Michael Hufnagl, Die sagenhafte Wortlawine
Vielleicht muss man sich gegen Wortlawinen genauso schützen wie gegen echte Lawinen. Am besten wird es sein, gefährliches Gelände zu gewissen Zeiten gar nicht zu betreten, und wenn man in diese semantisch abrutschenden Hänge hineingeleitet, sollte man wenigstens eine Wortschaufel und einen Sinn-Pieps mit dabei haben.
Michael Hufnagl packt den allgemeinen Seufzer, dass zu viel Trash im Gelände liegt, bei den Hörnern und fasst ihn wie jeden einzelnen der Unsinnssätze zuerst einmal wörtlich auf.
Manche Ausdrücke bringen die Zunge durch bloßes Aussprechen zum Schmelzen. „Landgasthof“ ist so ein sympathischer Begriff, bei dem man sofort an Wärme, Kindheit, Sonntag, Limo und Speckjause erinnert ist.
Irgendwie sind sie ja die geborenen Geheimagenten, halb im Schatten sitzend, halb auf dem Sprung zu einer Türklinke eines Mächtigen. Die Lobbyisten sind immer da, wenn auch meist unsichtbar. Und wenn bei ihrer Arbeit die Vordertüre versperrt ist, nehmen sie den sprichwörtlichen Hintereingang des Mandatars.
Längst wissen wir, dass in der Wirtschaft die Etikette mindestens so wichtig ist wie die Zahlenkolonnen auf den diversen Transaktionspapieren.
Klug gefragt ist halb gewonnen. Nicht nur Talkshows mit Quizcharakter boomen bis in die späte Sendenacht hinein, auch tagsüber wird der zeitgenössische Mensch ununterbrochen mit mehr oder weniger sinnvollen Fragen durchlöchert.
Nichts lässt die Vergangenheit so alt aussehen wie hohe Geburtstage von Revolutionären. So feierte am Jahresende 2006 Franz Josef Degenhardt seinen fünfundsiebzigsten und Wolf Biermann seinen siebzigsten Geburtstag.
Ein Pädagoge, der zu Beginn seiner Textsammlung von seiner tiefen Sinnkrise spricht, macht diesen sofort sympathisch. Das Buch von der Moralpredigt hat sich nämlich verzögert, weil es seinen Autor zwischendurch in ein pädagogisches Loch geworfen hat.
Große Journalisten lassen sich zwar nicht mit einer Zauberformel verkürzt darstellen, aber man verbindet ihr aufregendes Werk leichter mit dem eigenen Leben, wenn es eine Lebensformel zwischen Journalismus und dargestellter Welt gibt.
Der Unterschied zwischen einem Buch und einem Text besteht schlicht darin, dass man ein Buch begreifen muss, um es zu begreifen.
Warnung: Arbeit kann zu Ihrem Tod führen! – Dieses Schild steht natürlich nirgends, aber es müsste an vielen Schauplätzen der Arbeit angebracht sein.