Gesellschaft | Kultur

Robert Engele und Christian Penz, Kramasuri

andreas.markt-huter - 13.05.2007

Buch-CoverAltes Gerümpel wird ehrfürchtig Kramasuri genannt, wenn man daraus vielleicht noch etwas machen kann. Philosophisch gesehen ist Kramasuri ein Chaos, das liebevoll nach einem ordnenden Eingriff schreit.

Die beiden Redakteure Robert Engele und Christian Penz haben nun das gesamte so genannte Steirerwissen auf einen Haufen geworden und dadurch einen dampfenden Wissensborn erschlossen. Man glaubt s kaum, was nicht alles für eine Meldung gut sein könnte.

Ludwig Roman Fleischer, Die Enterbung

andreas.markt-huter - 07.05.2007

Buch-CoverWer glaubt, er ist, was er ist, täuscht sich gewaltig. Im Zeitalter der genetischen Nachverfolgung der Vorfahren entpuppt sich so mancher Stammbaumhalter als formidables Kuckuckskind.

So erwischt auch den Kulturjournalisten Michael Zbornik am Ende seiner Tage noch das große Reinemachen. Mit dem zittrigen Fieber Marke "subfebril" wird er ins Krankenhaus eingeliefert und kriegt von seinem befreundeten Leibarzt die niederschmetternde Prognose, dass er nicht mehr lange zu leben hat.

Colum McCann, Zoli

andreas.markt-huter - 26.04.2007

Buch-CoverKann man das Schicksal der Roma etwa gar mit dem bürgerlichen Erzählmittel der Buddenbrooks darstellen? Colum McCann scheint tatsächlich so etwas vorzuhaben, und es funktioniert auf der Oberfläche der Lektüre sogar.

Zoli ist eine Zigeuner-Dichterin aus der Gegend um Bratislava, die das geheimnisvolle Insiderwissen ihres Volkes ehrfurchtsvoll besingt, und dabei immer mit dem eigenen Leben und der politischen Lage in Verbindung bringt.

Oswald Stimpfl, Landgasthöfe in Südtirol

andreas.markt-huter - 15.04.2007

Buch-CoverManche Ausdrücke bringen die Zunge durch bloßes Aussprechen zum Schmelzen. „Landgasthof“ ist so ein sympathischer Begriff, bei dem man sofort an Wärme, Kindheit, Sonntag, Limo und Speckjause erinnert ist.

Ein Land nach Landgasthöfen abzugrasen, ist also eine durchaus erfreuliche kulturelle Tätigkeit, und Oswald Stimpfls Reisebegleitung ist dabei eine amüsante und informative Unterstützung.

Ludwig Laher, Und nehmen was kommt

andreas.markt-huter - 11.04.2007

Buch-CoverManchmal knüpft der erste Absatz eines Romans bereits einen dermaßen vertrauenswürdigen Knoten mit dem Leser, dass man von der ersten Zeile an weiß, man ist in guten Erzähl-Händen.

Ludwig Laher ist für eingeweihte Leser ein Paradoxon, er erzählt nämlich die schmerzhaftesten Biographien mit einer mitreißenden Diskretion. Natürlich verheißt dieses verwucherte Gartenstück am Beginn dieses Romans nichts Gutes.

Rudolf Lasselsberger, Willi auf Kur

andreas.markt-huter - 09.04.2007

Buch-CoverIn der klassischen österreichischen Literatur tauchen in Kurorten meist angesoffene Kurärzte auf, die sich schwermütig durch die Geographie jammern und im Morgengrauen bei einem Duell abknallen lassen.

Nicht so in Rudolf Lasselsbergers Bericht ‚Willi auf Kur‘, der das Zeug hat, zu einem literarischen Meilenstein der Kurgeschichte zu werden.

Angelika Reitzer, Taghelle Gegend

andreas.markt-huter - 05.04.2007

Buch-CoverEs gibt wirklich diese lichten Romane, die vom Titel weg bis zur letzten Zeile etwas Speedig-Helles ausstrahlen.

In Angelika Reitzers Roman wird es schon auf der ersten Seite in einem Innenhof hell, die Bäume sind zwar für diese Saison am Ende der Blüte, aber zu ihren Füssen steht in einer Sandkiste bereits das Spielzeug bereit, um bei Bedarf jederzeit ein Stück Kindheit in den Sand zu spielen. Und diese Kindheit kann überall aus der Hüfte heraus einsetzen und bringt die Protagonistin in eine optimistische Stimmung.

Johann-Günther König, Die Lobbyisten

andreas.markt-huter - 02.04.2007

Buch-CoverIrgendwie sind sie ja die geborenen Geheimagenten, halb im Schatten sitzend, halb auf dem Sprung zu einer Türklinke eines Mächtigen. Die Lobbyisten sind immer da, wenn auch meist unsichtbar. Und wenn bei ihrer Arbeit die Vordertüre versperrt ist, nehmen sie den sprichwörtlichen Hintereingang des Mandatars.

Ihr Name leitet sich von der Lobby eines Hotels ab, worin seit Jahrhunderten diverse Interessensvertreter warten, bis der Mächtige vorbeikommt, um ihm dann die eine oder andere Entscheidung abzuringen.

Thomas Schäfer-Elmayer, Der Business Elmayer

andreas.markt-huter - 01.04.2007

Buch-CoverLängst wissen wir, dass in der Wirtschaft die Etikette mindestens so wichtig ist wie die Zahlenkolonnen auf den diversen Transaktionspapieren.

Eine gute Dienstleistung wird erst durch professionelles, gepflegtes Auftreten der handelnden Personen zu einem angenehmen Ereignis, harte Sätze erfordern oft einen dämpfenden Filter der Diplomatie, und ab und zu brauchen die erfolgreichen Wirtschaftstiere auch einen passenden Laufstall, worin sie ihre hart arbeitenden Körper in schönen Gewändern dramaturgisch einwandfrei ausführen können.

Dimitri Prigow, Moskau-Japan und zurück

andreas.markt-huter - 01.04.2007

Buch-CoverWenn ein ehemaliger Untergrund-Autor so großen Wert darauf legt, dass sein Roman „non-fiction“ ist, dann spricht daraus bereits eine gewisse Lebenserfahrung im Umgang mit der so genannten Wahrheit.

Vordergründig handelt es sich bei Dimitri Prigows Text um einen Reisebericht. Der Ich-Erzähler landet in Japan und hat den starken Wunsch, das alles niederzuschreiben. So gibt es einen Start, der schlicht ‚Beginn’ heißt und die Lebensweisheit aus der Sowjetunion für Jugendliche zusammenfasst: Wenn Schlägertypen auftauchen, sagt man einfach geht weg, und die Typen gehen weg.