Gesellschaft | Kultur

Hanno Millesi, Der Nachzügler

h.schoenauer - 30.01.2009

Buch-CoverNormalerweise ist der Nachzügler jemand, der noch schnell geboren wird, während die Familie ihr Vermehrungsprogramm bereits abgeschlossen hat.

In Hanno Millesis Roman freilich zieht der Nachzügler den Ereignissen nach, er trottet der Aufgabenstellung hinterher, die da lautet, eine Zielperson nicht aus dem Auge zu verlieren.

Annemarie Schweighofer-Brauer / Gabriela Schroffenegger, Mein Vater war ein großer Schweiger

h.schoenauer - 26.01.2009

Buch-CoverVielleicht ist Arbeit auch das, was zwischen den Generationen läuft. - Im Abspann des Buches wird eine Szene aus der indianischen Kultur erzählt, wo sich die Alten zusammensetzen und überlegen, was aus ihrem Erfahrungsschatz sie den Jungen weitergeben wollen.

Um diesen Erfahrungsschatz geht es in diesem Reader, und der Titel lässt ziemlich viel Verstocktes erahnen Mein Vater war ein großer Schweiger.

Astrid Schönweger (Hrsg.), Von Schönheit, Alltag und Arbeit

h.schoenauer - 26.01.2009

Buch-CoverDiesen Titel muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, wie bei einem Gedicht kommen hier Härte und Durchhaltevermögen, Schönheit und Verschleierung, Arbeit und Ausbeutung Schlaglichtartig zum Vorschein.

Allein schon die Idee, ein Frauenmuseum zu installieren, ist ein eigenes Programm. Zu Beginn des "Museum-Lesebuchs" werden dem Meraner Frauenmuseum einige markante Frauenmuseen aus aller Welt gegenübergestellt, Beispielsweise in Senegal, in Oklahoma, Vietnam oder Australien.

Wolfgang Hermann, Paris Berlin New York

h.schoenauer - 23.01.2009

Buch-CoverAb einer gewissen Größe sind doch alle Orte gleich, möchte man meinen. Nicht ganz, sagt das erzählende Ich. "Der Ort ist es, der spricht." (15)

Eine Verschiebung der inneren Kräfte stellt sich ein, wenn man einen neuen Ort betritt, die Aufmerksamkeit gestaltet sich um, fast in jedem Augenblick verwandelt sich etwas.

Thomas Bernhard, Meine Preise

h.schoenauer - 23.01.2009

Buch-CoverPreise scheinen eine eigene Literaturgattung zu sein. Mittlerweile gibt es allein im deutschsprachigen Raum einige Tausend Preise, die mehr oder weniger regelmäßig vergeben werden.

Preise haben vor allem zwei Nutznießer: die Juroren, die eine wie immer geartete Kompetenz herausstreichen dürfen und dabei noch eine Jause oder ein kleines Honorar kriegen, und die Preisträger, die durch den Preis zu etwas Geld und einer Zeile für den Grabstein kommen. Dem Publikum ist der Preis ziemlich egal, die Dichter sollen dichten und nicht herum preisen!

Norbert Parschalk, Andreas Hofer

h.schoenauer - 20.01.2009

Buch-CoverAuf einem Weinfass im Himmel nuckelt Andreas Hofer durch die Ewigkeit, ab und zu schaut er auf den irdischen Boden, wo zu seinen Ehren ständig Paraden abgehalten werden.

Auf einem himmlischen Meterband sind die Stationen ewigen Ruhms aufgelistet, 1810 berichtet die Wiener Presse mit keinem Wort vom Tod des Sandwirts, 1823 werden die Gebeine heimlich nach Innsbruck geholt, 1899 besucht Kaiser Franz Josef den Sandhof, ab 1909 gibt es im 25-Jahr-Rhythmus immer größere Paraden, ehe 2008 der wunderbare Comics erscheint.

Daniel Glattauer, Gut gegen Nordwind

h.schoenauer - 03.12.2008

Buch-CoverIn der gepflegten Unterhaltungsliteratur geht es meist nur um das Eine: kriegen sich die beiden und zu wem soll man als Leser helfen?

Gut gegen Nordwind ist der E-Mail-Roman schlechthin. Das ewige Thema vom Anbandeln im gesetzteren Alter baut sich virtuell auf, steuert der physischen Begegnung zu und sackt dann wieder jäh zusammen, während die Mailbox geschlossen wird.

Elisabeth Vera Rathenböck, Die Stunde der Nattern

h.schoenauer - 02.12.2008

Buch-CoverEin Kind tippt in das Klingelbord eines Hochhauses eine Geheimbotschaft ein und läutet so jede Menge Bewohner heraus, sein Vater ist gerade ums Eck auf ein Pferd gestiegen und in den Wilden Westen geritten, eine Lehrerin wird Molch genannt, weiß aber nichts von ihrem Kosenamen.

In der Kindheit ist die Schwerkraft generell aufgehoben und die Erinnerung erzeugt feine Bilder und seltsame Figurenkonstellationen.

Martin G. Wanko, Die Wüste lebt!

h.schoenauer - 28.11.2008

Buch-CoverWenn ein Österreicher in die Wüste geschickt wird, kann daraus nur etwas Skurriles entstehen.

Österreich hat also seinen Erfolgstrainer Peppi Hickersberger in die Wüste geschickt, eigentlich ist er freiwillig gegangen, wie eben alle österreichischen Fußballtrainer immer freiwillig gehen. Jetzt trocknet ihm in der Wüste das Hirn aus, schräge Gedanken verfolgen ihn und nichts erscheint ihm mehr selbstverständlich.

Irene Prugger, Schuhe für Ruth

h.schoenauer - 05.11.2008

Buch-CoverManchmal läuft das Leben ohne Insasse im Körper ab, die Hülle füllt eine sichtbare Rolle aus, aber statt eines Bewusstseins bläst Alltagswind durch das Gewebe des Daseins.

Ruth ist eine unauffällige Figur, zu der man auch als Leser kaum einen Zugang findet. In zwei mal zwanzig Kapiteln spult sie ihr Leben ab, das alle Zutaten zu einer Dutzenderscheinung ideal versprudelt hat.