Gesellschaft | Kultur

Sepp Kahn, Der Birnbaum schweigt

h.schoenauer - 22.01.2008

Buch-CoverVielleicht kann man die Gattung Bauernkrimi ausrufen, um Sepp Kahns wundersame Agrar-Bio-Orgie irgendwie zu beschreiben.

Der Fall lässt sich wie ein kitschiges Löwinger-Stück an. Der Lift-Theo ist in Frühpension gegangen und bewirtschaftet eine entlegene Hütte, dabei meditiert er viel, moderiert mit sich selbst das Aussteigerleben und legt eine satte Spur von Lebenswitz und Lebenserfahrung hin.

Biedermann / Langegger, Der versunkene Pfad

h.schoenauer - 19.01.2008

Buch-CoverWir kennen das von den Bus-Chauffeuren: Entweder sie können gut fahren oder gut unterhalten, beide Eigenschaften in einer Person sind sehr selten. Bei den Abenteurern ist es ähnlich, wobei uns Lesern schwache Abenteurer mit guter Erzählkraft besser gefallen als starke Wanderer mit steifer Wortlosigkeit.

Das Abenteuer Alaska lässt sich als Reisebericht nur mehr schwer zu Papier bringen, Alaska so für sich hingesagt ist nicht nur physisch gut durch gewandert sondern auch literarisch ziemlich erschlossen.

Andrej Kurkow, Herbstfeuer

h.schoenauer - 16.01.2008

Buch-CoverHerbstfeuer, das riecht nach weitem Land in Russland und der Ukraine, am Fuße einer unsäglichen Wetterfront machen die Bewohner noch einmal richtig Dampf und sieden und braten alles, was sie für den langen Winter brauchen.

In der Titelgeschichte Herbstfeuer wird zudem alles verheizt, was eigentlich verboten ist.

Peter Handke, Die morawische Nacht

h.schoenauer - 15.01.2008

Buch-CoverManche Bücher bewegen das Leben des Lesers, indem ein seltsamer Energiesaft von den Buchseiten über die Unterarme in den Körper strömt.

Peter Handkes Die morawische Nacht ist so eine Erzählung, der man zuerst poetisch, gefühlsmäßig, philosophisch aufgeweckt und voller Gelassenheit zuhört, ehe man überhaupt überlegt, was in diesem Buch eigentlich alles passiert.

Georgi Gospodinov, Natürlicher Roman

h.schoenauer - 15.01.2008

Buch-CoverDie Natur tut letztlich, was sie will, sie ist die letzte, die sich aus ihrer Unversehrtheit vertreiben lässt und ist die erste, die nach der Vertreibung als Pionierpflanze wieder zurückkommt.

Kaum eine Einteilung entspricht genau genommen der Natur, und alles, was der Mensch von ihr wahrnimmt ist höchstens ein kleines Stück höherer Wahrheit.

Guy Helminger, Morgen war schon

h.schoenauer - 05.01.2008

Buch-CoverTaxifahrer sind die Geschichtenträger einer Stadt, wo sie auftauchen passiert etwas, und wenn etwas passiert ist, wird es meist von einem aufgeregten Fahrgast dem erstbesten Taxilenker erzählt.

Guy Helmingers Roman beginnt mit einer klassischen Taxiszene in Köln , ein paar seltsame Figuren wollen eine ungewöhnliche Fahrt buchen, doch der Held hat nichts dergleichen im Sinn, er pflegt seine Plüschtiere am Fahrgastsitz und gibt sich abweisend.

Hans Raimund, Vexierbilder

h.schoenauer - 04.01.2008

Buch-CoverEin Vexierbild ist eine vorläufig fixierte Illusion, die sich bei genauerem Hinsehen als etwas ganz anderes entpuppen kann.

Hans Raimund führt in seinen Gedichten immer diesem Umkippeffekt vor, an dem sich eine Erfahrung in das Gegenteil verkehrt, eine Liebe Argwohn erweckt, eine Lebensplanung entgleist.

Bernhard Seiter, Elf Finger

h.schoenauer - 03.01.2008

Buch-CoverWas sich wie der Name eines Indianerhäuptlings oder einer Monstrosität anhört, ist in Wirklichkeit eine Methode, als Kind in der Großstadtwirklichkeit zu überleben.

Der fünfjährige Jakob will unbedingt alleine mit der U-Bahn fahren, das Kindermädchen liefert ihn an der Einstiegsstation ab und nach elf Stationen soll er von seiner Mutter wieder abgeholt werden. Um sich die Route zu merken, braucht es elf Finger, dann heißt es aussteigen.

Felsch / Gugger / Rath (Hrsg.), Berge, eine unverständliche Leidenschaft

h.schoenauer - 16.12.2007

Buch-CoverGeschmeidig und handzahm springt dieses kulturhistorische Bilderlesebuch dem Benützer in die Hand und verhält sich wie ein Wanderführer, den man unauffällig griffbereit in die Überlandkleidung steckt.

Und der Umschlag schaut harmlos sicher wie eine Wanderkarte aus, hat es aber in sich, alles nämlich ist ein Fake.

Werner Schandor, Mein kleines, lumpiges Leben

h.schoenauer - 15.12.2007

Buch-CoverDiese große Sehnsucht, aus einem unauffälligen Dasein eine Besonderheit zu machen, zieht sich durch die Träume der Menschheit und folglich der Literatur. Vielleicht kann man an Eichendorffs Realo-Romantik-Roman denken "Aus dem Leben eines Taugenichts", eine feine Sache über die Jahrhunderte.

Werner Schandor schickt seine zersplitterten Protagonisten aus diesem Grunde in den lumpigen Alltag. Wie kann ich mein Leben heroisch begreifen, und kann ich eingreifen, um mir selbst gerecht zu werden?