Literatur

Katharina Mahrenholtz, Schriftstellerinnen!

h.schoenauer - 14.09.2018

Titelbild: Katharina Mahrenholtz, Schriftstellerinnen!Ein Titel mit einem starken Gender-Ausrufzeichen macht sofort nachdenklich, warum da etwas mit der Genderei noch nicht stimmt. Schriftstellerinnen kann ein Befehl sein, mit dem jemand in der Bibliothek egal was will, Hauptsache Schriftstellerinnen! Es kann aber auch eine Verzückung darstellen: Wohin man schaut, alles Schriftstellerinnen!

Katharina Mahrenholtz stellt eine über Jahrhunderte und Kontinente ausgreifende Literaturgeschichte des weiblichen Schreibens vor.

Charlie English, Die Bücherschmuggler von Timbuktu

h.schoenauer - 03.09.2018

titelbild: Charlie English, Die Bücherschmuggler von TimbuktuLesenden Patrioten drückt es heute noch das Wasser in die Augen, wenn sie sich daran erinnern, wie beim Brand der Wiener Hofburg 1992 die Feuerwehr im einen Abschnitt gelöscht und die Polizei im anderen Sektor wertvolle Bücher gerettet hat. In einer Bücherkette des Volkes werden die nationalen Schätze gerettet, obwohl niemand vor und nach dem Brand in diesen Büchern gelesen hat.

Bücher können die Seele und das Geheimnis einer Stadt sein, wie es das sagenumwobene Timbuktu beweist. Über diese Stadt in Mali steht in jedem Reiseführer, dass es sie zweimal gibt, einmal als realen Ort und einmal als Mythos von Schriften.

Helwig Brunner, Journal der Bilder und Einbildungen

h.schoenauer - 04.07.2018

Titelbild: Helwig Brunner, Journal der Bilder und EinbildungenBei einem Essay tauchen in dieser Reihenfolge zwei Elementarfragen auf: Wie ist das Thema formatiert? Was ist überhaupt das Thema?

Helwig Brunner hält sich vage an den Ablauf eines Journals, seine Eindrücke und Analysen ordnet er vor allem Farbereignissen zu, die ihn seit Kindheit begleiten. Schneefarben, Schönbrunngelb mit Wellblech, Grüntöne. Mit dieser Methode kommt er zu kleinen Seh-Ventilen, die offenbar unter Druck stehen. Während des Betrachtens lässt er diesen Druck ab und schon ist ein Mini-Essay geboren, der oft völliges Neuland betreten hat.

Christine Riccabona / Erika Wimmer (Hg.), Arunda. Vierzig

h.schoenauer - 27.06.2018

Titelbild: ArundaEine Zeitschrift nach einem Berg zu benennen, ist nie falsch. Zumindest Begriffe wie stabil, zeitlos und offen lassen auf ein Konzept schließen, wonach man mit Weitblick eine regionale Kultur zu bestreichen gedenkt. Arunda ist ein Berg in der Nähe von Mals Richtung Grenzgebiet zur Schweiz, von wo aus man an guten Tagen gute Sicht auf den Vinschgau hat.

Wie in der Zeit der regionalen Print-Euphorie üblich, ist im Jahre 1976 die Arunda gegründet worden, die jetzt zum vierzigsten Geburtstag vollständig digitalisiert und online gestellt ist. Christine Riccabona und Erika Wimmer haben zudem einen Arunda-Jubiläumsband herausgegeben, worin die Arunda-Macher im losen Gespräch die letzten Jahrzehnte Revue passieren lassen, umkränzt von Dokumenten und Fotos.

Walter Pilar, Lebenssee ~~~, Wandelalter

andreas.markt-huter - 08.06.2018

pilar_lebenssee.jpgDer Lebenssee, ein Kosmos aus dem geographischen Ebensee, der Kultur rund um den See und dem Leben eines darin wohnenden Chronisten, ist so etwas wie das Lebenswerk des Walter Pilar.

Nach Welle 1 (~), eine skurreale Entwicklungsromanesque, Welle 2 (~~), Gerade Regenbögen, springt jetzt Welle 3 (~~~) an Land. Der Titel ist verhältnismäßig schlicht, Wandelalter. Allerdings wünscht sich der Autor, dass man sich schon am Umschlag verliest und Wandel-Altar draus macht, denn das Buch ist wie ein Flügelaltar aufgebaut, dem man zu jeder Jahreszeit verschiedene Schwerpunkte der Anbetung entlocken kann. Ehrensache, dass es mit den drei Flügeln nicht getan sein wird und somit auch noch Borten, Zierrat und allerhand Befestigungshandwerk auftauchen.

Helmuth Schönauer, Aftero und Aftera

andreas.markt-huter - 06.06.2018

sch%C3%B6nauer_aftero.jpg„Eine Literaturgeschichte in Anekdoten ist genauso wahr oder falsch wie eine germanistisch durchkomponierte Geschichte. Gerade ein regionales Universalerlebnis wie Tirol wird ohne Anekdoten nicht auskommen, ist doch ganz Tirol eine Anekdote.“ (3)

Auf Wikipedia wird eine Anekdote als eine bemerkenswerte oder charakteristische Begebenheit, meist im Leben einer Person, definiert. Ihre wichtigsten Merkmale sind die Pointe, die Reduktion auf das Wesentliche und die scharfe Charakterisierung einer oder auch mehrerer Personen. „Aftero und Aftera“ konzentriert sich auf merkwürdige und außergewöhnliche Begebenheiten der jüngsten Vergangenheit in Tirol.

Paul Jaeg (Hg.), GlutDruck

andreas.markt-huter - 25.05.2018

Paul Jaeg, GlutDruck. Texte der Gruppe SinnenbrandWenn ein Projekt GlutDruck heißt, hört man es zischen und brodeln, da hat man noch nichts gesehen. Und dann dreht man das Buch und am hinteren Cover sieht man vier Künstler springen, musizieren, performen und diskutieren.

Die Gruppe Sinnenbrand setzt sich aus Peter Assmann (Linz), Ferdinand Götz (Bad Ischl), Paul Jaeg (Gosau) und Richard Wall (Engerwitzdorf) zusammen. Ihr Konzept besteht aus dem Verschmelzen von diversen Kunstgattungen zu einem Glutvulkan, der an bemerkenswerten Orten ausbricht.

Michael Forcher, Erzherzog Ferdinand II.

andreas.markt-huter - 04.05.2018

„Wäre es als böses Omen gesehen worden, Erzherzog Ferdinand II. hätte gleich wieder umkehren müssen. Allzu viel ging schief, als der neue Landesfürst am 17. Jänner 1567 in seine zukünftige Residenzstadt Innsbruck einzog.“ (9)

Erzherzog Ferdinand II. spielt in der Tiroler Geschichte eine beachtenswerte Rolle als humanistisch gebildeter Kunstliebhaber mit großer Kunstsammlung sowie als wichtiger Protagonist der Gegenreformation. Berühmt gemacht hat ihn jedoch seine skandalöse Ehe mit der Kaufmannstochter Philippine Welser, für die er Schloss Ambras mit seiner weithin berühmten Kunst- und Wunderkammer errichten ließ.

Thomas Eder u.a. (Hg.), Einfache Frage: Was ist gute Literatur?

h.schoenauer - 30.04.2018

Scheinbar kluge Fragen sollte man immer mit der klügsten Gegenfrage der österreichischen Seele beantworten: Wer lässt fragen? Einig sind sich so ziemlich alle, dass Literatur ein Prozess ist, der nie abgeschlossen ist, der aber dennoch ein fertiges Tagesprodukt abliefert.

Wahrscheinlich die größte Tagesproduktionsstätte für Literatur ist die Alte Schmiede in Wien, worin seit gut vierzig Jahren Literatur gemacht wird, indem über sie diskutiert oder gestritten oder sie umschmeichelt wird. Dabei lässt sich die Literatur nicht einmal zu schwer runden Jubiläen zähmen und in einen Pokal hineinpressen, so dass man eine Korrespondenz-Serie gestartet hat, worin aus ursprünglich 35 Literatur-Moderatorinnen sich letztlich acht Korrespondenten-Paare gebildet haben.

Giwi Margwelaschwili, Die Medea von Kolchis in Kolchos

h.schoenauer - 27.04.2018

Wie erfährt man von einem Mythos, wenn alle Beteiligten schon tot sind und nichts mehr da ist, als der Name von einem unbeschreiblichen Ding oder Ereignis.

Giwi Margwelaschwili ist ein Meister in beiden Welten, im Surrealismus und in der Postmoderne. Er ist somit der ideale Autor, um den Medea-Mythos in die Gegenwart zu holen, zumal ihm als Georgier die Kolchischen Geschichten zu Füßen liegen. Ein Ich-Erzähler, Alter-Ego und Mythen-Journalist macht sich auf den Weg, eine Position zu finden, von der aus man alle Jahrhunderte und alle geographischen Strukturen überblicken kann.