Gesellschaft | Kultur

Xu Lu, Dida

h.schoenauer - 14.01.2010

Buch-CoverChinesische Romane schaffen es spielend, die Lesegewohnheiten jedes europäischen Lektüre-Freaks aus den Angeln zu heben.

Irgendwie muss man beim Lesen eines chinesischen Romans immer ganz von vorne anfangen und sich fragen: Was macht ein chinesischer Roman eigentlich, wie lässt er sich mit einem europäischen vergleichen, was ist individuelle Strategie und was ist staatlich vorgegebener Usus?

Gerd Graenz, Zahnlos

h.schoenauer - 13.01.2010

Buch-CoverMeist werden historische Ereignisse mit großen Armbewegungen erzählt, je weiter jemand beim Texten ausholt, umso mehr Luft wirbelt er damit auf.

In Gerd Graenzs kleinem Roman Zahnlos geht es geradezu irdisch unhistorisch zu. Der Protagonist ist noch zu DD-Zeiten im Anflug auf Ost-Berlin, als es mit dem Gebiss nicht mehr ganz hinhaut. Obwohl er sich eigentlich ein paar harmlose Urlaubstage machen will, wird er jetzt zum Getriebenen, denn irgendwo muss eine zahnärztliche Hilfe her.

Judith Gruber-Rizy, Drift

h.schoenauer - 12.01.2010

Buch-CoverKomplizierte Vorgänge brauchen eine komplexe Darstellungsweise, und was ist als Stoff üppiger als das Leben?

Judith Gruber-Rizy hat in ihrem Roman drei Vorgänge des Lebens im Auge und daher auch in jedem Abschnitt mindestens drei erzählerische Zugänge. Einmal geht es um die Drift, ein Phänomen, wo etwas scheinbar ungesteuert irgendwohin driftet, zum anderen geht es um die Verlässlichkeit von Erinnerung, und zum dritten geht es um das wahrhaftige Schreiben.

Waltraud Seidlhofer, Tage, Passagen

h.schoenauer - 12.01.2010

Buch-CoverNach einer intensiven Reise wird das Informationsmaterial meist in einer Schachtel abgelegt und Jahre später wird alles umgestülpt und neuerlich zum Vorschein gebracht. Die wahre Ordnung einer Reise aber bestimmt stets der Reisende.

In Waltraud Seidlhofers poetischer Materialschachtel betritt vielleicht jemand ein Museum, umkreist es, geht hinein und legt sich eine Ordnung der ausgestellten Dinge zurecht. Ähnlich geht man ja auch beim Erkunden einer Stadt vor, man reist an, umkreist sie und durchschreitet sie mit aufgerissenen Augen.

Tristan Egolf, Kornwolf

h.schoenauer - 28.12.2009

Buch-Cover

Im Deutschland des Dreißigjährigen Krieges wurden Außenseiter, Deserteure und Flüchtlinge, die sich in den Feldern versteckten, Kornwölfe genannt. Der Begriff hat in älteren deutsch-amerikanischen Gemeinden bis heute überlebt.

Tristan Egolf beschreibt Amerika stets von den Rändern her, dort wo der amerikanische Traum längst aufgehört hat, wo die Verkehrsverbindungen an ihr Ende kommen, wo sich eine verzopfte Gedankenwelt über Jahrhunderte ungeschoren als Desaster im religiös verwirrten Kopf halten kann.

Manfred Chobot (Hrsg.), Genie & Arschloch

h.schoenauer - 28.12.2009

Buch-CoverEs gibt die schöne These, wonach sich das Genie nach außen und das Arschloch nach innen zeigen. Zyniker meinen, bei Österreichern sei es genau umgekehrt.

Manfred Chobot hat ein Dutzend Schriftstellerinnen und Schriftsteller eingeladen, über das grandios widersprüchliche Begriffspaar Genie und Arschloch jeweils Fallbeispiele zu dokumentieren.

Mieze Medusa / Markus Köhle, Doppelter Textpresso

h.schoenauer - 18.12.2009

Buch-CoverSlam Poetry hat sich längst von einer spontan süffisanten Verbaleinlage für einen literarischen Wettstreit zu einer selbständigen Kunstform entwickelt.

Dabei steht der fetzige Vortrag im Mittelpunkt der Darbietung, aber durch die Konservierungsform CD und Buch erfährt der Slam eine neue Seh- und Hörweise und entsprechenden Tiefgang.

Lorenz Langenegger, Hier im Regen

h.schoenauer - 18.12.2009

Buch-CoverIn der Literatur gibt es eine eigene Kategorie von Regen-Romanen, darin wird alles hinter einem Guss aus Wasser erzählt, die Konturen der Helden sind naturgemäß mit der Umwelt verflossen und die Seele der Figuren zieht sich dabei auf das Erbärmlichste zusammen und verkriecht sich unter der eigenen nassen Haut.

Bei Lorenz Langenegger regnet es den ganzen Roman hindurch, und der Titel Hier im Regen evoziert die Redewendung im Regen stehen lassen.

Martin Beyer, Alle Wasser laufen ins Meer

h.schoenauer - 18.12.2009

Buch-Cover

Manchmal gelingt Dichtern nicht nur der große literarische Wurf, sondern auch ihr Leben verläuft dermaßen dicht, dass daraus wieder Stoff für einen Roman wird.

Martin Beyer wendet sich mit seinem Roman Alle Wasser laufen ins Meer Georg Trakl und seinem Verhältnis zu seiner Schwester Grete zu. Dabei geht es vor allem um die Beschreibung einer Künstlertruppe am Vorabend des Ersten Weltkrieges.

Norbert Loacker, Der Zufällige

h.schoenauer - 14.12.2009

Buch-CoverWahrscheinlich gibt es keine spontanere Lebensform als jene, welche permanent dem Zufall gehorcht.

Norbert Loacker schickt seinen Helden als Zufallsmenschen durch den Alltag. Morf ist nicht nur selbst ein zufällig herumschwirrender Mensch, seine größte Leistung besteht darin, dass er aus dem Zufall heraus sein Kind zeugt.