Gesellschaft | Kultur

Fritz von Herzmanovsky-Orlando, Prosa

h.schoenauer - 04.11.2008

Buch-Cover"Mein Innenleben wird immer summender, und ich muss das 'kategorische Kusch' immer neu verschärfen. Und das 'kategorische Kusch', das ich ihm an Konvenienz vor der Realität des Alltags öfter zurufen muss, bringt das Gegenteil von Dämpfung hervor. (267)

Manche Sätze winken schon von weitem ganz verrückt einem Leser zu und werden auch bei literarischem Gegenwind sofort als Herzmanovsky-Orlando erkannt, diese Sätze nämlich würgen voller Vielfalt den Leser, ehe dieser röchelnd zugibt, den Sinn verstanden zu haben.

Christoph W. Bauer, Graubart Boulevard

h.schoenauer - 04.11.2008

Buch-CoverStädte tragen oft nicht nur den Panzer historischer Stadtmauern, die mehr oder weniger sichtbar und touristisch verwertbar um alte Gebäude herum verlaufen, unsichtbar und dramatisch verlaufen auch Gräben und Mauern der Erinnerung um solche Städte.

Christoph W. Bauer beschreibt einen solchen Erinnerungsgraben, er nennt ihn hoffnungsvoll Boulevard, damit man vielleicht eingedenk der Familie Graubart, die in Innsbruck vernichtet und vertrieben worden ist, etwas eingebremst durch die Erfolgsgeschichte der Stadt wandelt.

Danzl/Fürlinger/Laske, Mit Kindern durch Innsbruck

andreas.markt-huter - 23.10.2008

Buch-CoverWenn Eltern mit ihren Kindern Urlaub machen, stehen Stadtbesichtigungen ganz hinten auf der Urlaubswunschliste der Kinder.

Damit das nicht so sein muss, haben drei Innsbrucker Kunsthistorikerinnen einen Innsbrucker Stadtführer verfasst, der vor allem Kinder und Jugendliche ansprechen soll.

Brigitte Riebe, Die Hexe und der Herzog

andreas.markt-huter - 22.10.2008

Buch-CoverDie Stadt Innsbruck gibt die Kulisse für Brigitte Riebes historischen Kriminalroman Die Hexe und der Herzog in dem Mordanschläge, Liebesgeschichten und die berüchtigte Innsbrucker Hexenverfolgungen im Mittelpunkt des Geschehens stehen.

Die Handlung spielt im Jahr 1485. Der  in Tirol regierende Erzherzog Sigmund der Münzreiche heiratet die 16-jährige Katharina von Sachsen, um sich endlich einen Nachfolger zu sichern.

Adam Davies, Goodbye Lemon

h.schoenauer - 21.10.2008

Buch-Cover

Eine ziemlich merkwürdige Verabschiedung, dieses Goodbye Lemon, irgendwie klingt es nach Geheimsprache und Kindheit, wenn sich jemand von einer Zitrone vertschüsst.

Tatsächlich kommt Jack Tennant nicht mit seiner Vergangenheit und insbesondere mit seiner Kindheit zurecht. Zwar ist er momentan günstig verliebt, aber letztlich ist alles schief gelaufen.

Dietmar Bittrich, Altersglück

h.schoenauer - 19.10.2008

Buch-CoverWollte man das Buch vom Altersglück und dem Segen der Vergesslichkeit inhaltlich korrekt rezensieren, sollte man als Rezensent augenzwinkernd schreiben. "Ich habe schon wieder vergessen, was ich gelesen habe".

Dietmar Bittrich, der bereits so große Themen wie den Nutzen der Bildungsromane oder den Unsinn von Familien behandelt hat, widmet sich in diesem Essay-Roman dem Thema Altern und Vergessen.

Peter Patzak, Akte Im Schweigen vermählt

h.schoenauer - 16.10.2008

Buch-CoverTausende Augen von posierenden Frauengesichtern schauen uns in einem Museum an, wir Besucher freilich haben oft nur den Blick für das Schild, auf dem der Namen des Malers steht.

Peter Patzak führt uns einen Akt-Reigen vor, in welchem die Frauen als Modelle die Hauptrolle spielen. Aus flüchtigen Bemerkungen der malenden Helden und aus Nuancen zwischen den Zeilen der heroischen Künstlerbiographien hat der Autor die schweigenden Schicksale zum Klingen gebracht.

Walter Wippersberg, Eine Rückkehr wider Willen

h.schoenauer - 14.10.2008

Buch-CoverGerade wenn das Leben gelungen dahin flutscht, nimmt es oft einen geradezu atemberaubenden Lauf.

Walter Wippersberg erzählt von diesem Hüftknick, der einen so mitten im Saft stehend erwischen kann. Irgendwie hat alles mit der Stadt Steyr zu tun, hier wuchs der Ich-Erzähler auf, hier wurden seine Routen für die Zukunft angelegt, hier kam es zu ersten literarischen Aktionen.

Hans Platzgumer, Weiß

h.schoenauer - 13.10.2008

Buch-CoverWas passiert, wenn man aus dem gewöhnlichen Leben so heftig aussteigt, dass man nur noch weiß um sich "sieht"?

Hans Platzgumer schickt seinen Anti-Helden Sebastian Fehr ans Ende der Welt und versucht zu beschreiben, was in der extremsten Grenzsituation tatsächlich passiert. Frankfurt gilt als der Mittelpunkt der pragmatisch-faden, ökonomisch-unaufgeregten Welt, eine Bank ragt in die nächste hinein, ein durch-designtes Leben umarmt das nächste. Wer hier lebt und stirbt, hat letztlich nichts von der Welt mitbekommen.

Dietfried Bernet, Argumente für den Herrn im Frack

h.schoenauer - 12.10.2008

Buch-CoverEs gibt wundersame Berufe, die sind so einmalig, dass sie nicht einmal zur Verkleidung im Fasching taugen. Der Dirigent ist so ein exotisches Berufstier, das jeder Mensch als fleischgewordenen Taktstock im Frack kennt.

Dietfried Bernet erzählt frisch von der Leber weg, was es mit der Dirigiererei so auf sich hat. Natürlich braucht es für diesen Beruf Begabung, vor allem aber Hingabe und glühendes Interesse.