der weichen Masse um einen Hundekot, wie er in modernen Gesellschaften massenhaft in Städten ausgelegt ist? Ist die weiche Masse vielleicht das Hirn, von dem sich ein Gegenüber einen virtuellen Abdruck verschafft hat? Oder ist gar ein Verbrechen geschehen, und ein Forensiker gießt einen Fußabdruck mit einer weichen Masse aus?

Helwig Brunner erlöst diese Erwartungen mit seinen „Blockgedichten“, indem er alle erdenklich-lyrische Konstellationen ausruft und gleichzeitig neue Spuren losschickt, die vorerst nicht weiter verfolgt werden.

Hannes Wirlinger, Piet findet einen neuen Freund

Andreas Markt-Huter - 19.03.2026

Hannes Wirlinger, Piet findet einen neuen Freund„Piet der Dachs, kann heute das Aufstehen gar nicht erwarten. Mit einem weiten Satz springt er aus dem Bett. Er streckt sich und reckt sich und eilt zum Tisch. Dort steht eine Schüssel mit köstlichen Beeren, die er am Vorabend zubereitet hat. Denn Piet möchte gleich am frühen Morgen losmarschieren.“

Der freundliche Dachs Piet freut sich darauf, endlich seinen besten Freund Lutz den Igel wiederzusehen. Gut gelaunt und voller Schwung machte er sich auf den Weg, grüßt Theodora die Eula, die auf einem Ast den kleinen Dachs beobachtet. Doch in seiner Eile hat er keine Zeit für ein Schwätzchen mit ihr, denn der Weg zu seinem Freund ist weit. Piet ahnt nicht, dass er auf seiner Wanderung jemanden geweckt hat, der ihm nicht so wohlgesonnen ist.