David Vann, Goat Mountain
Die knallhärteste Geschichte über Leben und Tod, Opfer und Mord, Blut und Initiation gibt es immer noch im Alten Testament, die pure Härte bricht aus, wenn man diesen archaischen Text in der Gegenwart erzählt.
David Vann braucht für seine Opfer-Orgie nur wenige Zutaten. Der elfjährige Ich-Erzähler wird von Vater, Großvater und einem Bekannten mitgenommen auf die Jagd, wo er am Goat Mountain seinen ersten Hirschen schießen soll, um eine Vorstufe von Mann zu werden. Abenteuerlich gut gelaunt bricht die Truppe auf und entdeckt bald einmal einen Wilderer, der ungeniert in der Landschaft steht.
Manche Typen der Weltgeschichte sind so diffus und amorph, dass sie nur über den Umweg der Fiktion eingefasst und sichtbar gemacht werden können. Die Globalisten sind etwa Menschen, die überall am Globus auftauchen aber naturgemäß immer an der Oberfläche der Kugel bleiben.
Man muss die Literaturwissenschaft nur wörtlich nehmen, dann hat man stets genug Stoff für Unterhaltung.
Das Saxophon lässt auch bei offenen Augen alles in ein blaues Licht verschwinden, der Blues legt sich auf die Seele, die Landschaft schliert sich ein in herbstliche Töne, das Denken befreit sich von den irdischen Klammern angesichts der Saxophonie.
Wenn der semantische Blödsinn schroff genug ist, wird es als etwas Selbstverständliches empfunden. Floskel-reiche Lokalgrößen in Kärnten sprechen seit Jahrzehnten vom Fuße des Wörthersees, wenn sie an seinem Ufer stehen, so dass diese Fügung mittlerweile für besonders authentisches Kärntnerisch gehalten wird.
Vielleicht sind Gemütszustände wie sonnig, traurig, wolkig, echauffiert oder schläfrig nichts anderes als Reaktionen auf die physikalische Umgebung, vielleicht sind wir nur ein Messgerät, das etwas misst, was uns nicht bekannt ist.
Was bleibt an Nachbildern, wenn man schnell die Augen vor der Realität verschließt? - Es bleibt die Kindheit, der Acker, auf dem sich Pflanzen und Kinder tummeln, die Stube, die die Jahreszeiten hinaus sperrt, es bleiben zwei drei Schafe, die unvermittelt auf der Schreibtischplatte auftauchen.
„Der Zerfall nimmt üblicherweise seinen Anfang an Orten, auf die niemand achtet.“ (159)
Ab und zu tauchen sie jäh auf, diese Bücher, die aus der Zeit gefallen sind. Sie lösen ungeheure Überraschung aus in einer genormten Bücherwelt und zeigen, wie sich der sogenannte Zeitgeist letztlich in einer riesigen Gedankan-Flaute selbst still legt.
Wenn es Leute gibt, die bei der Schubertiade im Bregenzer Wald vor Hingabe zerschmelzen, wird es auch genügend Fans geben, die sich bei der Lektüre eines Wälder-Krimis vor Wonne quasi selbst auflösen.