Geschichte | Politik

Gerd Graenz, Zahnlos

h.schoenauer - 13.01.2010

Buch-CoverMeist werden historische Ereignisse mit großen Armbewegungen erzählt, je weiter jemand beim Texten ausholt, umso mehr Luft wirbelt er damit auf.

In Gerd Graenzs kleinem Roman Zahnlos geht es geradezu irdisch unhistorisch zu. Der Protagonist ist noch zu DD-Zeiten im Anflug auf Ost-Berlin, als es mit dem Gebiss nicht mehr ganz hinhaut. Obwohl er sich eigentlich ein paar harmlose Urlaubstage machen will, wird er jetzt zum Getriebenen, denn irgendwo muss eine zahnärztliche Hilfe her.

German Sadulajew, Ich bin Tschetschene

h.schoenauer - 11.01.2010

Buch-CoverÜblicherweise tritt man als Leser so genannten patriotischen Formulierungen mit gemischten Gefühlen entgegen, und tatsächlich klingen sie auch seit Kennedys Berlins-Sager je nach Tagesverfassung unverfroren oder kitschig.

German Sadulajew erzählt unter der klaren Fügung Ich bin Tschetschene von einer Gegend, von der wir letztlich seit Jahrhunderten fast nichts wissen.

Rosmarie Thüminger, Mit offenen Augen

h.schoenauer - 15.12.2009

Buch-CoverDie Angst und das Gefühl der Demütigung sind in der Todeszelle so groß, dass die bevorstehende Hinrichtung wie eine Erleichterung empfunden wird. Adele Stürzl stirbt am 30. Juni 1944 durch das Fallbeil.

Eingespannt zwischen dieser Angst des Wartens und der Inschrift des Todes beschreibt Rosmarie Thüminger das Leben der Politikerin, Frauenrechtlerin und Kommunistin Adele Stürzl.

Alexandra Keller, Schwarzbuch Agrargemeinschaften

h.schoenauer - 14.12.2009

Buch-CoverManchmal schafft es ein scheinbar kühles Sachbuch spielend, dass man als Leser doch etwas erregt wird und einem das Messer im Sack aufgeht, wie das im Volksmund heißt.

Im Schwarzbuch Agrargemeinschaften ist alles drin, was es als Zutaten für eine spannende Lektüre braucht, und schlimmer noch, es handelt sich um keine Fiktion sondern um ein Stück unter der Tuchent der Macht versteckte Tiroler Realität.

Daniel Schwartz, Schnee in Samarkand

h.schoenauer - 08.12.2009

Buch-CoverWas haben Reisen und fette Bücher gemeinsam? - Mit beiden lässt es sich aus der Zeit aussteigen.

Daniel Schwartz ist zwischen 1987 und 2007 als einsamer Fremder in jene asiatischen Gebiete der Zeitlosigkeit gereist, die oft schon eine Hochkultur entwickelt hatten, als in unseren Gegenden noch nicht einmal die Bäume aufgestellt waren, von denen später der homo alpinus heruntergeklettert ist.

Beppo Beyerl, Achtung Staatsgrenze

h.schoenauer - 07.12.2009

Buch-CoverEin guter Beruf braucht vor allem eines, eine gute Bezeichnung. Beppo Beyerl ergreift jeweils für ein paar Wochen im Jahr den Beruf des Limenologen und geht darin vollends auf. Bewaffnet mit Diktafon, Fotoausrüstung und dem Fahrrad Genesis geht es dabei an die Wurzeln des Berufs, denn ein Limenologe (73) ist nichts anderes als ein Grenzforscher.

In mehreren Anläufen geht es dieses Mal auf den Spuren des Eisernen Vorhangs entlang der Grenzen zu Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien. Die slowenische Grenze wird freilich nur bis zum steirischen Ende abgeschritten, denn der Autor weigert sich standhaft, nach Kärnten auch nur einen Fuß hineinzusetzen.

Caroline Alexander, Der Krieg des Achill

andreas.markt-huter - 01.12.2009

Buch-Cover"Singe den Zorn, o Göttin, des Peleiaden Achilleus, / Ihn, der entbrannt, den Achaiern unnennbaren Jammer erregte ..." Seit Jahrtausenden gelten diese Anfangszeilen als Synonym für den Beginn der europäischen Literatur aber auch für die Schrecken des Krieges zu allen Zeiten.

Die amerikanische Autorin Caroline Alexander hat es sich zur Aufgabe gemacht, das griechische Epos neu zu hinterfragen. "Es geht in diesem Buch vielmehr um das, was Thema der Ilias ist, um das, was sie über den Krieg sagt." (10) Damit ist ein Thema eröffnet, das die Menschen zu allen Zeiten etwas angeht, die heutige Gegenwart, mit ihren zahlreichen Kriegen und militärischen Auseinandersetzung weltweit nicht ausgenommen.

Wolfgang Schüssel, Offengelegt

h.schoenauer - 27.11.2009

Buch-Cover

Kann der Schweigekanzler überhaupt etwas sagen? - Diese Frage bewegt die Leser der Offenlegung ungemein und erzähltechnisch gesehen handelt es sich ja um ein Wittgenstein-Problem, wenn das Schweigen zur Sprache wird.

Der Titel dieser journalistisch moderierten Zeitgeschichtlichen Biographie ist klug gewählt, lässt er doch an beinahe religiöse Offenbarungen denken und verheißt dennoch allerhand Rätselhaftes.

Christoph W. Bauer, Der Buchdrucker der Medici

h.schoenauer - 09.11.2009

Buch-CoverEine aufregende Erzählung tut letztlich nichts anderes, als etwas scheinbar Bekanntes von vorne in abenteuerlich selbstverständlicher Form neu zu erzählen.

Christoph W. Bauer ist mittlerweile zum erzählenden Gewissen der Stadt Innsbruck geworden. In seiner aktuellen Erzählung geht er der Frage nach, wie die Buchdruckerkunst nach Innsbruck gekommen ist und was sie dort bewirkt hart.

Paul Flieder, Der Barbier von Bagdad

h.schoenauer - 02.11.2009

Buch-CoverSeit der Krieg-vom-Zaun-Brecher Bush in der Präsidenten-Pension verschwunden ist, ist der Weltgeschichte ein großes Ärgernis abhanden gekommen, dementsprechend ruhig ist es auch um den Kriegsschauplatz Iran geworden.

Es gibt zwar ununterbrochen Selbstmordattentate und Tote, diese werden aber erst ab einer dreistelligen Zahl an die Weltöffentlichkeit gemeldet.