Jeffrey Metzner, Strich für Strich
Angenommen wir hätten nur die Kunst der archaischen Höhlenzeichnung zur Verfügung, könnten wir dann unsere scheinbar so komplexe Welt darstellen?
Zumindest Jeffrey Metzner kann es. In einem verrückt einfachen Stil, bei dem das so genannte Strichmännchen bereits eine üppige Figur ist, zeichnet er sowohl dramatische Vorgänge als auch psychologische Tiefgänge.
Vielleicht ist die ewige Stadt Rom respektlos betrachtet wirklich ein Haufen Steine, die im Licht der Zeitlosigkeit dahin dösen.
Wenn jemand regelmäßig etwas tut, glaubt er, es laust ihn der Affe. Wir kennen das vom Einkaufen, Busfahren oder Cafe-Besuche.
So entlegen kann eine Gegend gar nicht sein, dass darin nicht ein Krimi spielen könnte. Man braucht nur den wundersamen Begriff „Tibet“ im Kopf in seine Begriffsfelder zu zerlegen und hat schon die Zutaten für einen vortrefflichen History-Transzendenz-Exotic-Krimi.
Vielleicht besteht der Ur-Krimi darin, dass jemand den Ort oder die Zeit wechselt. Barbara Vines Krimi „Aus der Welt“ handelt von einem Orts-, Kultur- und Zeitwechsel der romantischen Art.
Niemand hört wirklich zu rauchen auf. – Mit diesem Satz ist das ganze Konzept dieser Welt erklärt, wir alle sind irgendwo abhängig und kommen niemals los davon.
Auf der ganzen Welt kennt man dieses Riesenrad, das bei günstiger Optik genau hinter dem Stefansdom aufgestellt ist, während in der Tiefe dieser Installation vielleicht ein Fiakerpferd im rosaroten Mannerschnitten-Look furzt.
Vielleicht muss man sich gegen Wortlawinen genauso schützen wie gegen echte Lawinen. Am besten wird es sein, gefährliches Gelände zu gewissen Zeiten gar nicht zu betreten, und wenn man in diese semantisch abrutschenden Hänge hineingeleitet, sollte man wenigstens eine Wortschaufel und einen Sinn-Pieps mit dabei haben.