Erzählung

Judith Gruber-Rizy, Zwischen Landschaft

andreas.markt-huter - 09.02.2007

Buch-CoverLandschaften werden meist deshalb aufgesucht, besungen und abgemalt, weil sie in ihrer Mannigfaltigkeit eindeutig sind. Voll in einer Landschaft aufgehen heißt so ein Gefühl, bei dem das Subjekt in einen klaren Zustand eintaucht.

In den Texten von Judith Gruber-Rizy liegen diese Subjekte meist zwischen den Landschaften. Jemand ist in der Stadt und denkt sich aufs Land, eine prägende Landschaft aus der Kindheit strahlt mit unmäßigen Signalen in die Erwachsenenwelt, oder eine Landschaft besteht überhaupt nur aus Zwischenräumen, mit welchen die Haltestellen einer Reise ausgefugt sind.

Hermann Winkler, Geschichten eines Mannes

andreas.markt-huter - 31.01.2007

Buch-CoverWenn am Klappentext der Schriftsteller als Wunderguru mit Auszeichnungen und Sternen der Dritten Art herzunterglänzt, wird es für die Leserschaft so richtig interessant, diesen Balsam des gelungenen Lebens mit der Qualität des Textes zu vergleichen.

Im Falle von Hermann Winkler spielt sich bereits auf der Umschlaglasche höchste Literatur ab. Während da Begriffe heruntersegeln wie Student des Jahres, Master of King Hong Kong oder Controller of the year, sind seine literarischen Auszeichnungen nicht minder aus den Socken werfend: Sparkassenpreis alle zwei Jahre und Prosaanerkennungspreis Brixen / Hall.

Gerhard Ochs, Ernte 23

andreas.markt-huter - 20.01.2007

Buch-CoverBei diesem fruchtigen Titel denkt man auch als Nichtraucher zu allererst an eine Zigarette. Aus alten Inseraten, als im Spiegel noch für Rauch geworben werden durfte, steigt der Duft von Bonn und Kleinbürgertum auf, alles riecht goldig und erfolgreich.

Tatsächlich lässt sich Gerhard Ochs Erzählung wie ein Stück Wunder aus der Nachkriegszeit an. Der Icherzähler ist Schelm, Held eines Bildungsromans und mit wachsender Zeitgenosse.

Edin Prnjavorac und Veronika Nitsche (Hrsg.), Südostwind

andreas.markt-huter - 17.01.2007

Buch-CoverIch traf gestern einen Käfer / Er sprach kein Deutsch / und beschwerte sich über Kreuzschmerzen / in einer Sprache, / die ich nur deshalb verstand, / weil es um Schmerzen ging. Die Strophe aus Goran Novakovics Gedicht Die Sprache (S.34)stößt einen unmittelbar, wie mit einem kurzen Knüppel in die Welt der Migration hinein.

In knapp 100 lyrischen Texten zeichnen 38 Autorinnen und Autoren, die als MigrantInnen in Österreich leben, wehmütige Bilder von Sehnsucht, Heimweh, Überlebensängsten und vom Leben in der Fremde. Ihre Gedichte und lyrischen Texte sind Erinnerungen an die Vergangenheit aber auch ein Ausdruck von Hoffnung und nach dem Wunsch nach Friede und Freiheit.

Uwe Ladstädter (Hrsg.), Da und dort

andreas.markt-huter - 16.01.2007

Buch-Cover"Osttirol. Das könnte die DDR Tirols sein, aber das ist es nicht." – Da und dort handelt von Osttirol, wie es in der Welt liegt, wie die Bewohner immer frecher werden und Selbstbewusstsein entwickeln, wie es sich überall auf der Welt eine tolle Heimat entwickeln lässt, wenn man genug Humor dafür mitbringt, und wie da und dort prächtige Literatur entsteht, wenn man sie aufkommen lässt.

Zusammengehalten wird dieses literarische Selbstbewusstsein durch die Lienzer Wandzeitung. In ihr werden nicht nur monatlich neue Texte vorgestellt, alle zwei Jahre schreibt deren Redaktion auch den Christoph-Zanon-Preis aus, benannt nach dem jung verstorbenen Osttiroler Schriftsteller Christoph Zanon.

Peter Pessl, Die Dakini-Dialoge

andreas.markt-huter - 15.01.2007

Buch-CoverManchmal geht auch die Fiktion auf Expedition und kehrt mit einem Rucksack voller Kultgegenstände und semantisch frisch kolorierter Bilder auf den Europäischen Kontinent zurück.

Peter Pessl schickt seine Fiktion in den Himalaya, er selbst ist natürlich auch dabei und zeichnet zwischendurch Stimmungen, Lagepläne und morphologische Extremkonstellationen. Rein äußerlich handelt es sich um eine Reise in den Norden Indiens, an der Grenze zu Tibet liegt das Spiti-Tal und dort werden die Dakini-Dialoge abgehört und ausgeführt.

Alois Schöpf, Vom Sinn des Mittelmaßes

andreas.markt-huter - 08.01.2007

Buch-CoverEin guter Essay fährt wie eine Frechheit unter die Haut, wohltuend schräg, überspitzt, vielleicht auch falsch. Man will als Leser ständig kontern und weiß, dass das die Kunst des Essays ist: den Leser aus der Reserve zu locken.

Alois Schöpf, als Bewohner des Tiroler Mittelgebirges profunder Kenner der Materie, reißt das Tiroler Land mit ein paar raffinierten Gedankenschlitzen an seinen Weichteilen auf.

Thomas Meinecke, Feldforschung

andreas.markt-huter - 03.12.2006

Buch-CoverDie höchste Erotik tritt dann auf, wenn Alltagsmenschen plötzlich den Gestus von Filmfiguren überstreifen und in Wort und Bewegung zu Heldinnen und Helden der Leinwand mutieren.

Andererseits sind die Bewegungen der Leinwandfiguren so ausgerichtet, dass sie wie in der Sixtinischen Kapelle zwischen dem Göttlichen und der tatsächlichen Welt jenen kleinen Spalt an den Fingerspitzen offen lassen, der Schöpfer und Geschöpfe unterscheidet.

Helmuth Schönauer, Tirol Kamasutra

andreas.markt-huter - 30.11.2006

Buch-CoverWer in Tirol jemandem die Frage stellt: Was haben Tiroler und Inder gemeinsam?, könnte seit kurzem die Antwort erhalten: Ein Kamasutra! Der Autor Helmuth Schönauer hat sich gemeinsam mit dem Zeichner Bertram Haid auf die Suche nach den Stellungen der Tiroler begeben, nach dem Motto: Sag mir deine Stellung und ich sag dir wer du bist!

Wer sich nun den hehren Ernst erwartet, mit dem das große indische Werk die verschiedensten sexuellen Stellungen beschreibt und darstellt, hat zwar noch nie einen Original-Schönauer gelesen, wird aber dennoch nicht enttäuscht sein. Mit spitzer Feder, deftigem Humor und nicht selten mit derben Untergriffen hält er den Tirolerinnen und Tirolern einen Spiegel vor, den er in 100 verschiedene Stellungen verpackt hat.

Christian Popescu, Familie Popescu

andreas.markt-huter - 13.11.2006

Buch-CoverManchen Texten kennt man das pfiffig-geniale quasi in jedem Satz an, je gewöhnlicher oft die Themenwahl ausfällt, umso aufregender werden diese Konzeptionen.

Ausgestattet mit einem frühen Tod unter ungeklärten Umständen, im nahezu klassischen Heroenalter von fünfunddreißig Jahren, haften natürlich Christian Popescu geniale Züge an, zumal die Texte disparat erschienen sind, und einige Texte bis zu dieser aktuellen zweisprachigen Procura-Edition nicht einmal im rumänischen Original zugänglich gewesen sind.