Alfred Komarek, Polt

Buch-CoverWer fürchtet sich vorm Gendarmen Polt? Niemand. Und wenn er aber kommt, dann trinken wir uns davon.

Längst haben wir alle geglaubt, Simon Polt sei tot, abgesoffen oder sonst irgendwie untergetaucht. Jetzt hat ihn Alfred Komarek freilich noch einmal ins literarische Leben zurückgeholt, einmal noch muss er sich mit einem Fall beschäftigen, unspektakulär angesäuselt wie immer.

Dabei hat Simon Polt so gut wie alles richtig gemacht, um seinem Schicksal zu entkommen und zu sich selbst zu finden. Aus dem Dienst ist er rechtzeitig ausgeschieden, als die Gendarmerie in der Polizei aufgelöst wurde, als Heurigenwirt hat er sich konzentriert aber kontrolliert selber zugeprostet und privat scheint auch noch einmal alles gut zu gehen, er wird gerade Vater.

Doch dann liegt wieder einmal eine Leiche im Weingarten, und der ganze Trott von früher holt ihn wieder ein. Das Dorf lebt von Illusionen und Illuminationen. Wenn das Fernsehen kommt, wird alles sauber herausgeputzt, aber nach innen hin gibt es doch Todfeindschaften, die oft schon seit Jahrzehnten bestehen.

Wenn eine unbekannte Leiche im Wein-Gras liegt, ist eigentlich jeder verdächtig, zumal die Spurentruppe von auswärts nicht so recht unter die Haut der ständig angetrunkenen Bevölkerung zu blicken vermag.

Simon Polt ermittelt noch einmal als Gastwirt, und tatsächlich: nach ein paar Tagen Gespräch und Recherche löst sich der Fall in Wein und Wohlgefallen auf. Der Schlüssel zur Aufklärung ist sicher der Beruf des Toten. Denn als sich herausstellt, dass es sich um einen Weinforscher und Weindetektiv handelt, sind die Spuren relativ leicht aufzurollen.

Als Krimi kommt Polts Universum mit wenigen Handlungssträngen aus und ist bald einmal erzählt. Das Faszinierende an diesem Polt-Wunderwerk ist freilich die österreichische Seele, die in den Kellergassen, Presshäusern und Schluchten des Dorfdschungels ausgebreitet ist. Eine Lehrerin wird in fortgeschrittenem Alter schwanger und hat Angst, versetzt zu werden, ein Kater benimmt sich wie ein Altösterreichischer Adeliger, ein Unglücksrabe ?kehrte friedlich in sein Haus zurück, klaubte ein paar Äpfel auf, legte sie ordentlich in einen Korb, stieg hinauf in den Dachboden und erhängte sich. (18)

Und überall dieser feine Dunst, wie er beim Weinkosten, Weinmischen, Weinfiltern oder einfach beim bloßen Reden entsteht.

Alfred Komareks Polt ist ein abgerundeter, friedfertiger und Lebens-erlesener Jahrgang. Als Leser ist man noch Stunden nach der Lektüre benebelt, so fein ist dieser Sud gesponnen.

Alfred Komarek, Polt. Kriminalroman.
Innsbruck: Haymon 2009. 167 Seiten. EUR 17,90. ISBN 978-3-85218-604-7.

 

Weiterführende Links:
Wikipedia: Alfred Komarek
Haymon-Verlag: Alfred Komarek, Polt

 

Helmuth Schönauer, 25-08-2009

Bibliographie

AutorIn

Alfred Komarek

Buchtitel

Polt

Erscheinungsort

Innsbruck

Erscheinungsjahr

2009

Verlag

Haymon

Reihe

Polt-Romane

Seitenzahl

167

Preis in EUR

17,90

ISBN

978-3-85218-604-7

Kurzbiographie AutorIn

Alfred Komarek, geb. 1945 in Bad Aussee, lebt in Wien.

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