Joachim Bauer, Lob der Schule
Was ist das für ein seltsamer Kauz, der auf die Idee kommt, die Schule als Gesamt-Kulturwerk zu loben? Joachim Bauer ist in erster Linie Psychotherapeut und beschäftigt sich meist mit der simplen Frage, wie so ein Gehirn tickt, dass darunter ein Mensch leben kann.
Sein Ansatz, eine „Neurobiologie“ der Schule zu beschreiben, führt letzten Endes zu einem Lob der Schule. Denn alle Beteiligten leisten zwar Schwerarbeit und produzieren ununterbrochen guten Willen, dass das Schulwerk funktioniert, aber niemand wird dafür gelobt.

Vielleicht muss man sich gegen Wortlawinen genauso schützen wie gegen echte Lawinen. Am besten wird es sein, gefährliches Gelände zu gewissen Zeiten gar nicht zu betreten, und wenn man in diese semantisch abrutschenden Hänge hineingeleitet, sollte man wenigstens eine Wortschaufel und einen Sinn-Pieps mit dabei haben.
Die markanteste These vorweg: Obwohl das SOS-Kinderdorf in der Praxis von Frauen aufgebaut worden ist, dreht sich letztlich alles um einen Männermythos, den Übervater Hermann Gmeiner.
Ein Pädagoge, der zu Beginn seiner Textsammlung von seiner tiefen Sinnkrise spricht, macht diesen sofort sympathisch. Das Buch von der Moralpredigt hat sich nämlich verzögert, weil es seinen Autor zwischendurch in ein pädagogisches Loch geworfen hat.
Es gibt Psychologen, die reden eine Stunde lang nichts, und beim Hinausgehen ist der Patient dennoch erleichtert, und dann gibt es welche, die reden in einer Stunde eine Stunde lang, und der Patient ist von dieser Fülle wunderbar entleert.