H. C. Artmann, Der Wackelatlas
In der Mythologie ist der Atlas etwas vom Stabilsten und Schwersten, was ein Titan tragen kann. Wenn nun aber der Atlas zu wackeln und zu schwächeln beginnt, wie zerbrechlich müssen dann erst Halbgötter und Menschen sein?
H. C. Artmann ist ein kosmopolitischer Poet, in allen Sprachen und Ländern zu Hause, ein Geschichten- und Sprachenerfinder, ein eruptiver Lyriker, und vor allem ein unsterblicher Benützer eines Ehrengrabes. So frech und selbstbewusst hat er sich selbst eingeschätzt, wohl wissend, dass ihn in seiner Erhabenheit als Solitär letztlich niemand berühren und korrigieren konnte. Und so musste er mit seiner Poetik im Leib sein Leben allein zu Ende bringen.
„Mit der vorliegenden Publikation wird ein neuer Weg beschritten: Expert:innen aus unterschiedlichsten Disziplinen werden mithilfe von strukturierten Interviews befragt, um ersten einen differenzierten Blick auf den Bildungsbereich zu gewinnen und um zweitens den Hochschulen, die Lehrer:innen bilden, Hinweise an die Hand zu geben, wie sie mit Antisemitismus und Holocaust-Verharmlosung und –Verzerrung („Holocaust Distortion“) umgehen können. (S. 8)
Bücher über große Themen unterliegen dem Erzählparadoxon: Je größer das Thema, desto bescheidener hat die Erzählhaltung auszufallen.
„Das vorliegende Buch […] betont das Spannungsverhältnis von «Außen» und «Innen» und stellt Japan damit zum einen stärker als andere Gesamtdarstellungen in den Kontext der asiatischen bzw. Weltgeschichte, und das auch dort, wo sich Japan explizit von Asien bzw. der Welt abwendet. Das hat Konsequenzen auch für die Epocheneinteilung. Sie ist einerseits konventioneller, weil sie den Wandel von einer Außen- zu einer Binnenperspektive mit Herrschaftswechseln in Verbindung bringt. Die politischen Wendemarken treten dadurch wieder deutlicher hervor.“ (S. 43)
„Die griechischen Tragödien waren für die attischen Bürger bestimmt. Nicht für ein spezielles Theaterpublikum, sondern für die ganze Bürgerschaft der mächtigsten Stadt jener Welt. […] Es ist unbestreitbar, dass die attische Bürgerschaft im fünften Jahrhundert von ganz außerordentlicher Beschaffenheit war und sich in einer ganz außergewöhnlichen Lage befand. Zum ersten Mal in der Weltgeschichte war es dazu gekommen, daß die breiten Schichten der Bürgerschaft regelmäßige, kräftige Mitsprache und schließlich den entscheidenden Anteil an der Politik erlangten.“ (S. 7)
„In diesem Buch wird der Versuch unternommen, sich dem vielstimmig beschworenen »Wunderwerk Frau« wertfrei und objektiv anzunähern, nämlich aus medizinisch-biologischer Sicht. Hier zeigt sich, dass es keine Übertreibung ist, angesichts der Vorteile und Eigenschaften mit denen die Evolution Frauen ausgestattet hat, von einem wahren Wunderwerk zu sprechen.“ (S. 7 f)
Die meisten Tirolernden werden es gar nicht mehr wissen, was das ist: Diskutieren, Nachdenken, mit Frohsinn eine unübliche Meinung über sich ergehen zu lassen. Spätestens seit der Lockdown-Epoche sind auch in Tirol die Menschen in psychischen Einzelkabinen untergebracht, der digitale Informationsaustausch ist roh und brutal, der vielbeschworene Vereinsgeist ausgeflogen, seit man sich nur mehr zufällig trifft, und die öffentliche Diskussion ist ein Desaster.
„Die folgenden Kapitel erzählen im Zeitraffer die Geschichte vom Zusammenbruch der bronzezeitlichen Großreiche um 1200 v. Chr. […] bis zum Ende des römischen Imperiums im Westen kurz vor 500 n. Chr. Sie wollen aber mehr sein als ein Durchritt durch griechische und römische Geschichte im Schweinsgalopp. Dieser Essay hat sein Ziel erreicht, wenn er das Bewusstsein schärft für die großen Bögen des Dramas, das sich um das antike Mittelmeerbecken entrollte, und wenn er zugleich in Erinnerung ruft, auf wie vielfältige Weise unsere Gegenwart mit der fernen Vergangenheit dieses einzigartigen Raumes verflochten ist.“ (S. 36)
„Die Grundidee dieses – auch international erfolgreichen Weltatlas ist es nicht, so viele historische Details wie möglich in eine Karte zu packen, sondern die großen Linien der Globalgeschichte von den Anfängen der Menschheit bis heute mit Hilfe von Karten zu veranschaulichen.“ (Umschlag)
Je globalisierter im Netz die Literatur auftritt, man spricht ja von Weltliteratur, umso punktgenauer muss sich darin die Lokalliteratur bewähren. Ein aufregendes „Lokalprogramm“ liefert dabei die Innsbrucker Verlagsbuchhandlung Wagner’sche, die als eine der ältesten der Welt schon alle möglichen Literaturformen erlebt hat. In der Serie „Erinnerungen an Innsbruck“ sind mittlerweile gut zwanzig Bände über Stadtteile, Berufe und besondere Schicksale erschienen. Umgerechnet auf die Bewohner des jeweiligen Themas erreicht diese Serie grandiose Vertriebszahlen.