Martin Kubaczek, Sorge Ein Traum
Ein Spion ist letztlich nichts anderes, als ein begnadeter Erzähler. Er muss die feindlichen Aktivitäten auskundschaften und sie geheim seinen Hintermännern vermitteln.
Genau so geschieht es in der Literatur, der Autor kundschaftet feindliche Dinge aus und übermittelt sie streng geheim dem Leser.
Chinesische Romane schaffen es spielend, die Lesegewohnheiten jedes europäischen Lektüre-Freaks aus den Angeln zu heben.
Meist werden historische Ereignisse mit großen Armbewegungen erzählt, je weiter jemand beim Texten ausholt, umso mehr Luft wirbelt er damit auf.
Üblicherweise tritt man als Leser so genannten patriotischen Formulierungen mit gemischten Gefühlen entgegen, und tatsächlich klingen sie auch seit Kennedys Berlins-Sager je nach Tagesverfassung unverfroren oder kitschig.
Die Angst und das Gefühl der Demütigung sind in der Todeszelle so groß, dass die bevorstehende Hinrichtung wie eine Erleichterung empfunden wird. Adele Stürzl stirbt am 30. Juni 1944 durch das Fallbeil.
Manchmal schafft es ein scheinbar kühles Sachbuch spielend, dass man als Leser doch etwas erregt wird und einem das Messer im Sack aufgeht, wie das im Volksmund heißt.
Was haben Reisen und fette Bücher gemeinsam? - Mit beiden lässt es sich aus der Zeit aussteigen.
Ein guter Beruf braucht vor allem eines, eine gute Bezeichnung. Beppo Beyerl ergreift jeweils für ein paar Wochen im Jahr den Beruf des Limenologen und geht darin vollends auf. Bewaffnet mit Diktafon, Fotoausrüstung und dem Fahrrad Genesis geht es dabei an die Wurzeln des Berufs, denn ein Limenologe (73) ist nichts anderes als ein Grenzforscher.
"Singe den Zorn, o Göttin, des Peleiaden Achilleus, / Ihn, der entbrannt, den Achaiern unnennbaren Jammer erregte ..." Seit Jahrtausenden gelten diese Anfangszeilen als Synonym für den Beginn der europäischen Literatur aber auch für die Schrecken des Krieges zu allen Zeiten.