Emmi Troppmair-Hölbling, Fabeln
„Fabeln sind Erzählungen über menschliches Denken und Verhalten. Jeder kann seine eigenen Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen in den Beschreibungen von Tieren oder Gegenständen wiedererkennen, ohne sich persönlich beleidigt oder bloßgestellt fühlen zu müssen.“ (91)
Schon in ihren Anfängen in der Antike wurden in Fabeln in Tiergestalt dem menschlichen Verhalten ein Spiegel vorgehalten. Dass diese Literaturgattung, die sich ursprünglich an eine erwachsene Leserschaft gerichtet hat, vor allem auf junge Leserinnen und Leser und Kinder eine besondere Anziehungskraft ausübt, liegt vor allem am fantasievollen Rahmen, in dem sich die Lehrgeschichten bewegen. Auch Emmi Troppmair-Hölblings Fabeln vermitteln jungen wie alten Leserinnen und Lesern Botschaften und Lehren in einer fabelarmen Zeit.
„Schornsteiner fiel aus den Wolken. Unverletzt landete er auf einem weiten Strand an der belgischen Nordseeküste. Es war Spätherbst, nur noch wenige Strandläufer waren unterwegs. So blieb der kleine schwarze Glücksbringer einige Tage lieben …“ (7)
„Krieg. Sie wollten noch ins Schwimmbad / und ich durfte mit / wenn ich nur das Heulen ließe: / Ganz sicher kamen auch die großen Jungs / Wir rannten erst zum Tiefen und hechteten zu zehnt hinein“ (8)
„Vor langer Zeit lebte ein Prinz in einem schönen Schloss. Er wuchs ohne Mutter auf. Sein Vater war grausam und nahm seinem Sohn jede Freude. So wurde auch der Prinz zu einem herzlosen Menschen.“ (4)
„Wie konnte er erraten, dass dieses große Risiko, das Risiko mir zu vertrauen, ihn Jahre später retten würde? Ich glaube, dass das grausame Mädchen, das sich in den Filmrollen verbarg, uns beide gerettet hat, indem es mir eine Träne entlockte.“ (30)
„Die Märchen von Beedle dem Barden sind eine Sammlung von Geschichten, die für junge Zauberer und Hexen geschrieben wurden. Sie werden seit Jahrhunderten gerne zur Schlafenszeit vorgelesen, weshalb der hüpfende Topf und der Brunnen des wahren Glücks vielen Hogwarts-Schülern genauso vertraut sind wie Aschenputtel und Dornröschen, den (nichtmagischen) Muggelkindern.“ (XI)
„Einst hatten die Zwerge unter den Menschen gelebt. Hand in Händchen hatten sie friedlich mit ihnen zusammengearbeitet und das karge Land in den Bergen in eine wahre Oase verwandelt.“ (29)
„In der Urzeit war an der Stelle, wo später die Welt entstehen sollte, nur ein riesig gähnender Abgrund, die Urschlucht. Es gab weder Himmel noch Erde. Alles war leer und tot. Nirgendwo war Leben.“ (9)
„»Das ist wirklich sehr ungerecht. Ich will euch helfen.« Die halbe Nacht lag der Weise wach. Gegen Morgen fiel ihm ein, dass der Kaiser Brettspiele liebte. »Das ist es!«, sagte er zu seiner Nichte. »Wir werden ihm das spannendste und schönste Spiel schnitzen, das es je gegeben hat. Der Kaiser ist die wichtigste Figur im Spiel.«“
„Von Anfang an gab es nicht den geringsten Zweifel daran, dass Olga da Polga ein Meerschweinchen war, das es einmal weit bringen würde.“ (7)