Peter Patzak, Akte Im Schweigen vermählt
Tausende Augen von posierenden Frauengesichtern schauen uns in einem Museum an, wir Besucher freilich haben oft nur den Blick für das Schild, auf dem der Namen des Malers steht.
Peter Patzak führt uns einen Akt-Reigen vor, in welchem die Frauen als Modelle die Hauptrolle spielen. Aus flüchtigen Bemerkungen der malenden Helden und aus Nuancen zwischen den Zeilen der heroischen Künstlerbiographien hat der Autor die schweigenden Schicksale zum Klingen gebracht.
Gerade wenn das Leben gelungen dahin flutscht, nimmt es oft einen geradezu atemberaubenden Lauf.
Was passiert, wenn man aus dem gewöhnlichen Leben so heftig aussteigt, dass man nur noch weiß um sich "sieht"?
Es gibt wundersame Berufe, die sind so einmalig, dass sie nicht einmal zur Verkleidung im Fasching taugen. Der Dirigent ist so ein exotisches Berufstier, das jeder Mensch als fleischgewordenen Taktstock im Frack kennt.
Ein Leben, das voller Selbstverständlichkeit abläuft, kann durchaus dick daherkommen. Güni Noggler erzählt auf beinahe siebenhundert Seiten in großen Schleifen von einem Dutzendleben, wie es im zwanzigsten Jahrhundert wohl mannigfach vorgekommen ist.
Wenn Politik zu einem vollkommenen Theater verkommen ist, müssten auch die Entlarvungsmittel des Theaters in der Politik greifen.
Im Märchen gehen manchmal Menschen für die sichtbare Welt verloren und finden sich dann in einem unter- oder überirdischen Feenreich wieder, entrückt von der Welt aber durchaus mit Gewinn in einem neuen Zustand aufbereitet.
Nach einem Massaker bleibt die Zeit für Generationen eingefroren, die Leichname werden exhumiert und in Kühlhäusern aufbewahrt, die Gesichtszüge der Verschollenen sind auf Suchbildern eingefroren.
"es war ein tag so wie zum sterben schön / und noch einmal so warm. (15) Üblicherweise sind Gedichte dazu da, Halt zu geben in einer prosaisch eingeebneten Welt voller Logik und Erklärungen.
Der Titel dieser Reportagen-Sammlung ist treffend gewählt, in Krisengebieten sind die Berichterstatter mit einem Bein im Jenseits, während sie mit dem anderen in der Hölle des Krisenherdes stehen.