Martin Wittmann, Total alles über Bayern
Wer keine Klischee-freien Daten hat, ist gezwungen, Klischees zu übernehmen. Im Falle Bayerns bedeutet das eine riesige Lederhose, die das schwarze Loch der Einheitspartei nur zaghaft bedecken kann.
Martin Wittmann steuert diesen Vorurteilen entgegen, indem er in Wort und Bild, englisch und deutsch alles aufblättert, was irgendwann einmal erhoben, erforscht oder für einen Quiz erfunden worden ist. Denn letztlich funktioniert Wissensvermittlung oft nach der guten alten Quiz-Methode, indem man so lange verrückte Fragen stellt, bis die entsprechend verrückte Antwort auftaucht.
Heftige Liebe dauert oft über Jahrzehnte an, vor allem, wenn sie abrupt beendet wird.
„Es heißt oft, die Vergangenheit sei ein anderes Land, und in den zurückliegenden rund 550 Jahren, die in diesem Buch behandelt werden, hat man vieles anders gemacht als in der Gegenwart.“ (27)
Trotz aller Bemühungen um eine ausgewogene Geschichtsvermittlung, schaffen es Andreas Hofer mittlerweile auf diverse Käseverpackungen und Zu Mantua in Banden in die Hitlisten diverser Landtage, von einer Geschichte der Juden in Tirol weiß hingegen kaum jemand etwas.
In einer Gesellschaft, in der an manchen Tagen ausschließlich Börsen-orientierte Kalkulationen als Gedankengänge zulässig sind, haben es Diskurse über alles, wo keine Zahlen vorkommen, ziemlich schwer.
„Mehr noch, durch die »Strukturreformen« hat sich die Europäische Währungsunion in einen Mechanismus zur Förderung von Rezession, hoher Arbeitslosigkeit und niedrigen Wachstumsraten in ganz Europa verwandelt.“ (17)
In der Innsbrucker Buchhandlung Haymon sind es zwei jähe Erscheinungen, die das Herz des Besuchers jeweils kurz anhalten, ehe es gut getaktet weiterschlagen darf.
Die meisten Zeitgenossen nehmen Südtirol als Durchreisende am Talboden oder auf Hangautobahnen wahr, sie würden ordentlich staunen, stiegen sie kurz aus und schauten nach oben.
In einer Saga ist einerseits so viel los, dass kaum ein Erzähler mit der Dokumentation der Ereignisse fertig wird, andererseits tut sich fast nichts, außer dass Helden ihr Heldenleben abspulen.
Dieser seltsame Zustand „zwischen“, quasi nicht Fisch und nicht Fleisch, oder „eingeklemmt“ wie es der Lyriker N.C. Kaser einmal genant hat, gilt am Kontinent als österreichische Kernmentalität: Nicht anstreifen, nicht dabei sein, nicht Farbe bekennen.