Geschichte | Politik

Hans-Jürgen Pandel, Historisches Erzählen

andreas.markt-huter - 03.06.2019

hans-jürgen pandel, historisches erzählen„Vor lauter Problemorientierung hat der Geschichtsunterricht die Erzählfähigkeit von Geschichte eingebüßt und die Förderung der narrativen Kompetenz der Schülerinnen und Schüler vernachlässigt.“ (S. 9)

Hans-Jürgen Pandel setzt sich mit dem Erzählen als ureigenste Form der historischen Darstellung auseinander, die im Geschichtsunterricht in den Schulen heute praktisch keine Rolle mehr spielt. Dabei geht die Erkenntnis verloren, wie aus Ereignissen Geschichte, wie aus Beschreibungen von Ereignissen Geschichtsschreibung wird.

Volker Leppin, Die fremde Reformation

andreas.markt-huter - 31.05.2019

volker leppin, die fremde reformation„Dass Luther als Mensch des Mittelalters aufwuchs, daran zu denken fällt nicht leicht, wenn er immer wieder als Begründer der Neuzeit beschworen wird, erst recht im Vorfeld des Reformationsjubiläums.“ (S. 9)

Die Reformation wird immer wieder als große Zäsur für den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit betrachtet. Wie sehr Martin Luther mit seinem Glauben und Denken dennoch dem Mittealter verhaftet geblieben ist, zeigt Volker Leppin überaus anschaulich und beredt in seiner fundierten Monographie „Die fremde Reformation“.

Matthias Politycki, Schrecklich schön und weit und wild

h.schoenauer - 29.05.2019

matthias politicky_schrecklich schön und wildReisen ist ein Teil des Konsums, weshalb sich in unserer Gesellschaft niemand daraus davonschleichen kann. Wer nicht selbst reist, zu dem kommen andere, um zu sehen, wie jemand Sesshafter ausschaut.

Matthias Politiycki reist, seit er auf der Welt ist, um die Welt. Als Kind ist er hinten in einem Käfer gesessen und hat noch nicht gewusst, dass es reisen heißt, wenn der Vater wie wild durch die Kurven fährt.

Harald Specht, Liebe, Laster, Leidenschaft

andreas.markt-huter - 24.05.2019

harald specht, liebe, laster, leidenschaft„Etliche Besucher der weltbekannten Galerien und Museen ahnen nicht, dass viele der großen Gemälde berühmter Meister neben dem Kunstgenuss auch Geheimnisse bergen, die mindestens ebenso interessant sind, wie das künstlerische Meisterwerk selbst.“ (S. 8)

Hinter manchem großen Gemälde und Kunstwerk stecken ebenso große Geheimnisse aber auch spannende und amüsante Geschichten. „Liebe, Laster, Leidenschaft“ erzählt von diesen Geheimnissen und Geschichten und zeigt anschaulich, dass Geschichten über Kunst spannender sein können, als ein Kriminalroman.

Josef Wallinger, Kindheit in Pradl

h.schoenauer - 22.05.2019

josef wallinger, kindheit in pradlDie affirmative Geschichtsschreibung versammelt die Menschen in ihrem biographischen Herbst und lässt sie schöne Geschichten aus der Kindheit erzählen. Dadurch wird die Vergangenheit erst einmal in eigene Worte gefasst und später zu einem Narrativ, das dem gesamten Leben einen Sinn gibt.

Josef Wallinger starte die Serie der Erinnerungen an Innsbruck mit seiner „Kindheit in Pradl“. Pradl ist dabei der Stadtteil östlich der Sill, der beinahe überall noch von Feldern umgeben ist. Der Autor empfindet seine Kindheits-Wohnung als Mittelpunkt der damaligen Welt, darum herum ist der Stadtteil Pradl aufgebaut. Das Volksschulkind schwebt ein paar hundert Meter die Hauptstraße der Pradler Straße entlang zur Volksschule, später erkundet das Kind die Umgebung, ehe es als Jugendlicher den Stadtteil auswendig gelernt und erobert hat.

Siegfried Frech / Frank Meier (Hg.), Unterrichtsthema Staat und Gewalt

andreas.markt-huter - 17.05.2019

siegfried frech, staat und gewalt„Aufgabe der historisch-politischen Bildung ist es, Kontraste und Veränderungen zu verdeutlichen, auf Unausgewogenheit in der Wahrnehmung von Gewalt aufmerksam zu machen und vor einseitig konstruierten Geschichtsbildern zu warnen.“ (S. 5 f)

In dreizehn Aufsätzen werden grundsätzliche Betrachtungsweisen sowie verschiedene konkrete praktische Zugänge zum Thema „Staat und Gewalt“ für den Einsatz im schulischen Unterricht vorgestellt.

Stefan Soder, Simonhof

h.schoenauer - 13.05.2019

stefan soder, simonhofJeder, der hinter der Lärmschutzmauer durch Tirol rast und einen Blick über die Sichtkante riskiert, fragt sich beklommen, wie hat dieses Land nur so entgleisen können?

Stefan Soder erzählt in seinem Roman „Simonhof“ kurz und glaubwürdig, wie das Land aus der Armut heraus in den Größenwahn explodiert ist und sich jetzt was einfallen lassen muss, will es die Zukunft nicht wieder in Armut erleben. In Form von alpinen Buddenbrooks kommen vier Generationen ins Spiel, die nach altem Alm-Adel vom einem Simon angeführt werden. Hier könnte der Untertitel Aufstieg und Einbremsen einer Familie passen.

Burkhard Hofmann, Und Gott schuf die Angst

andreas.markt-huter - 10.05.2019

burkard hofmann, und gott schuf die angst„Wenn es einen wesentlichen Unterschied zu den Therapien in Hamburg gibt, dann dieses Riesenmaß an Präsenz des Glaubens in den Sitzungen. Ständig verwiesen die Patienten auf eine Stelle im Koran, in den Hadithen oder der Tradition.“ (S. 125)

Der Hamburger Psychotherapeut Burkhard Hofmann behandelt seit Jahren Patienten am arabischen Golf. Mit dem zunehmenden Reichtum der Mittelschicht durch den Ölhandel ergibt sich ein psychisches Spannungsfeld zwischen der westlichen und traditionellen Lebensweise, mit ihren althergebrachten Familienstrukturen und religiösen Bindungen.

Anna Pixner Pertoll, Merans grüner Salon

h.schoenauer - 08.05.2019

anna pixner pertoll, merans grüner SalonDas ideale Buch über einen Grünen Salon ist groß wie ein Indoor-Saloon. Für das repräsentative Meran-Buch braucht es vor allem eine große Tischfläche, um das Buch auszulegen. Das Buch ist so weitläufig, dass man beim Durchstreunen angenehm erschöpft wird wie nach einem gelungenen Kur-Rundgang.

Anna Pixner Pertoll packt als Kunsthistorikerin alles aus den Depots und legt es in der Freiluft eines Bildbandes aus, dabei kommen historische Baupläne genauso zum Vorschein wie überdimensionierte Details etwa einer Fassadenknospe weit droben im Dach-Geäst einer Villa.

Georg Schmidt, Die Reiter der Apokalypse

andreas.markt-huter - 03.05.2019

georg schmidt, die reiter der apokalypse„Wer vergangenes Geschehen rekonstruiert, darf die Möglichkeiten der Handelnden nicht überschätzen. Sie waren geprägt vom Zeitgeist ihrer Milieus, von der Bibel und den Vorgaben der Geschichte. Eine Erzählung des Dreißigjährigen Krieges kann sich deswegen nicht auf die Jahre zwischen 1618 und 1648 beschränken. Jeder historische Anfang besitzt Ursachen und jedes Ende Folgen.“ (23)

Mit dem berühmten Prager Fenstersturz im Frühjahr 1618 nimmt ein Krieg seinen Anfang, der dreißig Jahre andauern und die Bevölkerung des Heiligen Römischen Reiches um die Hälfte dezimieren sollte. Georg Schmidt erzählt die Geschichte dieser großen Katastrophe in der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts neu und verknüpft dabei geschickt historische Deutung und zeitgenössische Urteile aus Tagebuchaufzeichnungen, Quellen und Predigten.