Min Wang u.a., Die schöne Füchsin - Chinesische Geistergeschichten
„Das rege Hin- und Her zwischen den beiden Welten, bei dem Geister und Menschen aufeinandertreffen, kann zwar schon gefährlich sein, oft ist es aber auch unterhaltsam, anregend, nützlich und zuweilen sogar erotisch. Tatsächlich geht es nicht selten um Liebe. Von solchen Begegnungen und Verwicklungen zwischen Geistern und Menschen erzählen die Geschichten dieses Buches.“ (S. 4)
Die chinesischen Geistergeschichten sind vielfältig und bunt, was an den zahlreichen unterschiedlichen Geistern liegt, die im chinesischen Volksglauben zu finden sind. Da gibt es neben den Geistern der Verstorbenen auch Fuchsgeister, Dämonen u.a. die eng mit der Menschenwelt verbunden betrachtet werden. Das Aufeinandertreffen von Menschen und Geistern kann beunruhigend, gefährlich, aber auch unterhaltsam, nützlich und anregend sein.
„Überlieferungen des Ordens zufolge war es mithilfe des Buche möglich, die Babelfragmente zusammenzufügen, daher kannte man es auch unter dem Namen Die göttliche Fügung. Waren die Fragmente einmal vereinigt, konnte man den Turm von Babel wiedererrichten und so zu göttlicher Macht gelangen.“ (S. 21)
„Ein altes, verblichenes Foto. So groß wie eine Postkarte. Die Gesichter der beiden Männer waren kaum noch zu erkennen, die Zeit hatte fast alle markanten Züge gelöscht. Doch die Haltung war eindeutig: Der eine groß, stolz und selbstbewusst, der andere fast noch ein Junge, schmal, schüchtern, beide in knöchellangen weißen Kitteln. Zwischen ihnen stand, riesig und dunkel glänzend, ein Nashorn.“ (S. 11)
„»Das Gliss bedeckt fast unseren gesamten Planeten, und es ist rutschiger als alles, was wir kennen«, erklärte mir Großmutter. »Daher der Name. Tatsächlich gibt es auf Gliss überhaupt keine Reibung. Wir wissen nicht, wie so etwas möglich ist, aber wir wissen, dass es so ist. Man kann es messen.« Ich verstand damals nicht, was sie damit meinte und wieso sie es so nachdenklich sagte. Dass das Gliss das große Wunder unserer Welt ist, habe ich erst später begriffen.“ (S. 6)
„Zitternd bewegte sich die Zange durch die Vibration aus ihrer Reichweite. In diesem Moment überschritt der Druck die kritische Grenze. Metall verbog sich und riss auf, der Lärm wurde ohrenbetäubend. »Raus da, Florance!«, brüllte Monsieur Pignon. »Der Verteiler ist nischt mehr zu retten! Er wird gleisch explodieren!«“ (S. 13)
„Nennt mich Bathseba. So heiße ich nicht, aber es ist der Name, den ich mir für diese Geschichte gegeben habe. Ein Name, so hoffe ich, der frei ist von Prophezeiungen, frei von der Last einer ihm vorausgesagten Zukunft, frei von einem Schicksal, das ihn mir aus den Händen reißen würde und Welten in die Zerstörung führen.“ (S. 7)
„Auf einmal war ein spitzer Schrei zu hören. Diesem folgten entsetzte Rufe und das Trillern einer Polizeipfeife. Kurz darauf drang das Echo aufgebrachter Stimmen in die Kammer. Was war da draußen geschehen? Schon war Melvin auf den Beinen, eilig in seine Schuhe geschlüpft und aus dem Fenster geklettert.“ (S. 8)
„Naturwissenschaften möchten erklären, wie und warum etwas geschieht, z. B. wenn elektrischer Strom durch einen Draht fließt oder wann Sterne oder Planeten entstehen. Dazu gehen sie logisch Schritt für Schritt vor. Die hier beschriebenen Schritte werden von allen Naturwissenschaften verwendet.“ (S. 10)
„Im Dezimalsystem werde alle Zahlen aus nur 10 Ziffern gebildet, nämlich 0; 1; 2; 3; 4; 5; 6; 7; 8 und 9. Diese Ziffern werden in unterschiedlichen Kombinationen zusammengesetzt und können so jede erdenkliche Zahl von Null bis unendlich bilden. Sie werden ebenfalls genutzt, um verschiedene Arten von Mengen, beispielsweise negative Zahlen, Brüche und Dezimalzahlen darzustellen.“ (S. 10)
Seit dem griechischen Gesellschaftsmodell „Sparta“ gibt es die Einrichtung des Internats. Darin werden Lernen, Freizeit und Schlaf gebündelt den Insassen an den Kopf geworfen in der Hoffnung, dass dadurch für die Betroffenen ein nützliches Maß an Allgemeinbildung abfällt. In der Literatur gehört folglich der Internatsroman zu einem wesentlichen Bestandteil der Gesellschaftsbeschreibung, die vielleicht in Robert Musils „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ (1906) ihren kanonisierten Höhepunkt findet.