Gesellschaft | Kultur

Margarete Schütte-Lihotzky, Warum ich Architektin wurde

andreas.markt-huter - 05.03.2007

Buch-CoverBücher, die eine konkrete Frage stellen und diese stracks beantworten, haben immer etwas Faszinierendes an sich.

So stellt die Jahrhundert-Architektin Margarete Schütte-Lihotsky für ihre biographische Zusammenfassung die feststellende Frage ohne Fragezeichen: „Warum ich Architektin wurde“.

Hofer / Lienhart , idealistisch und wagemutig

andreas.markt-huter - 05.03.2007

Buch-CoverDie markanteste These vorweg: Obwohl das SOS-Kinderdorf in der Praxis von Frauen aufgebaut worden ist, dreht sich letztlich alles um einen Männermythos, den Übervater Hermann Gmeiner.

Bettina Hofer und Christina Lienhart wagen sich als Insider von SOS-Kinderdorf an die heikle Aufgabe, den Pionierinnen der Bewegung in herzlicher Weise gerecht zu werden sich dabei an wissenschaftliche Standards historischer Würdigung zu halten.

Amir P. Peyman, Die Abenteuer des Tarek Kemal

andreas.markt-huter - 16.02.2007

Buch-CoverRoutinierte Einheimische erkennt man meist daran, dass sie sich mit einem einzigen verbalen Hammer die Welt erschließen. Was sich mit diesem Einheitstool nicht aufmachen lässt, hat eben Pech gehabt, es bleibt außerhalb der Wahrnehmung dieses Users.

Amir P. Peymann schickt seinen Helden Tarek Kemal gleich mit einem gigantischen Sprach-Set durch den Alltag, aus diversen Landstrichen und Kulturen sind die Bezeichnungsmittel zusammengetragen, mit denen sich so gut wie alles aufsperren lässt.

Raoul Schrott, Die fünfte Welt

andreas.markt-huter - 16.02.2007

Buch-Cover

Ein Logbuch führen meist Abenteurer, Entdecker, Forscher und Grenzgänger. Der Poet Raoul Schrott ist alles von dem, wenn er sich haptisch hochgerüstet und ortsgebunden auf den Weg macht, im Norden des Tschad den letzten unentdeckten weißen Flecken dieser Erde aufzusuchen.

Raoul Schrott stellt seinen drei Kapiteln des Logbuchs jeweils ein wunderbar-skurriles Zitat von Herodot voran.

Gerhard Ulbrich, Geh mit Gott und stirb

andreas.markt-huter - 14.02.2007

Buch-CoverDie wahren historischen Ereignisse handeln alle vom Sterben der Menschen. Erzähle mir was vom Tod und ich weiß alles über die Zeit.

Sieben Jahre nach dem Publikationsstart von Gerhard Ulbrichs Sterbe-Triologie, der erste Teil „Stillfried“ spielt um 1991und erzählt das elende, radioaktiv verseuchte Sterben kurz nach Tschernobyl, erscheint jetzt der Mittelteil. In „Geh mit Gott und stirb“ geht der Vertreter der nächsten Generation nach Ruanda, gerät in den Bürgerkrieg, und bringt sich wegen des daraus entstehenden Wirrwarrs im Kopf um.

Bernhard Salomon (Hrsg.), 17 Jahre ohne Sex

andreas.markt-huter - 13.02.2007

Buch-CoverManche Lebenskulturen lassen sich auf einen einzigen Sager zusammenfassen: 17 Jahre ohne Sex! - diese Lebensbeichte der Balletteuse Daggi Koller lässt auch ihren Mann Helmut Zilk wonniglich nicken.

So ist das also, das Leben, mit jedem Furz ist man als berühmte österreichsche Persönlichkeit im Fernsehen und dann gibt’s keinen Sex.

Judith Gruber-Rizy, Zwischen Landschaft

andreas.markt-huter - 09.02.2007

Buch-CoverLandschaften werden meist deshalb aufgesucht, besungen und abgemalt, weil sie in ihrer Mannigfaltigkeit eindeutig sind. Voll in einer Landschaft aufgehen heißt so ein Gefühl, bei dem das Subjekt in einen klaren Zustand eintaucht.

In den Texten von Judith Gruber-Rizy liegen diese Subjekte meist zwischen den Landschaften. Jemand ist in der Stadt und denkt sich aufs Land, eine prägende Landschaft aus der Kindheit strahlt mit unmäßigen Signalen in die Erwachsenenwelt, oder eine Landschaft besteht überhaupt nur aus Zwischenräumen, mit welchen die Haltestellen einer Reise ausgefugt sind.

Marge Piercy, Sehnsüchte

andreas.markt-huter - 09.02.2007

Buch-Cover"Die Sehnsüchte von Frauen:/ Flügelschlag von Faltern gegen / Decken, die blaubemalt wie Himmel sind …". –Dieser wunderschöne Vers über Sehnsucht, Freiheit, Illusion, Himmel und Zimmerdecke ist einem gigantischen Kosmos vorgespannt, der sich über siebenhundert Seiten schwer als psychisches Soufflé vor der Leserschaft ausbreitet.

Aus drei Frauenfiguren flicht Marge Piercy einen Zopf, der immer strenger und unauflösbarer wird. Die Sehnsüchte der Frauen werden unter diesem strengen Zug der gesellschaftlichen Verstrickungen rigide abgewürgt, bis die Heldinnen dann verstört zur Erkenntnis kommen, ok, das wird es wohl gewesen sein.

Richard Wall, Rom

andreas.markt-huter - 08.02.2007

Buch-CoverGanz Rom ist ein Palimpsest, Geschichten, Gebäude, Kulturen und Wetterlagen sind dermaßen in einander verschachtelt, dass man nie die einzelnen Schichten als Ganzes los lösen kann. Wie wenn man ein Stück Wurzel aus der Erde zieht, ist immer noch etwas von früher und von woanders dran.

In der Kultur- und Literaturtheorie ist ein Palimpsest ein Text, in welchen aus pragmatischen Gründen ein anderer hineingeschrieben worden ist. Das berühmteste Palimpsest der Literaturgeschichte gibt es bei Thomas Pynchon, wo Agenten unter dem Schnauzer die geheime Botschaft eingeschrieben haben, sichtbar nur für jenen, der die richtige Rasur kennt.

Felicitas Hoppe, Johanna

andreas.markt-huter - 08.02.2007

Buch-CoverAh, das ist ein idealer Roman für germanistische Seminare! Eine Dissertantin Johanna hockt über dem Thema Johanna, und plötzlich fließen die Welten ineinander.

So kommt einmal die Universitätswelt unmittelbar zum Vorschein, wie man schwitzt und ständig Angst hat vor Prüfungen, und indirekt schwitzt das universitäre Wissen die historische Figur Johanna aus, die natürlich ebenfalls Angst hat, weil sie ja auf den Scheiterhaufen muss um dann nach fünfhundert Jahren heilig gesprochen zu werden.