Gesellschaft | Kultur

Georg Elterlein, Der Hungerkünstler

h.schoenauer - 29.06.2009

Buch-CoverZu einer Zeit, als es noch kein Big Brother im Fernsehen gab, waren Hungerkünstler zur Unterhaltung am Werk, indem sie ihre Hungerei öffentlich zur Schau stellten. Franz Kafka hat in seiner gleichnamigen Erzählung so einen Hungerkünstler als ironisches Lichtbild eines idealen Künstlers entworfen, der Künstler wird darin einfach im Käfig vergessen und stirbt.

Bei Georg Elterlein tritt der Hungerkünstler als modernen Held voller Psychosen auf.

Ursula Haas, Drei Frauen

h.schoenauer - 29.06.2009

buchcoverVielleicht kann man ein Leben nur dann halbwegs beschreiben, wenn man gleich drei beschreibt. Ursula Haas verknotet in ihrem "Künstlerinnen-Roman" drei Stränge ineinander, dabei erzählt sie in Ich-Du-Sie-Form.

Als Ich-Erzählerin führt die Schriftstellerin Lenka durch den Roman. Diese Figur ist teilweise autobiographisch angelegt, 1943 in Tschechien geboren ist das erste aufwühlende Ereignis die Flucht zu Kriegsende in den Westen.

Isabella Breier, 101 Käfer in der Schachtel

h.schoenauer - 28.06.2009

Buch-CoverEine Liebesgeschichte, die mit Ludwig Wittgenstein loslegt, kann das gut gehen? - Und wie, denn das Verhältnis zwischen Klarheit und Unklarheit lässt sich kaum besser ausdrücken als mit dem Bild Ludwig Wittgensteins, wonach jeder einen anderen Käfer in seiner Schachtel sieht.

Isabella Breier unterlegt den Kosmos von Nähe und Ferne, Liebe und Coolness, Nähe und Distanz mit einem minimalen Plot.

Stefan Schmitzer, wohin die verschwunden ist

h.schoenauer - 27.06.2009

Buch-CoverKann etwas Persönliches für die Allgemeinheit wichtig sein? Und umgekehrt, hat das allgemein Beobachtete für das Individuum Auswirkungen?

Stefan Schmitzer geht diesen Fragen mit seinem Roman auf den ersten Blick gleich optisch an. Er drittelt die Buchseiten, zwei Drittel gehen als allgemeines Schicksal wie ein üblicher Roman vonstatten, das untere Drittel in blasser Schrift gilt einem individuellen Schicksal, das man von hinten nach vorne lesen muss, ehe es plötzlich versiegt.

Stephanie Mold, Ich bin wie Zucker

h.schoenauer - 26.06.2009

Buch-CoverJung und blond in Istanbul. - Die Klischee-Maschine in unseren Leseköpfen springt schon an!

Stephanie Mold schickt eine ziemlich unattraktive Frau als Erzählerin ins Rennen, aber sie hat wie in einem blöden Schlager die totale Aussagekraft: sie ist blond.

Leopold Maurer, Miller & Pynchon

h.schoenauer - 26.06.2009

Buch-CoverErste Überraschung: Miller und Pynchon sind eigenständige Kunstfiguren, die sich bloß aus Schicksalsgläubigkeit heraus die großen Namen amerikanischer Schriftsteller geliehen haben, zweite Überraschung: es gibt mehr zu sehen als zu lesen, denn bei Miller & Pynchon handelt es sich um einen Comics-Roman.

Miller und Pynchon sind Landvermesser, Kafka schau' herunter, und haben einen verrückt einfachen Auftrag, sie müssen eine Demarkationslinie zwischen Nord und Süd vermessen.

Zambulat Idiew, Spiele hinter Stacheldraht

h.schoenauer - 26.06.2009

Buch-CoverNovellen sind üblicherweise eine spannende Angelegenheit, die auf ein Hauptereignis hin getrimmt und mit einer edlen Sprache umhüllt ist. Die Tschetschenen-Novellen von Zambulat Idiew hingegen könnte man als Brutalo-Novellen bezeichnen.

Das liegt nicht an der Erzählweise, die sarkastisch raffiniert ausgeübt wird, sondern schlicht an den brutalen Themen.

Géza Ottlik, Die Schule an der Grenze

h.schoenauer - 06.06.2009

Buch-CoverSchlafsaal mit Fenstern nach Nordwesten, die Sonne, die sich zu spät für die Jahreszeit hinter den Abschlusskamm fallen lässt, eine Kastanienallee, deren Blätter schon diffuse Farben in die Lehmfahrbahn knallen: Was eine wunderschöne Inszenierung ist, stellt sich bald als perverse Kulisse für ein perverses Unternehmen heraus.

Dieses menschenverachtende Unternehmen ist eine Kadettenschule an der Außengrenze Ungarns, darin eingefangen sind die Söhne des Establishments, die noch nach Jahrzehnten an dieser sogenannten Ausbildung leiden.

Dan Lungu, Die rote Babuschka

h.schoenauer - 27.05.2009

Buch-Cover"Als ich heute Morgen aufwachte, war ich alt. (244) - Selten tritt das Ergebnis eines ganzen Romans mit einem so klaren Satz zu Tage wie am Schluss von Dan Lungu's "roter Babuschk".

Vermutlich besteht das alt werden darin, dass man die erlebten Zeiten nicht mehr scharf genug einschätzen kann und alles in einem wohligen Erinnerungsbrei endet.

Ekkehard Schönwiese, Schluss mit dem Hofertheater!

h.schoenauer - 14.05.2009

Buch-CoverEin Hofer-Jahr erkennt man daran, dass ab Jahresmitte plötzlich alle Wörter mit der Vorsilbe Hofer lächerlich werden. Hofer-Jahr, Hofer-Theater, Hofer-Umzug, die Leute biegen sich mittlerweile vor Lachen.

Ekkehard Schönwiese greift diese abgestumpfte Hoferstimmung auf und setzt noch eines drauf. Er untersucht mit frechem Auge die jeweiligen Inszenierungen, dramaturgischen Hofereien und Zwangsheroisierungen diverser Hoferstücke.