Juri Andruchowytsch, Geheimnis
Was für ein Titel! - Geheimnis. Sofort fragt man sich, wer hat ein Geheimnis, worin besteht es und wo liegt es?
Wie immer bei Juri Andruchowytsch liegt das Geheimnis vor der Nase. Als einmal Autor und Interviewer an der Neuen Synagoge vorbei gehen, erkundigt sich der Fragensteller nach dem Titel des Neuen Romans. Der Autor antwortet: "Geheimnis. Lass uns über etwas anderes reden!" (339)
Vielleicht kann man ein Leben nur dann halbwegs beschreiben, wenn man gleich drei beschreibt. Ursula Haas verknotet in ihrem "Künstlerinnen-Roman" drei Stränge ineinander, dabei erzählt sie in Ich-Du-Sie-Form.
Ein Kind tippt in das Klingelbord eines Hochhauses eine Geheimbotschaft ein und läutet so jede Menge Bewohner heraus, sein Vater ist gerade ums Eck auf ein Pferd gestiegen und in den Wilden Westen geritten, eine Lehrerin wird Molch genannt, weiß aber nichts von ihrem Kosenamen.
Geiger - was für eine präzise Beschreibung für ein Lebensgefühl. "Geiger kann niemand ohne musikalische Berührung werden." (307)
In den USA gilt Jack Unterweger in "sozialen" Gegenden als der berühmteste Österreicher und rangiert damit noch vor Arnold Schwarzenegger.
Manchmal ist das Schicksal an der Kippe zwischen Erfindung und Zuschlag angesiedelt, in solchen Fällen weiß man dann nie, ob es sich um einen Roman oder die Darstellung eines öffentlichen Sachverhalts handelt.
Ein Krimi gilt als umso spannender, je glaubwürdiger er ist. Wie glaubwürdig ist aber das Leben eines Krimi-Autors, der spannende Krimis schreibt?
Im Land der Aufstiegshilfen ist es ein geradezu sensationell ironischer Titel, wenn jemand "einmal talwärts und zurück" bucht.
Erst wenn man eine Sache von zwei Seiten betrachtet, wird sie dadurch vielleicht wahr und oft auch schräg und zum Schmunzeln.
Im Zeitalter durchgehender Terrorangst darf man nirgendwo auf der Welt einen Koffer abstellen, ohne dass dieser nicht sofort gesprengt würde.