Andrea Winkler, Die Frau auf meiner Schulter
Gute Romane lösen schon im Titel ein Rätsel oder gar eine Geschichte aus. Die Frau auf meiner Schulter ist vielleicht ein Lebensentwurf, der auf der Erzählerin sitzt wie die Welt auf dem mythologischen Atlas.
Andrea Winkler lässt im Roman „Die Frau auf meiner Schulter“ auf engstem Erzählraum eine Erzählerin zu sich selbst kommen, indem sie sich eine poetisch-therapeutische Auszeit nimmt. In der vernetzten Gesellschaft ist mittlerweile selbst das Aussteigen daraus ritualisiert und zu einem Geschäftsmodell geworden.
Als die Erde noch eine Scheibe ist, ist die Ebene so etwas wie die ganze plane Welt, die man sich vorstellen kann. Später wird aus den Ebenen etwas Geographisches, worin sich vorzüglich Schlachten abwickeln lassen, das Kind spielt mit der Ebene, worin es diverse Figuren aufstellt und schließlich sind wir Literaturmenschen immer hingerissen von den Ebenen. Spielebene, Sprachebene, Metaebene, an manchen Tagen verlieren wir uns beim Lesen darin.
Wenn man schon von Nationalliteratur spricht, die ein Land retten und aufrichten kann, dann müsste man diese Literatur fallweise therapieren und auf Reha schicken, wenn sie krank oder deprimiert ist.
Grob umschrieben könnten Grungy Nuts ein Haufen voll dreckiger Nüsse sein, die man vielleicht sogar vom Boden aufgeklaubt hat und die wahrscheinlich weder nach Art noch nach Reifezustand sortiert sind. Ein ideales Bild für eine Erzählform, in der sich herbei-komponierter Zufall und ironische Absicht die Waage halten.
Der gute Ton kann aus einer unangenehmen Situation etwas Verschmitzt-Leichtes machen und so alles zur Zufriedenheit auflösen. Wenn beispielsweise in einer Wohnanlage ständig die Zeitung geklaut wird, ist es ein lieblicher Klärungs-Versuch, wenn jemand an den Zeitungsausträger mit einem Pin-Up schreibt: „Wir haben leider Diebe im Haus.“
Dann kam sie. Die Rente. (366) - In einem echten Rentnerroman wird das Leben ordentlich umgekrempelt, und das Eintreffen der ersten greifbaren Rente in Scheinen und Münzen ist erotisch wie das erste Liebesabenteuer, und tiefgehend, wie das Probe-Liegen am Sterbebett.
Längst ist Literatur ein globalisiertes Geschäftsmodell geworden, in dem Autoren ähnlich einem Spielerfinder mit allen Tricks versuchen, den Leser zu fesseln und für ein paar Stunden von dessen Realität abzuschnüren. Der moderne Roman gleicht oft eher einer Spielkonsole, mit der man sich wegzappt, als einer Anleitung, wie man die weggezappte Welt aushalten könnte.
Ab wann wird der Nagel, an dem das Bild hängt, selbst zum Bild? Wie stark muss ein Satz sein, dass er einen Absatz tragen kann? Wie fett darf eine Headline ausfallen, dass sie den darunterliegenden Text gerade noch nicht erschlägt?
„Das Unterrichtsmaterial unterstützt Sie dabei, Ihren Schülern die Bedeutung eines respektvollen Miteinanders zu vermitteln, indem es die Themen der Lektüre auf vielfältige Art und Weise aufgreift. Es ist in einen didaktischen Teil und daran anschließende Kopiervorlagen gegliedert.“ (S. 3)
Die Fiktion ist ja per se etwas Farbloses und Diffuses, das erst beim Lesen Konsistenz erlangt. Im Falle von schwerer Fiktion entsteht daraus ein Kosmos, der sich zu einer handfesten Figur verdichtet.