Klaus Merz, Brandmale des Glücks
In der Innsbrucker Buchhandlung Haymon sind es zwei jähe Erscheinungen, die das Herz des Besuchers jeweils kurz anhalten, ehe es gut getaktet weiterschlagen darf.
Zum einen ist es die Architektur einer Blackbox, die den Kunden gleich in einen anderen Zustand beamt, und zum zweiten ist es das großflächige Angebot an Werk- und Gesamtausgaben. Luftig aufgestellt liegen diese bunten Quader in den oberen Regalen und verheißen nichts anderes als vollkommene und vollständige Literatur.
Die meisten Zeitgenossen nehmen Südtirol als Durchreisende am Talboden oder auf Hangautobahnen wahr, sie würden ordentlich staunen, stiegen sie kurz aus und schauten nach oben.
In einer Saga ist einerseits so viel los, dass kaum ein Erzähler mit der Dokumentation der Ereignisse fertig wird, andererseits tut sich fast nichts, außer dass Helden ihr Heldenleben abspulen.
Dieser seltsame Zustand „zwischen“, quasi nicht Fisch und nicht Fleisch, oder „eingeklemmt“ wie es der Lyriker N.C. Kaser einmal genant hat, gilt am Kontinent als österreichische Kernmentalität: Nicht anstreifen, nicht dabei sein, nicht Farbe bekennen.
Sprachminiaturen sind treffsichere abgerundete Fügungen, die sich wie Gebilde mit Widerhaken auf dem Filz des Alltags festsetzen.
Literatur ist nicht nur das fertige Ergebnis, das vielleicht als Buch-Kunstwerk vorliegt, Literatur kann auch zu einer Lebensform werden sowohl für den Produzenten als auch für den Rezipienten.
Tatsächlich sind manche Wochentage und Tageszeiten wie geschaffen dafür, helle Gedanken auszufassen, ein Sonntagmorgen verströmt geradezu verdoppelt das leise Sinnieren durch den eigenen Erinnerungsraum.
„Das vorliegende Werk will in zwei Bänden einem weit verbreiteten Mangel abhelfen. Gemeint ist die fehlende oder nur unvollkommen entfaltete Fähigkeit vieler Menschen, sich gegenüber anderen Personen oder gar in der Öffentlichkeit politisch zu artikulieren.“ (9)
Ein Fernsehabend erlöst den anderen. - Wenn Sprichwort-artige klare Analysen im Spiel sind, ist Georg Paulmichl nicht weit. Er schafft es mit seinen beinahe täglichen Schreibüberlegungen, dem jeweiligen Tag und sich selbst den letzten Schliff zu geben.
Dem Roman „Ein guter Tag zum Fliegen“ ist ein Lesezeichen beigelegt mit der Zauberformel: „Ein guter Tag zum Lesen.“ - Die gute Witterung zum Abhauen aus der Schwerkraft lässt sich vielleicht mit Lesen bewerkstelligen.