Stefan Moster, Die glückliche Amsel
„Eine Amsel sucht mit ihrem orange leuchtenden Schnabel so emsig nach Körnern, dass sie den großen Schatten nicht kommen sieht. Plötzlich deckt er sie zu, und sie kann vor Schreck nicht fliehen. Der große Schatten hält sie fest. »Flieg davon!«, rufe ich.“
Die glückliche Amsel ist ein poetisches Kinderbuch zum Thema „Kindesmissbrauch“ durch Erwachsene. Mit viel Einfühlungsvermögen wird Missbrauch aus der Innenperspektive eines betroffenen Kindes erzählt, aber auch die Schwierigkeit gezeigt, das Erlebte zu verstehen und mitzuteilen.
„Manchmal, wenn man es am wenigsten erwartet, aber vielleicht am meisten braucht, findet man sich an einem unbekannten Ort wieder, mit Menschen, die man gleichfalls nicht kennt, und erfährt neue Dinge. Ich erlebte so etwas eines Nachts auf einer dunklen, einsamen Straße.“ (S. 7)
„Gestatten, Klarissa mein Name. Klarissa Kamilla Klementine von und zu Karies. Sehr erfreut! Wir kennen uns gut, denn ich residiere bei euch. Genauer gesagt in eurem Mund. Ich bin ein Streptococcus mutans, gehöre also zu den kugelförmigen Bakterien.“
„»Manche haben Angst vor Drachen«, sagt Sophie und muss laut lachen. »Ich fürchte mich vor nichts ach, doch … vor Spinnen, den die leben noch!“« »Das ist doch alles Firlefanz. Ich hab vor gar nix Angst«, sagt Franz.“
„Mira steht am Fenster. Sie ist traurig und fühlt sich irgendwie eckig. Nebelschwaden ziehen dicht über den Boden. Die Äste der Bäume sehen aus wie unheimliche Schatten. Und dann sieht Mira den Fuchs.“
„Zwei Dinge weißt du. Erstens: Du warst da. Zweitens: Du kannst nicht dagewesen sein. Diese unvereinbarten Wahrheiten gleichzeitig festzuhalten, erfordert Jongliergeschick. Natürlich braucht man beim Jonglieren einen dritten Ball, damit der Rhythmus im Fluss bleibt. Dieser dritte Ball ist die Zeit – die viel unbändiger herumspringt, als wir glauben mögen.“ (S. 11)
„Sinemon war schrecklich aufgeregt. In Kürze würde ein kleiner Stern namens Marlou am Firmament auftauchen. Seine vorerst zaghafte Erscheinung würde zu einem hellen Leuchten werden und sein Strahlen das Funkeln am Himmel der Welt bereichern.“ (S. 6)
„Die alte Spinne legt den Kopf schief: »Jede Kreuzspinne kann spinnen.« »Schau, es ist einfach.« Die alte Spinne seilt sich ab und baut zwischen zwei Rosenästen flink ein Netz. Die dünnen Fäden glitzern im Sonnenlicht.“
„»Passt gut auf! Die Werbehexen verstecken sich überall und hinterlassen ihre Spuren. Sie tun alles, was in ihrer Macht steht, um uns hereinzulegen! Ihr müsst sehr aufmerksam sein, um nicht auf ihre Tricks hereinzufallen« …“ (S. 10)
„Eikibufi … Viele sind schon dort gewesen, aber kaum jemand kennt den Namen dieses wunderlichen Waldes. Die Bäume wispern ihn einander manchmal zu, immer dann, wenn sie sich darüber unterhalten, dass es auf der ganzen Welt keinen schöneren Wald geben kann.“ (S. 3)